Bloßstellen oder Propaganda

Wie Journalisten mit Nazis umgehen sollten – ein Kommentar

Von Jonas Janssen

Deutschlands bekanntester Holocaust-Leugner Horst Mahler begrüßte Michel Friedman vor zwei Jahren mit den Worten: „Heil Hitler, Herr Friedman.“
So verrückt es zunächst klingt: Journalistisch gesehen war dies ein Glücksfall. Nicht weil es dem Magazin „Vanity Fair“, in der das Interview erschien, Aufmerksamkeit einbrachte. Sondern vielmehr weil es eine wichtige Debatte lostrat: Wie sollen Medien mit Rechtsextremisten, Rassisten und Antisemiten umgehen? Viele schrien damals auf, es sei unverantwortlich einem Radikalen wie Mahler auf diese Weise eine Plattform zu liefern. Der Historiker Arno Lustiger zeigte „Vanity Fair“ sogar an. Trotzdem leistete Friedmans Interview etwas, das den Medien nur selten gelingt. Er führte den Wahnsinn des Mahlerschen Antisemitismus und Rassismus eindrucksvoll vor. weiterlesen…

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Den Ausstiegsprogrammen für Neonazis fehlt das Geld

Von Anne Dünger

Alles, was ich will, ist nichts mit euch zu tun haben. Foto: AKRÜTZEL-Archiv

Deutschlands bekannteste Hilfsorganisation für Aussteiger aus der rechtsextremen Szene „Exit“ steht auf der Kippe: Im September 2008 hat die Bundesregierung beschlossen, die finanzielle Förderung des Programms zu beenden. Seit dem Jahr 2000 bot „Exit“ ehemaligen Rechtsextremisten Schutz und Begleitung beim Ausstieg aus der Szene an. Zur Zeit „verfügen wir über praktisch keine finanziellen Mittel mehr,“ sagt Matthias Adrian, Mitarbeiter bei „Exit“ und selbst ein ehemaliger Neonazi, der seit neun Jahren für die in Berlin ansässige Organisation überall in Deutschland arbeitet.
Adrian und seine zwei noch verbliebenen Mitarbeiter stehen unter enormem Druck: Sie sind praktisch nicht mehr handlungsfähig, haben derzeit aber etwa dreißig Fälle von Aussteigern zu betreuen. Darunter drei hochbrisante Fälle: hochrangige Neonazis, die sich zum Ausstieg entschlossen haben und nun massiv bedroht werden. „Einer von ihnen steht sogar auf der Liste ‘nicht lebenswerter Menschen‘, die die Nazis führen“, so Adrian. Die Evakuierung solcher Aussteiger erfordert aber einen entsprechenden Aufwand, der ohne Geld nicht zu bewältigen ist. Seit Ende der Förderung arbeitet „Exit“ ausschließlich ehrenamtlich. Zusammen mit der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung bietet es Veranstaltungsreihen an, außerdem gehört Öffentlichkeitsarbeit zu den Aufgaben der Betreuer. weiterlesen…

Spritzeisbahn im Paradies

Bis zur Notaufnahme sind’s nur fünf Kilometer. Foto: Matthias Benkenstein

(mat) Eine 400 Quadratmeter große Spritzeisbahn ist am Donnerstag auf dem Parkplatz vor dem Ernst-Abbe-Sportfeld von Oberbürgermeister Albrecht Schröter und Thomas Dirkes, dem Chef des Eigenbetriebs Kommunale Immobilien, eröffnet worden. Dazu wurden 70.000 Liter Wasser aus Regenwasserzisternen auf den Platz gespritzt. Die Eisbahn kann werktags von 14 bis 20 Uhr und an den Wochenenden von 10 bis 20 Uhr kostenlos genutzt werden. Einen Schlittschuh-Verleih gibt es momentan noch nicht.

Kundgebung gegen Antisemitismus am Samstag

Brutstätte der Dummheit: das “braune Haus” in Lobeda. Foto: Akrützel-Archiv

(mat) Die Jenaer Gruppen gegen Rechtsextremismus rufen für Samstag, den 10. Januar, 15 Uhr, alle Bürger zu einer Kundgebung gegen Antisemitismus und Rassenhass vor dem „Braunen Haus“ in Alt-Lobeda auf. Anlass ist ein von dem rechtsradikalen Zusammenschluss „Nationaler Widerstand Jena“ organisierter Vortrag des mehrfach verurteilten Antisemiten Horst Mahler mit dem wirren Titel „Die Kernschmelze der judaisierten Welt ist der Welt Auferstehung zum Nationalsozialismus!“.
Mahler, der durch seinen Wandel vom SDS-, APO- und RAF-Mitglied zum Holocaustleugner und Volksverhetzer – zeitweise auch als NPD-Führungsfigur – zu fragwürdiger Berühmtheit gelangt ist, gründete unter Anderem den verfassungsfeindlichen „Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten“. Bereits im Jahre 2002 war Horst Mahler zur Eröffnung des „Braunen Hauses“, des Sitzes des NPD-Kreisverbands Jena/Saale-Holzland, anwesend.
Die Jenaer Protestgruppen kündigten an, dass, obwohl die Veranstaltung sicher nicht verhindert werden könne, das Treiben der „fanatischen Menschenverachter“ aber auch nicht unwidersprochen bleiben solle. Die Gruppen treffen sich bereits um 14.30 Uhr am Holzmarkt, um dann gemeinsam zum Kundgebungsort, der Kreuzung Jenaische Straße/Susanne-Bohl-Straße in Alt-Lobeda, zu fahren. Als einer der Redner hat sich bereits Oberbürgermeister Schröter angekündigt.

Überzeugungstäter

Wie eine anonyme Gruppe versucht, die Studenten aufzurütteln

Von Norbert Krause

Tatort Thulb. Foto: FSU/Scheere

Die Bücher der Universitätsbibliotheken haben seit der letzten Woche neue Lesezeichen. Das Buch „Globalmacht Geld“ beispielsweise bekam den kleinen Zettel: „Wenn der Beweggrund zu einer Entscheidung nicht ökonomischer Art ist, wundert sich der moderne Mensch und bekommt es mit der Angst zu tun.“ Das ist ein Zitat des kolumbianischen Philosophen Nicolas Gomez Davila. Fast 1.000 Bücher sind mit solchen Gedanken versehen worden. Sie sollen die Studenten aufrütteln oder sie zumindest in ihrem trüben Lernalltag ein wenig irritieren.
Die Gruppe, die hinter den Aktionen steht, nennt sich „Denken macht schön!“. Sie hat die vergangene Woche liebevoll zur „Woche der Sensibilisierung“ erklärt. „Wir sind allesamt Schöngeister“, sagt Andrea, ein Mitglied, über die Zusammensetzung der Gruppe. Subversive Tendenzen seien eigentlich gering ausgeprägt. Aber auf institutionalisiertem Wege, also über den Stura, funktionierten solche Aktionen nicht. Deshalb muss sich die Gruppe auch selbst finanzieren und die Aktionen inoffiziell durchführen. weiterlesen…