Die falsche Wahl

Der Stura ignoriert die Anfechtung seiner Wahl

Von Kristin Haug

Rita Meißner ist außer Atem. Manchmal schüttelt sie den Kopf, hält dann kurz inne, holt tief Luft und fängt wieder an zu tippen. Ganz vorne im Rat-haussaal sitzt sie neben den ehemaligen Stura-Vorständlern Marc Emmerich, Lysett Wagner und Felix Tasch. Die Geschäftsführerin der Studentenvertretung schreibt so schnell sie nur kann. Sie muss das Protokoll der konstituierenden Stura-Sitzung aufnehmen. Das ist nicht so leicht, denn so eine Sitzung ist eine schwierige Angelegenheit – vor allem wenn es darum geht einen neuen Vorstand zu finden.

Der alte Vorstand leitet die neuen Mitglieder des Stura komissarisch weiter.
FOTO:Kristin Haug

Und so war es auch wieder an diesem Montag im Oktober. Die Sitzung verlief wie gewohnt turbulent. Nach einführenden Grußworten des Oberbürgermeisters, des Rektors und von Rolf Pfeiffer- Will vom Studentenwerk scheiterte der Stura nach drei Wahlgängen daran, drei Personen an die Spitze des Gremiums zu stellen. Lediglich die  Politikwissenschaftsstudentin Julia Langhammer erhielt die nötige Mehrheit für den Posten.
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Über Anfeindungen lachen können

Wolfgang Schäuble über seine Studentenzeit

Das Gespräch führten Kristin Haug und Conrad Ziesch

Eigentlich wollte Wolfgang Schäuble nach Jena kommen, als er den Termin an der FSU aber absagte, schlug er uns einen anderen Ort vor. Also trafen wir ihn im Juli in den MDR-Studios in Halle. Als er in einer schwarzen Limousine vorfuhr, fragten seine Securitymänner uns nach den Personalausweisen.

Politik war frühersein Hobby.
FOTO:Jens Borghardt

Streber oder Straßenkämpfer – Wie war er so, der Student Wolfgang Schäuble?
Ein Streber bin ich nie so richtig gewesen. Dafür habe ich im Studium zu viele andere Sachen gemacht. Ich hab immer viel Sport getrieben und mich politisch engagiert. Studiert habe ich natürlich auch noch einigermaßen erfolgreich. Ein Straßenkämpfer war ich auch nicht. Man sollte sich eher im System engagieren, als es außerparlamentarisch zu bekämpfen. Davon war ich schon als Student überzeugt.

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Zum Tanze im Bergdorf

Ein Rückblick auf die 17. Kulturarena

Von Louisa Reichstetter

Versunkener Sänger von „Get Well Soon“
FOTO:Louisa Reichstetter

„Mama, guck mal, die Gitarre hat auch so einen Bauch!“ tönt das kleine Mädchen mit den blonden Wuschelhaaren und bringt eine ganze Bankreihe zum Lachen. Die schwangere Frau streicht ihrem Kind verlegen über den Kopf, zieht es an sich und richtet ihren Blick wieder auf die Bühne: Dort drängen sich fünf Musiker eng zusammen. Zentrum der Klanginsel ist die schwangere Gitarre – eine Oud. Gespielt wird das arabische Saiteninstrument von Rabih Abou-Khalil. Er vertont portugiesische Gedichte, die Ricardo Ribeiro mit seiner traurig-schönen Fadostimme in den kühlen Spätsommerhimmel schickt.

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Der Geschichtenerzähler

AKRÜTZEL trifft Rainald Grebe

Das Gespräch führte Louisa Reichstetter

Rainald Grebe im Garten seiner alten Wohnung.
FOTO:Louisa Reichstetter

Grebe kommt nach Jena und geschätzte Tausend Menschen stapeln sich an Post und Parkplatz. Sie haben keine der 3000 Karten mehr bekommen. Und zwei Stunden vor dem Konzert klettert Grebe für das Interview in einen Privatgarten zwischen Arena und Neugasse. Auf einer Biertischgarnitur stehen dort unzählige Flaschen Sekt und Pils, zerflossene Kerzen stecken in Weinflaschen. Es kommt jemand mit Korb und Wischlappen. Er ist verwundert.
Grebe: Hallo Clemens! Habt ihr mal wieder gebechert?
Clemens: Ähm ja, gestern.
Zusammen räumen wir das morbide Am-biente in den Korb. Clemens nimmt es mit.
Rainald Grebe betrachtet still das marode Haus, in dem er bis 2003 in einer Künstlerkommune lebte, als er am Jenaer Theaterhaus arbeitete. Sein Blick ist traumverloren.

Habt ihr auch so viel gefeiert, hier?
Ja. Aber der Balkon war damals noch nicht durchgebrochen.

Als du weg bist und berühmt wurdest, sagtest du, dass Comedy und Tourneen nur ein Zwischenspiel seien und du eigentlich zum Theater gehörst…
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Jena, ick liebe dir

Folge 1: Das Café Wagner

Von Lutz Thormann

Bei Parties kann es im Wagner ganz schön eng zu gehen.
FOTO:Lutz Thormann

Der Landgraf bietet nicht nur schöne Aussichtspunkte über Jena. Sogar das ewige Brummen des Saaletalkessels erstirbt dort bei günstigen Winden. Leider bin ich nur selten motiviert genug, den langen Aufstieg in Angriff zu nehmen. Im Spätherbst 2000 war wieder einmal bei halber Wegstrecke Schluss, ein paar Schritte abseits des Steigers landete ich im Café Wagner. Erfreut stellte ich fest, dass es sich auch dort ganz gut sitzen lässt. Es war der Beginn einer langjährigen Verbundenheit, das „Wagner“ wurde – freilich mit wechselnder Intensität – zu meiner zweiten Wohnstube.
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Die Gewalt in dir

Theater Zink probt sein neues Stück „Bevor es still wird“

von Theresa Angelis

Können manchmal ganz schön anstrengend sein. Die Proben bei Theater Zink.
FOTO:Felix Reinhardt

Aaaarh, Urrrrhhh, Aaaargh, pressen pressen pressen. An diesem Donnerstag im Oktober verwandelt sich der Seminarraum 10 der Arbeiter- und Bauernfakultät in einen Kreißsaal. Das Schreien des Neugeborenen hallt durch die Gänge, die junge Mutter ist schweißgebadet. Aber nicht in Wirklichkeit, denn hier wärmt sich gerade das Theater Zink auf. Die Schauspieler üben ihr neues Stück „Bevor es still wird“, das am 30. Oktober Premiere hat.
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