Bands sind wie Beziehungen

Die Berliner Ska-Folk-Punk-Band Mutabor ist zurück

Von Melanie Gollin

Das Interview war für 21 Uhr angesetzt. Dass ich diesen Termin nicht pünktlich wahrnehmen konnte, lag daran, dass sich vor dem Kassablanca eine unglaubliche Menschenmenge versammelt hatte. Am Abend des 7. März sollten Mutabor ihr erstes Konzert nach dem Abschiedskonzert im Juli 2006 geben. Trotz großer Aufregung bei Band und Publikum nahm sich Axel Steinhagen, Sänger und Kopf der Band, vor dem großen Comeback kurz Zeit, um mir zu erklären, warum eine Band wie eine Beziehung ist.

“Ey, irgendwie is’ schon geil”: Wenn Musiker Interviews geben…                      Foto: Mutabor

Das erste Konzert mit Mutabor seit fast drei Jahren: Seid ihr aufgeregt?

Natürlich sind wir aufgeregt, das wär auch schlimm, wenn’s nicht so wär. Aber es ist natürlich so ne positive, freudig-erregte Aufregung.

Ihr seid eine Berliner Band und habt 2006 euer fulminantes Abschiedskonzert auch in eurer Heimatstadt gegeben. Warum startet ihr nun also nicht auch wieder dort, sondern hier in Jena?

Wir wollten natürlich so’n bisschen Vorlauf haben (lacht). Wir haben auch erst überlegt: „Na klar, das erste Konzert muss in Berlin sein, weil das letzte Konzert auch in Berlin war.“ So war es dann auch gedacht, aber es hat sich dann einfach von den Terminen so ergeben. Es war jetzt nicht wirklich der große Plan gewesen, sondern letztendlich hatten wir in Berlin das Kesselhaus am 21. März. Dann war ja der Andrang auch gleich so groß und wir mussten auch sehen, ob wir dann noch ein Zusatzkonzert dran hängen können. weiterlesen…

Krimi unterm Korb

Chemnitz erreicht Revanche im Ostderby gegen Jena

Von Florian Sokoll

Thomas Fairley und Ryan De Michael: mit 15 bzw. 14 Punkten und jeweils 8 Rebounds das Rückgrat der Jenaer Mannschaft.                                                             Foto: Florian Sokoll

Im Ostderby der Pro A (ehemals 2. Basketball-Bundesliga) gelang dem BV Chemnitz 99 gegen den Tabellensechsten Science City Jena im Rückspiel in der JenArena vor 1.740 Zuschauern die Revanche. Zwei Punkte Differenz gaben nach 40 emotionsgeladenen Spielminuten den Ausschlag zugunsten des Gastteams aus Sachsen.

Dabei war der Ausgang dieses außerordentlich spannenden Spiels bis zuletzt offen. Nach einer schwachen Aufwärmphase, in der Chemnitz schon nach wenigen Minuten führte, fanden auch die “Hightowers” ins Spiel und dominierten dieses bis in die zweite Halbzeit hinein. Der größeren Ausdauer und Selbstdisziplin der Gäste konnten sie aber letztendlich nicht genug entgegensetzen und so unterlagen sie knapp, aber verdient mit 89:91. weiterlesen…

Denn sie wissen, was sie tun

Wie die Firma MLP versucht, die Studenten auszunehmen

Von Daniel Hofmann

Vor Neppern, Schleppern, Bauernfängern ist man auch an der Uni nicht sicher.                     Foto: Katharina Schmidt

Eine der größten Sorgen des Studenten ist die berufliche Zukunft. Es gibt viele Schritte, die man auf dem Weg zum Traumjob gehen muss. Angefangen bei der Bewerbung bis hin zum finalen Bewerbungsgespräch. Der Uni fehlt es meist an Mitteln, um diesen Bereich der Karriereförderung gezielt zu unterstützen. Unternehmen wie der Finanzdienstleister MLP versuchen diese Lücke zu schließen. Sie bieten Rhetorikkurse und Berufsstarterseminare für interessierte Studenten an – kostenlos. Bleibt die Frage, welche Firma es sich leisten kann, nur im Interesse des Studenten zu handeln.
Der FSU-Student Stefan Schmidt* besuchte die Seminare von MLP und fand sich wenig später mit einem Versicherungsvertrag in den Händen wieder. Angefangen hatte alles mit einem Gespräch auf dem Campus, bei dem er seine Telefonnummer gegen ein kostenloses Berufsstarter-Seminar tauschte. „Sie sagten, sie wären Mitarbeiter der Universität Jena“, berichtet Stefan. Der Wahrheit entsprach das nicht. Eigentlich hatte MLP nicht mal eine Erlaubnis, sich auf dem Uni-Gelände aufzuhalten, um Werbung zu machen. Die Rechtsabteilung der Universität Jena sieht in diesem Fall noch Klärungsbedarf. weiterlesen…

„Helga, mach das Rollo runter“

Wie es als Werber in einer Drückerkolonne ist

Von Nelly Dinter

Heucheln, schleimen, grinsen: Der Beruf des Drückers will gelernt sein.                                Foto: Katharina Schmidt

Alle Mann raus aus dem Auto, ausstreuen und ran an die Haustüren: Klinken putzen für den guten Zweck. Vor dem Klingeln noch schnell die ersten Sätze durchgehen und dann Augen zu und durch: „Schönen guten Tag, wie sind von der Johanniter. Keine Angst, heute nehmen wir keinen mit!“ Gleich in fröhliches Gelächter ausbrechen, damit das gerade aus seinem Alltag geklingelte Gegenüber weiß, dass der flotte Spruch ein Scherz sein sollte. Und bevor die Haustür gleich wieder zufliegt oder der Hausherr einwendet, dass er kein Interesse an einer Spendenmitgliedschaft bei den Johannitern hat, schnell weiterschnattern und sich mit den wichtigsten Argumenten in die Wohnung manövrieren. Wenn der Plan mal wieder nicht aufgeht, durchatmen und es beim Nachbarn versuchen. Und so geht es weiter, im ganzen Haus, auf der ganze Straße, im ganzen Viertel, bis gefühlte 12 Stunden später das Auto wieder Richtung Ferienhaus fährt, in dem alle Werber in diesen Wochen zusammen leben. weiterlesen…

Der große Unbekannte

Ein Jahr Hochschulrat an der FSU – Versuch einer Bilanz

Von Philipp Böhm

In der Öffentlichkeit wurde der Hochschulrat erst ein Mal zusammen gesehen: vor einem Jahr zum Fototermin. Foto: FSU/Scheere

Ein Jahr ist es mittlerweile her, dass an der Universität Jena ein Hochschulrat eingeführt wurde. Er besteht aus zehn Mitgliedern, von denen aber nur drei der FSU angehören. Grund für die Veränderung im Uni-System war das neue Thüringer Hochschulgesetz. Die Idee und der Anspruch dahinter: Externe Fachleute sollten ihre Erfahrungen in die Forschung und Lehre einbringen und Anregungen zur zukünftigen Profilierung der Uni geben. Unter den Mitgliedern, die nicht aus Jena kommen, finden sich neben Professoren und Politikern mit Michael Kaschke, Mitglied des Beirats der Dresdner Bank, und Jürgen Radomski, dem ehemaligen Personalvorstand bei Siemens, auch Vertreter aus Wirtschaftsunternehmen. weiterlesen…

Der gläserne Jenenser

Im Buchhandel werden Adressen von Jenaer Einwohnern verkauft

Von Franz Purucker

Widerspruchsformular mit fertigem Briefkopf auf www.stura.uni-jena.de.                               Foto: Flickr.com/Scoyoblog

Als der Student Mike Niederstraßer in der „Thalia“ zufällig auf das Buch „Jena informiert“ stieß, dachte er zunächst, es sei ein harmloses Werbebuch. Doch als er neben Unternehmenswerbung seine eigene Adresse abgedruckt fand, war er empört. Fast alle Jenaer Bürger sind in „Jena informiert“ abgedruckt – im vorderen Teil alphabetisch nach Nachnamen sortiert, im hinteren Teil nach Straßennamen geordnet. Verzeichnet ist laut Gesetz jeder, der mindestens 18 Jahre alt ist und mit Hauptwohnsitz in Jena gemeldet ist.
Stura-Mitglied Felix Tasch hält das Buch für „einen gefährlichen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte“. Wer seine Daten in diversen Onlinecommunitys veröffentliche, habe persönlichen Einfluss darauf. Bei diesem Buch wüssten aber viele gar nicht, dass sie darin veröffentlicht seien. Markus Giebe, Vorsitzender des Jenaer Studentenbeirats, forderte die Stadt auf, die Bürger bereits bei der Anmeldung des Hauptwohnsitzes auf die Veröffentlichung ihrer Daten aufmerksam zu machen und auf die Möglichkeit eines Widerrufs hinzuweisen. Die Reaktion der Stadt auf die Forderungen des Studierendenbeirats standen zu Redaktionsschluss noch aus. weiterlesen…