Akademische Missgeschicke und ihre gravierenden Folgen

Zum wiederholten Male haben Professoren gegen Prüfungsordnungen verstoßen – zum großen Nachteil der Studenten

Von Matthias Benkenstein

Die oft belächelte Schusseligkeit der Professoren: Nicht selten hat sie für Studenten negative Folgen.                                                                                                                                    Foto: Paramount Pictures

In der Regel dauern schriftliche Examensprüfungen vier Stunden. Die Prüfung, die Christine vor einem Monat im Fach Soziologie schrieb, dauerte dagegen nur fünf Minuten. Beginn: morgens halb neun. Abgabe: fünf nach halb neun.
Professor Bruno Hildenbrand hatte Fragen zu einem Fachtext gestellt, der gar nicht im Prüfungskanon des Instituts auftaucht. Konsequenz: Die Mehrheit der Examensteilnehmer konnte mit dem Bestandteil einer Frage – der Herleitung eines bestimmten Begriffs – nichts anfangen. weiterlesen…

Limonade statt Lonsdale

„Thor Steinar“ und Co. aus der Wagnergasse verschwunden

Von Joachim Hendel

 Foto: Matthias Benkenstein

Im aktuellen „Thor-Steinar“-Katalog präsentieren kopflose Models auf über einhundert Seiten die neueste Kollektion. Das Label des deutschen Unternehmens MediaTex bietet eine reiche Auswahl an modernen Shorts und Tops über Accessoires wie Runenkreuze und Basecaps bis hin zu Muskelshirts mit dem Aufdruck „Sturm und Drang“. Nur für die Kleinen gibt es lediglich drei Artikel: die Windjacken Ransgar, Eirik und Ansgar für je 39,90 Euro.
Ostthüringer Anhänger der bei Neonazis beliebten Marke „Thor Steinar“ müssen sich und ihre Kinder vorerst via Internethandel einkleiden: Im März wurden die Türen des Klamottenladens „Madley“ in der Wagnergasse verriegelt. Die angrenzende Kneipe „Das Faß“ baut auf der ehemaligen Verkaufsfläche aus und erweitert damit seinen Schankbereich. Statt Schuhe zum Laufen kann man hier bald Stiefel zum Austrinken kaufen. weiterlesen…

Eine fruchtbare Beziehung

Neue Bauhaus-Sonderausstellung im Stadtmuseum

Von Stephanie Hesse

Paul Klee “Mumon als Braut” (1938)                          

Foto: Stadtmuseum Jena

Wer hätte gedacht, dass wir Studenten tagtäglich in einer besonders kulturellen Umgebung speisen? Ernst Neufert und Otto Bartning entwarfen die Mensa am Philosophenweg nach dem Vorbild moderner Prinzipien des Bauhauses. Diese und viele andere Querverbindungen zwischen Jena und der in Weimar begründeten Künstlerbewegung präsentiert die Sonderausstellung „In nachbarlicher Nähe“ – Bauhaus in Jena, die noch bis zum 7. Juni  im Stadtmuseum Jena zu sehen ist.
Anlässlich des 90-jährigen Bauhaus-Jubiläums haben die Kuratoren mit viel Mühe und Engagement künstlerische Meisterwerke aus internationalen Sammlungen zusammengetragen, darunter Arbeiten von Oskar Schlemmer und Johannes Itten sowie Paul Klee, Lyonel Feininger und Laszlo Moholy-Nagy. Die unzähligen Werke bekannter Bauhäusler, die man bisher nur vom Hörensagen kannte, sind im Jenaer Stadtmuseum zum Anfassen nah. weiterlesen…

Verfassungsfeind und Spaß dabei

Martin Sonneborn liest aus seinem „Partei-Buch“

Von Louisa Reichstetter

Ist Mitglied in allen Parteien – außer bei den Grünen: Martin Sonneborn                                   Foto: Louisa Reichstetter

‚‚Wir sind eine Partei, weil…“ Der Redner hebt vielsagend den Arm und macht eine dramaturgisch imposante Pause, „wir eine Partei sind!“ Die Sinnlosigkeit wird unter Jubelgeschrei begraben. Nur die Ordner, die ein bisschen wie Neonazis aussehen, bleiben in jener Videosequenz steinern. weiterlesen…

Übermensch bei Günther Jauch

Puccinis „Turandot“ feierte am Weimarer DNT Premiere

Von Johannes Weiß

“Nun, Fremdling, das Eis, das Feuer gibt, was ist es?”                  

Foto: Charlotte Burchard

Manchen mag es überraschen: Trotz ihrer vergleichsweise geringen Dauer von nur zwei Stunden besteht Puccinis Oper „Turandot“ nicht nur aus dem Schlager „Nessun dorma“ – bekannt aus Funk und Fernsehen und zuletzt so ergreifend mittelmäßig interpretiert von Kitschnudel Paul Potts. Da wirkt es fast schon wie ein ironischer Kommentar, dass Andrea Moses mit ihrer Ende März angelaufenen Turandot-Inszenierung am DNT Weimar gerade die Macht der Medien und deren suggestiven Einfluss auf die Massen thematisiert.
Die letzte und unvollendet gebliebene Oper Puccinis handelt von der chinesischen Prinzessin Turandot, die jedem Bewerber um ihre Hand drei Fragen stellt; kann er diese nicht korrekt beantworten, muss er seine Unwissenheit mit dem Leben bezahlen. Auf der Weimarer Bühne wird das Ratespiel samt nachfolgender „Live-Hinrichtung“ zum Medienspektakel: Schwarz-weiß gekleidete und Champagner schlürfende Touristen besetzen die Ränge eines arenaförmigen Fernsehstudios; der Mandarin (Philipp Meierhöfer) erscheint nicht als gewissenhafter Beamter, sondern als schillernder Conférencier mit Schlaghose und Plateauschuhen. Mit Hilfe von beschrifteten Schildern, auf denen im Stück vorkommende Schlagwörter wie „enigmi“, „sangue“ oder „morte“ stehen, stimmt er das Publikum auf das kommende Event ein: die Ermordung des Prinzen von Persien, des letzten glücklosen Kandidaten. weiterlesen…

Allein in Korinth

Franz Grillparzers “Medea” am Nationaltheater Weimar

Von Johannes Weiß

Willkommen im antiken Griechenland.                                               Foto: DNT/Thomas Aurin

Ein guter Draht zum Publikum scheint Nora Schlocker sehr am Herzen zu liegen. In ihrer am 21. Februar erstmals gezeigten Inszenierung von Franz Grillparzers „Medea“ versucht die 25-jährige Hausregisseurin des DNT Weimar permanent, den Zuschauer ins Bühnengeschehen hineinzuziehen. Da klettern schon mal Schauspieler in die Sitzreihen oder mit Taschenlampen bewaffnete „Argonauten“ huschen durch den dunklen Zuschauerraum. Bereits vor Beginn des Stückes erwarten zwei seltsame Gestalten das langsam seine Plätze einnehmende Publikum: Ein schwarzgekleideter Mann steht auf einem kleinem Schrank und erregt durch schwingende Handbewegungen, aufheulenden Gesang und nicht alltägliche Grimassen Aufmerksamkeit; fasziniert sitzt ihm eine junge Frau zu Füßen. Konservative Theaterbesucher befürchten wohl schon das Schlimmste für die kommenden drei Stunden, doch klärt sich die sonderbare Situation schnell auf:

Wir befinden uns im Königreich Kolchis, und die beiden Darsteller entpuppen sich als die jugendliche Prinzessin Medea (Nicole Tröger) und die örtliche Gottheit Peronto. Während letztere in Grillparzers Text nur als „Bildsäule“ auftaucht, erscheint sie hier in Gestalt des Musikers Jens Thomas, der fortan die weitere Handlung mit Gesang und Geräusch begleitet. In der Anfangsszene zeigt sich zugleich, dass der Titel „Medea“ irreführend ist. Denn Schlocker bringt die gesamte Grillparzer-Trilogie „Das goldene Vließ“ auf die Bühne: vor der Pause die beiden in Kolchis spielenden Teile „Der Gastfreund“ und „Die Argonauten“, danach erst das eigentliche „Medea“-Trauerspiel mit dem Schauplatz Korinth. weiterlesen…