Wahn und Wirklichkeit

„Waltz with Bashir“ fasziniert durch seinen Blick für Details

Von Kristin Haug

Ari Folman als junger Soldat in Beirut. Foto:pandora-film

Und er tanzt und tanzt und tanzt. Und er schießt. Auf der Beiruter Front-Straße findet sich der israelische Soldat Shmuel Frenkel zwischen zwei Welten wieder. Israelis kämpfen gegen Palästinenser, Frenkel rennt los und schießt wild um sich. Tänzelnd, traumvergessen, betäubt. Was aussieht wie eine perfekt inszenierte Choreographie des Soldaten ist sein Kampf ums Überleben.
Die visuelle Schlagkraft der Szene aus Ari Folmans Film „Waltz with Bashir“ ist immens, zugleich ist sie so einprägsam, dass sie den Zuschauer direkt in das Geschehen hineinzieht, plötzlich wird er selbst Teil der Handlung. Die Musik scheint Frenkels Schutzschild zu sein – gegen die Kugeln der Feinde und die Realität des Geschehens. Folman bedient sich vieler dieser Kunstgriffe. Die Figuren flüchten in eigene Welten, sehen das Kriegsgeschehen gefiltert – Traum und Wirklichkeit spielen nebeneinander.

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Von Revolten und Krediten

Anonyme Studenten versuchten zu rebellieren – bloß gegen was?

Von Louisa Reichstetter

Foto: Marcel Hellwig

Sie zeigte mit dem Finger auf die beige Wand und verschluckte sich fast an ihrem Wiener Würstchen. Sie war pickelfrei, aber noch keine 19. Die beige Wand war, das muss man zugeben,  nicht mehr ganz so beige wie sonst: Jemand hatte in der Nacht zum 3. November gegenüber der Thulb „Unter dem Pflaster liegt der Strand“ ans Frommansche Haus gesprayt.
„Was soll‘n das heißen?“  „Sous les pavés, la plage“ heißt das, und bedeutete einmal: Träume bündeln, Steine ausreißen und damit auf Polizisten schmeißen. Paris. Mai, 1968: Französische Studenten legen aus Ärger über die konservative Politik an ihrer Hochschule ein ganzes Land lahm.
Jena, November 2008: „Klingt hübsch“, sagt sie und kaut weiter.

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Die Rose voller Teelichter

Die „Queerbeat“-Semesterparty im Rosenkeller

Von Dirk Hertrampf

“Homo oder Hetero?” FOTO: Queerbeat

Mit dem Begrüßungssekt in der Hand stiegen die Besucher die zumeist wohlvertrauten Stufen in den Rosenkeller hinab, Teelichter säumten die Treppe und standen auf Tischen, Theken und Absätzen.Einige kamen sich bestimmt vor wie zur ,Ladysnight‘ im teuersten Kino der Stadt.

Es wurden aber keine romantischen Hollywoodfilme gezeigt, sondern getanzt, getrunken und gelacht. Denn am 6. November war –nun bereits zum zweiten Mal- „Queerbeat“-Semesterfeier, organisiert vom Stura-Arbeitskreis „Queerparadies“ und dem Verein „Queerweg“.

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Einer nach dem Anderen

von Matthias Benkenstein

Von wem soll er nur abschreiben?. FOTO:Matthias Benkenstein

Noch sieht es im Büro von Susan Lynn Dortants nicht so aus, als ob sich hier die zukünftige Studentenelite beraten lässt: Neben zwei schlichten Schreibtischen mit Blick auf das Volkshaus steht ein geräumiges Regal, in dem nichts liegt außer einem Stapel apfelgrüner Informationsbroschüren und einem Stadtplan von Jena. Überall stehen Umzugskartons. Auch die große Amerikakarte muss erst noch an der schmucklosen Raufasertapete aufgehängt werden.
Dortants, die aus den USA stammt, arbeitet im neu gegründeten „Master-Service-Zentrum“, das sich im ersten Stock des Akademischen Studien- und Prüfungsamts befindet. Erst im September bezog sie ihr Büro und berät seitdem Studenten, die sich für ein Master-Studium an der FSU interessieren oder gerade eines beginnen. Zuvor hatte sie schon vier Jahre an der „Erfurt School of Public Policy“ Master-Studenten betreut.  Die 28-Jährige ist außerdem an den Werbekonzepten für die neuen Master-Studiengänge beteiligt.

Erst ein Koreaner

Diese werden auch dringend benötigt, denn obwohl zum derzeitigen Wintersemester über 30 Master-Studiengänge eingeführt, 155 Bewerbungen aus dem Ausland und 136 Bewerbungen aus Deutschland eingereicht wurden, haben noch nicht viele Studenten den Weg in Dortants‘ Büro gefunden. „Bis jetzt ist nur ein Koreaner da gewesen“, sagt die Beraterin. Dieser habe sich für den Studiengang „Christentum in Kultur, Geschichte und Bildung“ interessiert und gefragt, ob seine Studienleistungen aus Korea angerechnet werden können. Ansonsten seien bisher nur einige E-Mail-Anfragen aus Pakistan, Rumänien und Deutschland gekommen.

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Zeitlich gestaffelte Einführung

Von Matthias Benkenstein

Die Einführung der neuen Studiengänge erfolgt zeitlich gestaffelt. Nachdem die Auslandsgermanistik und einzelne Fachbereiche der Chemisch-Geowissenschaftlichen und Biologisch-Pharmazeutischen Fakultät mit den Studiengängen Geographie (B.Sc. und M.Sc.), Geoinformatik (M.Sc.) und Biogeowissenschaften (B.Sc. und M.Sc.) die Vorreiterrolle übernommen hatten, Weiterlesen

Der Bachelor ist für alle da

Wie die Hochschulstudenten entscheiden über das Semesterticket Thüringen – eine Glosse

von Alexander Strauß

Der Universitätsstudent und der Fachhochschüler haben nichts gemeinsam. Letzterer, auch als Proletarier-Student bezeichnet, hat einen durchgeregelten 7-bis-15-Uhr-Lernwerktag. Während der Unistudent gerade aufgestanden ist und zum Frühstück in die Mensa geht, nachdem er seinen Dozenten per E-Mail um eine nochmalige Verlängerung des Hausarbeitenabgabetermins gebeten hat, überlegt der Fachhochschüler, wie er seinen Feierabendnachmittag gestaltet. Und versucht auf dem Heimweg im Bus seine Mitschüler an Stoffumfang und Anzahl der bevorstehenden Klausuren zu überbieten.

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Jena, ich liebe dir

Teil 2: Die Landgrafen-Bank Nummer 152
von Kristin Haug

Wenn es in der Stadt nebelig wird, dann verschwindet die Stadt da unten. FOTO:Kristin Haug

Hjühp, hjühp. Wenn die Vögel hier oben zwitschern, dann hört es sich fast so an, als klappe man den Deckel eines quietschenden Kopierers nach oben. Langsam quäle ich mich hinauf zur „Eule“, einer Bergfront am Rücken des Landgrafen. Die Waden zwicken, die Knie ächzen. Der Schweiß perlt mir herunter, ich selbst aber will hinauf – den Po bewegen, die Uni vergessen, allein sein. Hoch oben, da kreuzen sich die Wege durch die Bäume und Felder und wenn es neblig ist, dann kann man sich vorstellen, nicht die Stadt, sondern das Meer liege unter einem. Hier kann ich mit Jena abschließen, mit der Stadt, mit dem kleinen Mikrokosmos, in dem sich die Menschen drei Mal am Tag über den Weg laufen und jedes Mal Hallo sagen. Hier ist niemand, nur die Entspannung. Im Sommer schallen die Lieder der Kulturarena hinauf und zur Fußballmeisterschaft die umjubelten Tore. Eigentlich bin ich ja hier, um noch eine Runde um den Berg zu laufen, wegen der Fitness. Letzen Endes übermannt mich aber die ganze Entspannung und da ist auch noch diese Bank. Sie trägt die Nummer 152 und sitzt auf einem abgeschlagenen Weg hinter einem Strauch mit roten Beeren und schaut hinunter ins Tal. Das Laub ist feucht und manche Blätter sind so braun und so gerollt, dass sie aussehen wie Hundekötel.

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Nichts geht mehr

Schiedskommission empfiehlt Auflösung des Studentenrats
von Johannes Wander

Frances Karlen und Enrico Schurmann leiteten die konstituierende Sitzung.FOTO:Matthias Benkenstein

„Sowas Lächerliches muss ich mir nicht geben!“ Berengar Lehr verlässt kopfschüttelnd den Sitzungsraum des Stura. Andere Mandatsträger schließen sich ihm an und kehren der Schiedskommission den Rücken zu. Diese hat dem Gremium soeben verkündet, dass es sich vermutlich auflösen und Neuwahlen durchführen muss. Die Sturawahlen vom Juli dieses Jahres waren von zwei Jurastudenten angefochten worden (Akrützel berichtete). Zur Begründung hieß es, es fehle eine eigene Wahlordnung des Studentenrats. Bisher orientierte dieser sich an der Wahlordnung der FSU, was aber Einzelkandidaten der Fakultäten laut Kläger massiv benachteilige. Anfang vergangener Woche veröffentlichte die Schiedskommission nun das Ergebnis ihrer Untersuchungen. Dort wird den Antragstellern recht gegeben und dem Stura eine Neuwahl empfohlen.

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