Die Insel geht unter

 

Der Garten kommt weg, hieß es gestern Vormittag auf dem Inselplatz gegenüber vom Unihauptgebäude. Wie lange der soziokulturelle Raum am Inselplatz noch genutzt werden kann, ist schon lange eine Frage der Zeit. Gestern nun war angekündigt, dass der Garten, der unter anderem jede Woche für eine solidarische Küche (SoKü) genutzt wird, geräumt werden müsse. Der Abriss stünde kurz bevor. So sammelten sich Bewohner und Unterstützer des Projektes am Inselplatz 9b und warteten bang auf das kommende.
Es kamen der Eigentümer, Polizei und der Kommunalservice Jena. Doch es ging friedlich aus. Eine Zwangsräumung war nicht unmittelbar vorgesehen. Es gab einige Gespräche. So musste dennoch die Garteneinrichtung entfernt werden, sodass dieser als geräumt abgenommen werden konnte. Wann genau der eigentliche Abriss samt der Fällung von etwa 17 Bäumen ansteht ist nicht explizit klar. Doch es werden wohl nur Wochen sein.
In der Zwischenzeit ist das Projekt weiterhin verzweifelt auf der Suche nach einem neuen Zuhause für die Bewohner, die SoKü, den Bandprobenraum, die Freebox und allem anderen, was an diesem Ort hängt. Ersatz sollte es geben, doch leider wurde bisher keine richtige Alternative geboten.

Text: Charlotte Wolff/ Foto: Julian Hoffmann

In eigener Sache: Ohne Chef kein Heft

Seit dem 1. Oktober hat das Akrützel keine*n Chefredakteur*in mehr. Der einzige Bewerber wurde trotz einstimmiger Wahl der Redaktion vom Stura abgelehnt und die Stelle neu ausgeschrieben. 

Ohne Chef kein Heft – die ehrenamtliche Redaktion des Akrützels leitet ein*e Chefredakteur*in. Der Posten wird vom Stura der FSU finanziert, damit diejenige Person zwei Urlaubssemester nehmen kann und Vollzeit für das Akrützel arbeitet. Im August wurde die Stelle für Wintersemester 2018/2019 und Sommersemester 2019 ausgeschrieben: Es gab genau eine Bewerbung eines Akrützel-Redakteurs. Dieser wurde nach einem Test und einem Auswahlgespräch von der Redaktion einstimmig gewählt.

Der Stura als Herausgeber des Akrützels bestätigt den*die Kandidat*in in einer seiner Sitzungen – zumindest war es bisher so. In der Sitzung des noch amtierenden Sturas am 18. September wurde der Bewerber mit sechs Nein-Stimmen bei keiner Ja-Stimme und zwei Enthaltungen abgelehnt.

Als mögliche Gründe für die Ablehnung wurden der Redaktion im Nachhinein zwei Gründe genannt: ein Kommentar, der einen Stura-Beschluss kritisiert, und eine unangekündigte Tonaufnahme des Redakteurs in einer Stura-Sitzung im Mai. Für seinen Fehler hatte der Redakteur sich schriftlich und mündlich in der folgenden Sitzung entschuldigt.

Die Stelle wurde nun neu ausgeschrieben. Bis zum 17. Oktober 2018 werden Bewerbungen angenommen. Der abgelehnte Redakteur hat in Aussicht gestellt, sich noch einmal zu bewerben.

Text: Robert Gruhne


Das Akrützel sprach über die aktuelle Lage mit Bernd Zeller, dem Gründer des Akrützels, der heute als Zeichner und Satiriker arbeitet.

Foto: Monika Osberghaus

Akrützel: Du hast das Akrützel mitbegründet, beunruhigt dich die aktuelle Situation?

Bernd Zeller: Bis eben noch nicht, aber ich weiß ja nur, was mir erzählt wird. Ich habe noch niemanden vom Stura dazu fragen können. Vielleicht verheimlicht ihr mir einen wichtigen Aspekt?

Der Stura hat den von der Redaktion gewählten neuen Chefredakteur noch nicht angestellt, weil man mit einem Artikel nicht zufrieden war und weil manche Stura-Mitglieder dem Akrützel eher kritisch gegenüberstehen.

Schwarzarbeit beim Stura wäre wirklich nicht schicklich. Aber die Konflikte finde ich den normalen und wünschenswerten Zustand. Die Gründung einer unabhängigen Studentenzeitung war zur Wendezeit eine zentrale Forderung, wegen Demokratie, wem das noch was sagt. Das Akrützel gibt es nicht, damit der Stura ein paar Leuten, die was mit Medien machen wollen, die Selbstverwirklichung bezahlt, sondern weil ein Kommunikationsmedium ein Ausdruck und Garant des Pluralismus ist. Die Zeitung der verfassten Studentenschaft ist die Dienstleistung, die der Stura den Studenten erbringt, wie immer die Studenten jetzt heißen, die Immatrikulierten. Da war übrigens von Anfang an die Existenz des Akrützel wichtiger, als was drinsteht.

Die Frage ist, ob der Stura das weiß.

Diese Frage müssen andere beantworten. Die Kommunikation geht natürlich in beide Richtungen. Aber der Stura kann kein Interesse daran haben, dass seine Zeitung wahrgenommen wird als Verlautbarungsorgan. Der Stura kann natürlich verlautbaren, aber wenn das Akrützel als inhaltsgeprüft und meinungskonform mit dem aktuellen Vorstand gelten würde, wäre es auch mit der Glaubwürdigkeit des Stura vorbei, dann kann er sich wieder FDJ nennen. Würde mir Spaß machen, wenn wir dreißig Jahre Wende feiern mit einem Stura, der ein Wendeprodukt gerade abgewickelt hätte.

Das werden die Mitglieder so nicht vorhaben.

Aber das würde es bedeuten, das Akrützel zu, ähm, da fallen mir nur schlimme Wörter ein aus einem nicht zu ziehenden historischen Vergleich, sagen wir harmonisieren statt gleichschalten, das braucht weder der Stura noch die Immatrikuliertenschaft. Dazu hat ja der Stura das Akrützel-Statut statuiert, damit funktionstüchtig gearbeitet werden kann und die Redaktion den Chefredakteur wählt. Wenn es arbeitsrechtliche Einwände gibt, kann der Stura den Arbeitsvertrag nicht schließen, aber weil der Designierte das gemacht hat, wozu das Akrützel statutsgemäß da ist, die kritische Kontrolle der Stura-Arbeit – das schiene mir besonders begründungsbedürftig.

Wir danken für das Gespräch.

„Das Motto ist: den Mund aufmachen“

Interview: Undine von Lucadou, Robert Gruhne / Foto: Julian Hoffmann

3000 Rechtsextreme wollten sich in Mattstedt bei einem Rockkonzert versammeln. In letzter Minute platzte die geplante Veranstaltung. Gegendemonstranten zeigten trotzdem Gesicht gegen Nazis und das Erstarken rechter Kräfte. Vorne voran bei der Demo durch Mattstedt ging Anja Siegesmund, Ministerin für Umwelt, Energie und Umweltschutz. Wie die Absage möglich wurde und was die gebürtige Thüringerin sich von der Zivilgesellschaft wünscht, hat sie dem Akrützel im Interview erzählt.

 

Was bedeutet es für Thüringen, wo jedes Jahr viele Rechtsrockkonzerte stattfinden, dass die Veranstaltung in Mattstedt nun verboten wurde?

 

Erstmal freue ich für die Menschen in Mattstedt, denen dadurch eine große Last abgenommen wurde. Grundsätzlich haben wir im Grundgesetz ein ganz wichtiges Recht verankert: das Versammlungsrecht. Von daher ist es bei solchen Veranstaltungen immer schwer, klar zu zeigen, dass wir nicht nur gegen rechts sind, sondern dass wir auch rechtssichere Gründe haben, um diese Konzerte zu verhindern. Hier in Mattstedt ist es in akribischer Einzelarbeit gelungen, das Ganze am Ende zu untersagen, weil es schwierige Eigentumsverhältnisse auf den Flächen gibt. Aber ich wünsche mir wie jeder aufrechte Demokrat, dass unsere wertvolle Demokratie auch an solchen Punkten wie heute erstarken kann. Gerade unsere junge Demokratie in Thüringen, die ja noch nicht mal 30 Jahre alt ist, muss zeigen, dass sie wehrhaft ist.

 

Es hat etwas gedauert, bis ein Grund gefunden wurde, um die Veranstaltung zu verbieten, u.a. wurden der Brandschutz und Umweltbelastungen geprüft.

 

Ja, auch das gehört dazu. Überall in Thüringen gibt es ökologische Altlastenflächen und natürlich ist mir als Umweltministerin die Gesundheit der Menschen ein großes Anliegen. Es lag durchaus nahe, die Flächen in Mattstedt noch einmal näher zu prüfen. Wir haben auch tatsächlich alte Phenol- und Benzolverbindungen auf diesem Grundstück gefunden, die das Festgelände verkleinert hätten. Aber noch besser ist, dass es durch die schwierigen Eigentumsverhältnisse gelingen konnte, die Veranstaltung komplett zu untersagen.

 

Das heißt aber auch, dass man für ein Verbot darauf hoffen muss, dass die Nazis einen Fehler machen.

 

Es ist jedenfalls nicht einfach, wenn eigentlich zutiefst politische, verfassungsfeindliche Veranstaltungen als Konzerte getarnt sind. Da sucht man ein Stück weit nach der Nadel im Heuhaufen. Aber das Ergebnis ist entscheidend:  Ich will keine Nazis in Thüringen. Ich will weder Rassismus in unseren schönen Dörfern, noch in unseren schönen Städten. Ich kämpfe für eine starke Demokratie, ein Land, in dem die Menschen Zivilcourage zeigen. Es reicht deshalb nicht, dass wir als Politik den Rahmen setzen, um solche Veranstaltungen zu erschweren. Genauso wichtig ist, dass eine Demokratie auch verteidigt werden muss, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Das geht vom Stammtisch über solche schrecklichen Demos wie hier bis zu rassistischen Parolen, die jemand ins Mikro spricht. Dann aufzustehen, etwas zu sagen, sich einzumischen: Das ist wichtig.

 

Also sind nicht nur die Behörden gefordert, sondern vor allem die Zivilgesellschaft.

 

Es wäre sogar fatal, wenn die Menschen glauben, dass Behörden dieses Problem des Rechtsextremismus und das Anfeinden der Demokratie allein lösen können. Sondern es geht drum, dass unsere Gesellschaft aktiv wird. Deswegen bin ich so froh, dass die Bürgerbündnisse, das Aktionsnetzwerk, Max Reschke, die Kirchen, alle politischen Parteien, die demokratisch sind, hier zusammenstehen. In Themar konnte man es nicht verhindern und ich bin davon ausgegangen, dass wir hier in Mattstedt eine harte Auseinandersetzung bekommen werden. Das ist glücklicherweise nicht der Fall. Wir dürfen uns jetzt aber nicht zurücklehnen, sondern im Gegenteil: Jetzt geht es weiter.

 

Die Bürgerbündnisse sind ja überwiegend in den Städten vernetzt. Wie ist die Situation in den Dörfern, wo die Nazikonzerte stattfinden?

 

Die Strategie ist tatsächlich, auf dem Land einen Fuß in die Tür zu kriegen. Ein NPD Mitglied aus dem Unstrut-Hainich-Kreis, das die Konzerte in Themar veranstaltet hat, schrieb nach der Absage auf Facebook: Kommt zu mir, hier könnt ihr übernachten, mal gucken, was wir noch hinkriegen. Die Nazis versuchen so, die Leute ein Stück weit mürbe zu machen und wir dürfen einfach nicht zulassen, dass sie sich den Raum nehmen. Das heißt, Mund aufmachen, hingehen und einmischen. Wer sich heute – in einer Zeit, in der Europa von so vielen angefeindet wird und wo wir auch auf Bundesebene sehen, wie die AfD und andere politischen Kräfte erstarken – nicht einmischt, wird sich in zehn Jahren umgucken und sagen: Warum bin ich damals ruhig geblieben? Buchenwald ist so nah. Wir dürfen die Gräuel der Nazi-Zeit, die Millionen Toten nie vergessen.

 

Wie sind die Mattstedter mit der Situation umgegangen?

 

Mattstedt ist ein kleiner Ort im Weimarer Land, ein idyllisches Dörfchen. Hier war man erst einmal mit der Situation völlig überfordert, auch der Bürgermeister hat vor acht Wochen sicher nicht damit gerechnet, was auf ihn zukommt. Er hat das großartig gemacht. Wichtig ist, dass dieser Ort zusammenstand und viel Unterstützung bekommen hat.

 

Die Nazis lernen leider auch dazu. Tommy Frenck lädt auf sein eigenes Gelände ein, wo das, was heute in Mattstedt funktioniert hat, nicht klappen würde.

 

Das ist richtig. Am meisten ärgert mich Folgendes: Hier wurde ein Konzert angemeldet und Tickets verkauft für eine eigentlich politische Veranstaltung. Ich finde, das ist eine Aufgabe, die die Landesregierung stemmen muss, dass wir hier im Versammlungsrecht klarer werden. Wenn ganz klar eine politische Veranstaltung stattfindet, die als Konzert getarnt wird, dann ist etwas schief. Es kann doch nicht sein, dass sie am Ende noch Geld damit verdienen, dass sie grölend auf einer Wiese stehen und im schlimmsten Fall Naziparolen nachsingen, wenn nicht rechtzeitig eingegriffen wird. Auch das gehört zu einer wehrhaften Demokratie dazu. Einerseits. Und andrerseits reicht es nicht, zu sagen: „Die Politik muss…“ Jeder und jede kann ran und auf die Straße. Das Motto ist: Respekt zeigen und einfordern, Vielfalt leben, Humanität verlangen und wo das nicht läuft: den Mund aufmachen.

„Kämpft! Es lohnt sich!“

Im letzten Moment konnte das Rechtsrockkonzert „Rock gegen Überfremdung“ im 480-Einwohner-Dorf Mattstedt bei Apolda verhindert werden. Für den Mattstedter Ortschaftsbürgermeister Andreas Schuchert (CDU) waren es intensive acht Wochen, seit er von der Veranstaltung erfuhr. Im Akrützel-Interview zieht er ein persönliches Fazit des Tages.

Interview: Robert Gruhne / Foto: Julian Hoffmann

Wie zufrieden sind Sie mit dem Verlauf des heutigen Tages?

Persönlich sehr. Ich empfinde eine große Dankbarkeit gegenüber den Verwaltungen, die beteiligt waren, dem Innenministerium und natürlich der Kirche und den ganzen Bündnissen aus Weimar, Jena, Erfurt und Apolda, die sich alle bereit erklärt haben, uns zu unterstützen. Ich bin dankbar für jeden Einzelnen, der da ist und ein Zeichen setzen will und eindeutig Farbe bekennt.

Wie war heute die Stimmung innerhalb des Dorfes?

Geteilt. Ich denke, dass sich die Anspannung im Dorf jetzt ein bisschen gelegt hat oder noch legen wird. Die Unterstützung aus dem Dorf kam von einigen, die die ganze Zeit da waren, aber auch von vielen, die erst spontan kamen und gesagt haben: Wir möchten euch unterstützen.

Werden Sie sich jetzt weiter gegen rechts engagieren?

Ja. Meine Meinung ist, dass rechts ja nicht nur vor unserer Tür Halt macht. Es ist ein großes Problem, dass wir nicht nur hier haben, sondern auch in Kirchheim, Kloster Veßra, Leinefelde und und und… Wir haben es in vielen Städten und Gemeinden und ich hoffe, dass wir mit dem, was wir heute gezeigt haben, ein klares Zeichen setzen – auch für die demokratischen Kräfte, die andernorts gegen rechts kämpfen, und ihnen richtig Rückenwind geben und sagen: Kämpft! Es lohnt sich! Und dann wird es irgendwann mal möglich, dass sowas nicht mehr stattfindet.

Wie waren die letzten Wochen für Sie persönlich?

Abgesehen davon, dass man wenig Schlaf hatte, ist es eine emotionale Berg- und Talfahrt. Man muss natürlich immer überlegen: Ist das, was man tut richtig? Da hat mich meine Frau sehr stark unterstützt und begleitet. Auch Freunde haben mir Mut zugesprochen und gesagt: Wir stehen hinter dir! Das hat einen auch bestärkt, in dem was man tut.

Journalismus? Imagevideo? Egal, Geld fließt ohnehin

Kommentar

Text: Julian Hoffmann

Redakteur beim Campus-TV müsste man sein. Aufträge für Imagevideos holen, Aufwandsentschädigung kassieren und das Ergebnis unter eigenem Logo als Journalismus veröffentlichen – eine win-win Situation
für das Medium, Loser ist die freie Presse.

Campus von oben, Logo der FSU, im Hintergrund lizenzfreies Geklimper. So beginnt Campus-TV sein zweiminütiges Begleitvideo zu den Gremienwahlen. Kurzer Schwenk über die vielen wie fast immer leeren Stühle im Stura, kurzer Schwenk zurück. Die Dramaturgie komplettieren aneinandergereihte Fotos mit Schriftzügen von den zehn im Stura vertretenen Fakultäten, die stets auf die gleiche Art ins Bild geschoben werden, um direkt wieder zu verschwinden. Zumindest erhofft man sich, dass es Fotos gewesen wären, denn da hätten die Ränder nicht gewackelt. Hiernach der krönende Abschluss: ein Monolog der Wahlleiterin. Schließlich noch das Campus-TV-Logo, Ende.

Einen besseren Beweis dafür, dass dieses Medium dringend auf der Suche nach neuen qualifizierten Ehrenamtlern ist, hätte die Produzentin des verwackelten Wahlbeitrages wohl gar nicht erbringen können.
Der Aufbau strotzt vor Ideenlosigkeit, für eine bessere Umsetzung hätte es nur eines Smartphones mit einem ruhigen Händchen bedurft. Der Betrachter fragt sich, warum Campus-TV das Video überhaupt gemacht hat, denn die wichtigsten Fragen wurden ohnehin unbeantwortet gelassen: Wer ist berechtigt, an den Wahlen teilzunehmen? Wen kann man überhaupt wählen? Wie funktioniert die Online-Wahl und warum wurde sie eingeführt? Viele Dinge hätten wirklich interessiert, Campus-TV gelingt ein geschickter Slalom um alles Relevante herum. Journalismus sieht anders aus, guter erst recht.

Betrachtet man das aus dem Blickwinkel des Stura soll es sich dabei aber um gar keinen journalistischen Beitrag handeln, sondern um ein Imagevideo der Studentenvertretung. Interessant ist das in doppelter Hinsicht: Das Video ist im Juni klar ersichtlich mit dem Logo von Campus-TV über den eigenen Account auf Youtube verbreitet worden. Vom Facebook-Account der Wahlkommission des Studierendenrates wurde der Beitrag daraufhin geteilt. Man findet sonst keinen Hinweis darauf, dass das Video extern produziert worden oder eine vom Stura lancierte Werbeanzeige ist.
Daher erstaunt es umso mehr, dass der Stura nun vor zwei Wochen beschlossen hat, der Produzentin nachträglich eine Aufwandsentschädigung von 50 Euro zukommen zu lassen. Die Begründung: Die Ehrenamtlerin sei überhaupt kein Mitglied bei Campus-TV und habe nur dessen Technik genutzt, um im Namen des Stura und in Absprache mit der Wahlkommission ein Imagevideo zu erstellen. Ganz so trennscharf sah die praktische Umsetzung dieser Erzählung allerdings nicht aus, denn ausgerechnet für die Dreharbeiten in einer Sturasitzung haben sich weitere Redakteure vom Unifernsehen blicken lassen.
Schade, dass nicht einer von ihnen den Job, ein Imagevideo zu drehen, übernommen hat. Vielleicht hätte er Logo und social-media-Accounts von Campus- TV von denen des Stura besser auseinanderhalten können. Denn diese Vermischung von Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit des Stura erweckt den unangenehmen Eindruck, dass der Studierendenrat journalistische Beiträge mit Geld belohnt, die zumindest in der Theorie werbewirksam sein könnten.
Natürlich ist es verständlich, Aufwandsentschädigungen für ehrenamtliche Mitarbeiter zu zahlen, die sich besonders bewähren. Das nennt man Mitarbeitermanagement, wovon der Stura mehr Gebrauch machen sollte.
Unverständlich ist es jedoch, einmalige Aktivitäten, die unprofessionell und ohne jegliche Kreativität ausgeführt werden, zu honorieren. Es ist schwer vorstellbar, dass es nicht möglich ist, für 50 Euro solch eine Lächerlichkeit unter Mindestlohn zu produzieren, für die schon eine Tafel Schokolade zu viel Aufmerksamkeit wäre.
Man hat den Eindruck, dass die Studentenvertretung den Zweck von Imagevideos nicht verstanden hat. Daher abschließend ein praktischer Tipp für die Pinnwand in einer jeden PR-Abteilung: Imagevideos sollten am besten förderlich für ein Image sein, nicht den ohnehin schlechten Ruf detailgetreu wiedergeben. Lieber im Vorhinein auf Qualität setzen, statt im Nachhinein falsche Dankbarkeit mit sprudelnden Finanzen zeigen. Auch wenn es nette Menschen gibt, die sich ehrenamtlich engagieren – in der Öffentlichkeitsarbeit kommt es auf das Ergebnis an und nicht auf die Intention. Ein gutes Herz reicht eben nicht!

Regentanz

Text: Annika Nagel

Ein Meer aus Capes und Regenschirmen

Tel-Aviv-Sounds – Letzten Samstag (28.7.) waren drei Bands aus Israel zu Gast in der Kulturarena und trotzten mit heißen Rhythmen dem sintflutartigen Regen.

In Jerusalem wird gebetet, in Haifa gearbeitet und in Tel Aviv gelebt – so sagt man. Und aus dieser Metropole der Lebendlust weiterlesen…