Der gläserne Jenenser

Im Buchhandel werden Adressen von Jenaer Einwohnern verkauft

Von Franz Purucker

Widerspruchsformular mit fertigem Briefkopf auf www.stura.uni-jena.de.                               Foto: Flickr.com/Scoyoblog

Als der Student Mike Niederstraßer in der „Thalia“ zufällig auf das Buch „Jena informiert“ stieß, dachte er zunächst, es sei ein harmloses Werbebuch. Doch als er neben Unternehmenswerbung seine eigene Adresse abgedruckt fand, war er empört. Fast alle Jenaer Bürger sind in „Jena informiert“ abgedruckt – im vorderen Teil alphabetisch nach Nachnamen sortiert, im hinteren Teil nach Straßennamen geordnet. Verzeichnet ist laut Gesetz jeder, der mindestens 18 Jahre alt ist und mit Hauptwohnsitz in Jena gemeldet ist.
Stura-Mitglied Felix Tasch hält das Buch für „einen gefährlichen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte“. Wer seine Daten in diversen Onlinecommunitys veröffentliche, habe persönlichen Einfluss darauf. Bei diesem Buch wüssten aber viele gar nicht, dass sie darin veröffentlicht seien. Markus Giebe, Vorsitzender des Jenaer Studentenbeirats, forderte die Stadt auf, die Bürger bereits bei der Anmeldung des Hauptwohnsitzes auf die Veröffentlichung ihrer Daten aufmerksam zu machen und auf die Möglichkeit eines Widerrufs hinzuweisen. Die Reaktion der Stadt auf die Forderungen des Studierendenbeirats standen zu Redaktionsschluss noch aus. weiterlesen…

Bloßstellen oder Propaganda

Wie Journalisten mit Nazis umgehen sollten – ein Kommentar

Von Jonas Janssen

Deutschlands bekanntester Holocaust-Leugner Horst Mahler begrüßte Michel Friedman vor zwei Jahren mit den Worten: „Heil Hitler, Herr Friedman.“
So verrückt es zunächst klingt: Journalistisch gesehen war dies ein Glücksfall. Nicht weil es dem Magazin „Vanity Fair“, in der das Interview erschien, Aufmerksamkeit einbrachte. Sondern vielmehr weil es eine wichtige Debatte lostrat: Wie sollen Medien mit Rechtsextremisten, Rassisten und Antisemiten umgehen? Viele schrien damals auf, es sei unverantwortlich einem Radikalen wie Mahler auf diese Weise eine Plattform zu liefern. Der Historiker Arno Lustiger zeigte „Vanity Fair“ sogar an. Trotzdem leistete Friedmans Interview etwas, das den Medien nur selten gelingt. Er führte den Wahnsinn des Mahlerschen Antisemitismus und Rassismus eindrucksvoll vor. weiterlesen…

Spritzeisbahn im Paradies

Bis zur Notaufnahme sind’s nur fünf Kilometer. Foto: Matthias Benkenstein

(mat) Eine 400 Quadratmeter große Spritzeisbahn ist am Donnerstag auf dem Parkplatz vor dem Ernst-Abbe-Sportfeld von Oberbürgermeister Albrecht Schröter und Thomas Dirkes, dem Chef des Eigenbetriebs Kommunale Immobilien, eröffnet worden. Dazu wurden 70.000 Liter Wasser aus Regenwasserzisternen auf den Platz gespritzt. Die Eisbahn kann werktags von 14 bis 20 Uhr und an den Wochenenden von 10 bis 20 Uhr kostenlos genutzt werden. Einen Schlittschuh-Verleih gibt es momentan noch nicht.

Kundgebung gegen Antisemitismus am Samstag

Brutstätte der Dummheit: das “braune Haus” in Lobeda. Foto: Akrützel-Archiv

(mat) Die Jenaer Gruppen gegen Rechtsextremismus rufen für Samstag, den 10. Januar, 15 Uhr, alle Bürger zu einer Kundgebung gegen Antisemitismus und Rassenhass vor dem „Braunen Haus“ in Alt-Lobeda auf. Anlass ist ein von dem rechtsradikalen Zusammenschluss „Nationaler Widerstand Jena“ organisierter Vortrag des mehrfach verurteilten Antisemiten Horst Mahler mit dem wirren Titel „Die Kernschmelze der judaisierten Welt ist der Welt Auferstehung zum Nationalsozialismus!“.
Mahler, der durch seinen Wandel vom SDS-, APO- und RAF-Mitglied zum Holocaustleugner und Volksverhetzer – zeitweise auch als NPD-Führungsfigur – zu fragwürdiger Berühmtheit gelangt ist, gründete unter Anderem den verfassungsfeindlichen „Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten“. Bereits im Jahre 2002 war Horst Mahler zur Eröffnung des „Braunen Hauses“, des Sitzes des NPD-Kreisverbands Jena/Saale-Holzland, anwesend.
Die Jenaer Protestgruppen kündigten an, dass, obwohl die Veranstaltung sicher nicht verhindert werden könne, das Treiben der „fanatischen Menschenverachter“ aber auch nicht unwidersprochen bleiben solle. Die Gruppen treffen sich bereits um 14.30 Uhr am Holzmarkt, um dann gemeinsam zum Kundgebungsort, der Kreuzung Jenaische Straße/Susanne-Bohl-Straße in Alt-Lobeda, zu fahren. Als einer der Redner hat sich bereits Oberbürgermeister Schröter angekündigt.

Es geschah am helllichten Tag

Jedes vierte Fahrrad ist nicht oder nur schlecht gesichert

Von Norbert Krause

Eine Flex für alle Fälle. Foto: Jonas Janssen

“In jedem Jahr eins.“ So lautet die traurige Bilanz, die Gloria Ballhause zieht. Vier Fahrräder wurden der Philosophiestudentin in Jena bereits geklaut: erst ein altes Rad mit Stempelbremse, dann ein günstiges Baumarktbike, danach nur noch gebrauchte. Dabei hatte sie die Fahrräder meist nur einmal über Nacht am Campus durch ein einfaches Schloss gesichert stehen lassen. „Aber“, relativiert sie, „das waren alles auch nur billige Fahrräder“.
Anders als bei Maximillian Bräu. Über 1000 Euro hatte der Chemiestudent für sein Rad bezahlt. Einmal in sieben Jahren hatte er sich ein ordentliches Fahrrad gekauft. Nach drei Monaten wurde es ihm am helllichten Tag vor der Uni gestohlen: „Nach zwei Vorlesungen war es komplett weg, nicht einmal das Schloss war mehr da.“ Er hatte es mit einem dicken Seilschloss fest an den Fahrradständer angeschlossen.
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Die Rose voller Teelichter

Die „Queerbeat“-Semesterparty im Rosenkeller

Von Dirk Hertrampf

“Homo oder Hetero?” FOTO: Queerbeat

Mit dem Begrüßungssekt in der Hand stiegen die Besucher die zumeist wohlvertrauten Stufen in den Rosenkeller hinab, Teelichter säumten die Treppe und standen auf Tischen, Theken und Absätzen.Einige kamen sich bestimmt vor wie zur ,Ladysnight‘ im teuersten Kino der Stadt.

Es wurden aber keine romantischen Hollywoodfilme gezeigt, sondern getanzt, getrunken und gelacht. Denn am 6. November war –nun bereits zum zweiten Mal- „Queerbeat“-Semesterfeier, organisiert vom Stura-Arbeitskreis „Queerparadies“ und dem Verein „Queerweg“.

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