Leben in Selbstbestimmung

Das Idahot-Festival 2015

von Annika Lobeck

„Dir wurde es wohl noch nicht von einem richtigen Mann besorgt!“ So eine ausfallende Bemerkung im Vorbeigehen an zwei Händchen haltenden Frauen in einem Jenaer Stadtteil.

Ein queeres Paar anzutreffen ist in Jena ebenso wie in anderen Städten keine Seltenheit, aber für einige immer noch ein ungewöhnlicher Anblick. Auch wenn Anfeindungen selten stattfinden, sehen einige doch zweimal zu zwei Frauen oder Männern, die ihre Beziehung ebenso offen leben wie ein heterosexuelles Paar.

Schräge Blicke kommen vor, sind aber nicht die Regel

„Durch die Uni herrscht hier ein aufgeklärteres Klima als an manch anderen Orten. Aber das öffentliche Zeigen von Zuneigung bewirkt manchmal eben auch, dass man wie ein Tier im Zoo betrachtet wird“, meint Matthias Gothe, ein Mitorganisator von Idahot (International Day against Homophobia and Transphobia). „Trotzdem hat man überall das Problem von Stereotypen, dem man entgegenwirken muss. Berührungsängste können, wenn man im eigenen sozialen Umfeld Leute kennt, die eine andere sexuelle Identität haben, verringert werden.“

Seit 2009 findet Idahot jährlich statt, veranstaltet vom QueerWeg Verein für Jena und Umgebung e.V. Ehrenamtliche Mitarbeiter, Gruppen und Vereine veranstalten in Jena gemeinsam im Zeitraum vom 12. bis einschließlich 27. Mai verschiedene Aktionen wie einen Filmabend, Gesprächskreise, Vorträge und ein Konzert.

2011 hieß das Festival noch Idaho, ohne den Zusatz T für Transphobia. Momentan wird darüber diskutiert, ob die Veranstaltung in Idahit umbenannt werden soll. „Das Thema der Intergeschlechtlichkeit ist sehr wichtig, aber einige Minderheiten werden auch dann ungewollt vernachlässigt, wenn wir uns um größtmögliche Einbeziehung bemühen“ meint Matthias. Zu diesem Thema gibt es im Zuge der Aktionstage auch eine Diskussionsrunde, bei der über die mögliche Namensänderung gesprochen wird.

Durch persönlichen Bezug vermindern sich Vorurteile

Dass das Festival auf den 17. Mai gelegt wurde, soll erinnern an die Streichung der Homosexualität aus dem Krankheits-Katalog der WHO am 17. Mai 1990. Vorher wurde Homosexualität als psychische Störung kategorisiert.

Das Straßenfest Idahot bietet neben Infoständen, an denen Vereine ihre Arbeit vorstellen, Aktionen zum Mitmachen wie dem Rainbow-Flash. Dafür werden Karten verteilt, auf die jeder Wünsche aufschreiben kann, um gegen Homophobie und Transphobie zu demonstrieren. Alle zusammen werden an Ballons gehängt und steigen mit diesen in die Luft.

Die Resonanz auf das Fest ist positiv, meint Matthias. Proteste gab es bisher nicht, nur eine einmalige negative Erwähnung auf der Internetseite der NPD. Auch mit der Stadt hätten sie bisher nur gute Erfahrungen gemacht.

Interesse und Bedarf an Veranstaltungen wie Idahot ist noch immer vorhanden. Queeres Leben ist zumindest in Westeuropa kein Tabuthema mehr, wird aber in unserer Gesellschaft nicht als Normalität wahrgenommen. Feste wie dieses informieren, klären auf und zeigen, dass es kein Wertegefälle zwischen Lebensformen gibt.

Weitere Informationen auf
www.idahot-jena.de

Jena: Di, 12. Mai – Mi, 27. Mai,
Straßenfest: So, 17. Mai
Weimar: Sa, 16. Mai – Do, 18. Mai Straßenfest: Sa, 16. Mai

 

Foto: Matthias Gothe

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