Spannungsfeld Romantik

Zwischen alten und neuen Interpretationen

Von Annika Lohbeck

Endlich eine Romantik-Ausstellung ohne lauter Caspar David Friedrichs. Tatsächlich ist dieser überhaupt nicht selbst vertreten. Der Künstler Hiroyuki Masuyama zieht die Orte Friedrichs allerdings als inspirative Vorlage heran.

Die digital bearbeiteten Fotografien werden auf LED-Lichtboxen gesetzt und weisen zwar einen starken Friedrich-Bezug auf, sind aber keine schlichten, zeitgenössisch gearbeiteten Kopien. Masuyama ist nicht der einzige Künstler der Ausstellung, der mit Fotomontagen arbeitet. Auch Claudia Rogge bedient sich ihrer. In ihren Bildern wird weniger das romantische Landschaftsbild neu bearbeitet, als dass Verweise auf unter anderem barocke Vanitasstilleben deutlich werden.

Die Ausstellung „Das Unendliche im Endlichen, Romantik und Gegenwart“ in der Kunstsammlung Jena zeigt gleich im ersten Raum sehr unterschiedliche Werke. Zum einen die schon fast kitschig wirkenden Bilder von Martin Eder, die Fotomontagen von Rogge und dann die Werke von Micha Brendel, der in seinem Werk Verbindungen zu Naturwissenschaften schafft. So verwendet er in zwei der ausgestellten Arbeiten Plazentahaut und Blut. Vor allem „blut-goldene Ankunft“ wirkt in keiner Weise abstoßend oder grotesk, trotz der Materialien. Die Collage erscheint durch die Metallfarbe und runden Formen sehr luftig und erinnert vielmehr an aufsteigende Seifenblasen als an blutige Organstrukturen. Ebenfalls in der ersten Etage steht die „Machine of Love“, ein Kunstwerk von Oscar Prinsen, das geschaffen wurde, um den Benutzern die Möglichkeit zu geben, einander ihre momentanen Empfindungen durch Berühren mitzuteilen. Zwei Menschen können sich dabei auf entsprechende Vorrichtungen knien und mit ihren Händen ihre Gefühle kommunizieren. Dabei tragen sie miteinander verbundene Kopfhörer und verdunkelte Brillen.

Ein großer Teil der ausgestellten Werke stammt aus der eigenen Sammlung der Jenaer Kunstsammlung, wie unter anderen drei Zeichnungen von Sabine C. Sauermilch. Die bildlichen Elemente sind in diesen großformatigen Zeichnungen sehr reduziert, wodurch ein ausgedehnter Raum entsteht, in den sie feine, sehr zärtliche Linien und Figuren setzt.

Die Ausstellung zieht sich über zwei Etagen, wobei die Hängung nicht chronologisch erfolgt. Vielmehr wurden Blick- und Beziehungsachsen gesetzt. Die große Bandbreite an Künstlern und Darstellungsformen ermöglicht eine sehr abwechslungsreiche Betrachtung der Werke und ihrer Auseinandersetzung. Die Fragen der Romantik und ihre künstlerische Rezeption werden hier aufgegriffen. So finden sich Werke aus der Romantik, wie Philipp Otto Runges vier Zeichnungen der Serie „Die Vier Tageszeiten“ und von einigen zeitgenössischen Künstlern, die sich mit Themen der Romantik beschäftigten und neu bearbeiten.

Eine gut konzipierte Ausstellung, bei der es vor allem darum geht, die Vielschichtigkeit des Themas Romantik zu unterstreichen. Die Vielfältigkeit der Werke erzeugt ein Spannungsfeld, das viele unterschiedliche Blickwinkel auch auf die einzelnen Werke ermöglicht.

Foto:AES+F

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