Jena: Diskussion um Burschenschaftsdenkmal sorgt für Proteste

Diskussionsveranstaltung über den Verbleib des Burschenschaftsdenkmals am Jenaer Universitätshauptgebäude sorgt für Protestaktion. Streit um eine periphere Randerscheinung der Geschichte. von Lukas Hillmann

Die Plane lässt nur einen zweisimensionalen Blick auf die Geschichte zu. Foto: Pauline Schiller

Am Montag, den 31. Oktober, lud das Weimarer Rendez-vous mit der Geschichte in Zusammenarbeit mit JenaKultur zu einer Diskussionsrunde in das Alte Rathaus in Jena ein. Thema war der zukünftige Umgang mit dem Burschenschaftsdenkmal vor dem Universitätshauptgebäude (UHG). Demonstrierende störten die Veranstaltung mit Demosprüchen und Bannern.

Das 5,50 Meter hohe Denkmal zeigt eine heroisierende Darstellung eines Burschen, der in seiner rechten Hand eine Fahne der Urburschenschaft trägt. Ursprünglich stand die Statue von Adolf von Donndorf, der unter anderem auch das Goethe-Schiller-Denkmal in Weimar schuf, auf dem Eichplatz. 1951 verlegte man das Denkmal auf das Gelände der Universität. 

Im Jahre 2011, während des Burschentags in Eisenach, verübten Aktivistinnen einen Farbanschlag mit grüner Farbe auf den Burschen aus Marmor. Die Farbe ließ sich trotz aufwändiger Reinigungsarbeiten nicht vollständig entfernen. Die Stadt entschloss sich daraufhin, das Burschenschaftsdenkmal mit einer Plane zu verhüllen. 

“Bürgerkriegsähnliche Zustände”

Die Proteste aus dem linken Spektrum kritisierten die Auswahl der Diskussionsteilnehmer. Es waren ausschließlich Männer anwesend, was Moderator Andreas Braune mit dem Satz “auch Männer können Feministen sein” erklärte. Außerdem waren zwei der vier Herren in einer Verbindung aktiv und keine explizit burschenschaftskritische Position vertreten. 

Im Zentrum der Kritik stand Stefan Gerber, Historiker an der Universität Jena und Leiter des Universitätsarchivs, der als Experte geladen war. Seine rechten und homophoben Positionen seien nicht mit der “Kein Schlussstrich”-Strategie der Stadt Jena vereinbar. Moderator Andreas Braune ordnete Gerber aus Transparenzgründen als Mitglied der katholischen Studentenverbindung Salana Jenensis ein. Laut Rechercheportal Jena-SHK referierte er bei der Beyreuther Burschenschaft Thessalia, deren Verbindungen ins NSU-Umfeld reichten. Die Weimarer Rendez-vous weisen diese Kritik in einem Instagram-Kommentar als “arg konstruiert und kaum belegt” zurück.

Bei der Vorstellung Gerbers kam es zu lauten Buhrufen. Vonseiten der Veranstalter richtete sich zunächst die Bitte an die Demonstrierenden, den Raum zu verlassen. Da keine Reaktion folgte, entschied man sich, die Plakate und Bekundungen als legitimen Protest zuzulassen, vorausgesetzt, die Diskussion werde nicht weiter gestört.

Wenn Gerber das Wort bekam, störten die Demonstrierenden weiter durch Klatschen und Buhrufe. Gerber selbst sprach von “bürgerkriegsähnlichen Zuständen” und einer Angstmache dieser Menschen.

Kritik aus dem Publikum

Zahlreichen Menschen aus dem Publikum, die auffällig oft Schärpe oder Sakko trugen, kritisierten die Demonstrierenden. Parallel zur Veranstaltung fand der Burschentag 2022 im Hotel Fair Resort in Jena statt, kein weiter Weg zum Alten Rathaus. Allgemein schien das Publikum eher auf der Seite der Burschis zu stehen, die Demonstrierenden und kritischen Stimmen waren in der Unterzahl. 

Beide Seiten beschimpften sich gegenseitig als Nazis. Darunter litt vor allem die Diskussion. Moderator Andreas Braune versuchte, die aufgeheizte Stimmung zu entschärfen und zurück auf den Gegenstand zu lenken. Auch er geriet in die Kritik, nachdem er die Demonstrierenden kurzerhand als Gefahr für das Burschenschaftsdenkmal eingestuft hatte. Der steinerne Bursche sollte eigentlich zum Anlass des Gesprächs für einen Tag enthüllt werden, man entschloss sich aber aus Angst vor weiteren Aktionen dagegen.

Die Demonstrierenden forderten dagegen die Platzierung des Denkmals im “Depot”. Die Grüne Jugend enthüllte während der Diskussion ein Banner mit der Aufschrift “Burschenschaften zerschlagen! Rechte Scheiße seit 200+ Jahren”, das von Menschen im Publikum als ein “indirekter Aufruf zur Gewalt” verstanden wurde. 

Ergebnisloses Ende

Trotz Aufregungen konnte Braune die Diskussion zu Ende bringen. Die Gesprächsrunde hatte die Gelegenheit, ein Statement abzugeben, was mit dem Burschi-Denkmal passieren soll. Die Möglichkeiten reichten von der Unterbringung in einem Gebäude mit geschichtlicher Einordnung bis zur Ausstellung im öffentlichen Raum ohne Kontext.

Winfried Speitkamp, Staatssekretär im Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport und ebenfalls an der Diskussionsrunde beteiligt, fasste die Veranstaltung zusammen: “Die Aktivisten haben den Burschenschaften eine Bedeutung gegeben, die nicht vorhanden ist”. Burschenschaften seien eine periphere Randerscheinung der Geschichte. Dennoch sei es wichtig, über das Burschenschaftsdenkmal, seinen geschichtlichen Kontext und den weiteren Verbleib zu diskutieren. 

Was mit dem Denkmal schlussendlich geschehen soll, bleibt weiterhin offen. Die Veranstaltung verstand sich als Auftakt einer Diskussion, an deren Ende ein Ergebnis stehen soll, auf das es noch zu warten gilt.

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