Rausch ohne Reue

Schnaps trinken in Rumänien

von Lennardt Loß

Wer reisen mit einem Bildungsanspruch verbindet, ist ein Heuchler. Ich fahre ja nicht nach Frankreich, weil ich mich ernsthaft für bekloppte bretonische Schlösser interessiere. Und ich fahre schon gar nicht nach Italien, um noch beklopptere Ruinen zu besichtigen. Todlangweilig!
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Der Zauber ist verkäuflich

Vom Weltretter-Tourismus und Gutmensch spielen in Ghana

von Christoph Renner

Ich laufe zum ersten Mal durch das kleine ghanaische Dorf mitten im Regenwald, stolziere an den kleinen Wellblechhütten vorbei. Ich strenge mich an, meinem Selbstbild zu entsprechen, das ich mir für Afrika entworfen habe. Pastoral grüße ich jeden, an dem ich vorbeilaufe, mit gehobener Hand und breitem Grinsen wie ein einseitig gelähmter Hampelmann. „Mahaaaaaao“, gröle ich langgezogen, „Guten Tag“ – das einzige Wort, das ich bisher auf Twi kenne. Gut will ich sein, und das sollen auch alle sehen. Offen will ich sein, will zeigen, dass es mir nichts ausmacht, wie sie ohne fließend Wasser zu leben, die Waschstelle ein Bretterverschlag. In vier Monaten will ich daheim sagen können: Diese Zeit hat mich total verändert.
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Menschensafaris

Slumbesuche als Touristenattraktion

von Lisa Laibach

Beim Betreten des Reisebüros breitet sich in mir ein mulmiges Gefühl aus. Ob es Slumtouren gibt, um die Ärmsten dieser Welt anzugaffen – diese Frage fühlt sich beschämend an. Erstaunlicherweise ist die Dame im Reisebüro so gar nicht davon überrascht, kann mir aber auch nicht sagen, wo solch ein Angebot zu finden ist.

In einem Katalog werde ich aber fündig: Eine Township-Tour, bei der die Besucher „die andere Seite Kapstadts“ zu sehen bekommen.
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