Paris, ein politisches Abenteuer

Einmal Iran und zurück

von Johannes Kaiser

Eine Freundin fragt mich, ob ich Mitte Juni für ein Wochenende mit nach Paris kommen wolle: 30 Euro inklusive Busfahrt, Verpflegung und Unterkunft! Irgendwie so eine Konferenz zum Iran, sie wisse selber nichts Genaues. Am Sonntag hätte man dann den ganzen Tag frei, um sich Paris anzuschauen. Klingt nach einem attraktiven Angebot.

Als der Ausflug näher rückt, kommen mir dann doch Bedenken: Was ist denn das für eine Konferenz?
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Ein Dach für Alle

Armut und Obdachlosigkeit in Jena

Von Bernadette Mittermeier



Obdachlosigkeit
Foto: Daniel Hofmann

Berlin. Es ist Januar und eisig kalt. Ein Mann liegt auf der Straße neben einem Hauseingang. Auf die Frage, ob alles in Ordnung sei, kommt nur eine gemurmelte Antwort. Sein Atem riecht nach Alkohol, seine Kleidung so, als habe er sie seit Tagen nicht gewaschen. Ein hinzugerufener Polizist nimmt ihn mit, sein routiniertes Vorgehen lässt ahnen, dass das hier keine Seltenheit ist. Aus Großstädten kennt man solche Szenen, in Jena dagegen bekommt kaum jemand etwas von Armut mit.
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Horda Azzuro

Ein Einblick in die Jenaer Fanszene

Südkurve. Ernst-Abbe-Sportfeld. Samstag Nachmittag. FC Carl Zeiss Jena gegen SV Darmstadt 98. Als Außenstehende erhoffe ich mir eine pulsierende Stimmung im Stadion. Diese Erwartung wird heute leider nicht erfüllt. Aufgrund der derzeitigen Leistung der Heimmannschaft haben sich die Fans intern zu einem Jubelboykott entschlossen. weiterlesen…

Im Hintergrund verschwinden

Als Komparsin beim Filmdreh von Juli Zehs „Schilf“

Von Anna Zimmermann




Physiker spielen ist gar nicht so einfach. Die Darsteller hatten große Probleme sich die komplizierten Formeln zu merken.

Foto: flickr.com/erwist

Papierlampions in zarten Pastelltönen flattern im Wind über dem Botanischen Garten, Wiesenblumen neigen ihre Köpfe auf die weißen Tischdecken und kleine Büsche umrahmen den mit weißen Kieseln bestreuten Platz. Auch wenn erst wenige der Pflanzen in den Rabatten blühen, wirkt alles sommerlich leicht. Eine Klischeehochzeit, denkt man sich, die Gäste lassen die Gläser klirren und schwatzen. Als das Brautpaar die Treppen empor schreitet, Arm in Arm, fliegen Blütenblätter durch das Bild – Wiesenblumen natürlich, alles muss zusammenpassen und leicht und jugendlich wirken – Reis verfängt sich in den Haaren des Bräutigams, die Braut strahlt. Sie lacht, wiegt sich in den Armen ihres Mannes, lacht und lacht, Reiskörner fliegen. Obwohl sich das Bild bewegt, ist es wie eingefroren, Bewegungen und Gesten wiederholen sich. Ich stehe unter den Gästen und meine Mundwinkel schmerzen schon. Immer wieder stoßen wir auf das Wohl des Paares an und ich muss aufpassen, dass ich nicht vergesse, meine Luftschlange aufzublasen. Ich friere, denn Sommer vermitteln nur die Bilder. In Wahrheit ist es kalt. „Danke! Das war sehr schön! Aber noch ein bisschen ausgelassener, bitte!“, ruft in diesem Augenblick die Regisseurin. Noch einmal von vorn also, noch einmal und noch einmal, aber erst, wenn die Sonne wieder hinter den Wolken hervorkommt.
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Vom Tauschen und Handeln

Studenten engagieren sich für Asylbewerber

Von Johanne Bischoff



Foto: Katharina Schmidt

Ein kleiner Wels schwimmt aufgeregt in seinem Glas auf dem Wohnzimmertisch auf und ab. Rund um sein Heim stehen Schalen und Teller voller Süßigkeiten: Baklava, gesalzene Nüsse und Pistazien aus dem Iran, Pralinen aus dem Supermarkt in der Stadt. Amin* und seine Frau Azadeh kochen Schwarztee für ihre Gäste. Im Hintergrund läuft ein Lied von Pink, Azadehs Lieblingsmusikerin.
Auf der großen Couch in dieser viel zu kleinen Wohnküche sitzen acht Studenten aus Jena. Sie kommen einmal im Monat zum Asylbewerberheim am Rande einer Stadt in Thüringen, um Bargeld gegen Gutscheine zu tauschen.
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