Suppe zum Abschied

Gerade noch ausgezeichnet, trotzdem ein Verlustgeschäft: Die Cafeteria Zur Rosen“ schließt. An ihren letzten Tagen ist sie voller als lange zuvor. 

Text von Lorenz Neumann
Foto von Dario Holz

Es ist kein normaler Donnerstag in der Cafeteria „Zur Rosen“. Wo sonst fast immer ein Tisch frei ist, muss man heute suchen. Vor dem Tresen hat sich eine Schlange gebildet, in der Küche kommt man mit den Bestellungen kaum hinterher.

Als wir an der Reihe sind, werden wir zunächst vertröstet. Im Moment gebe es nur Getränke, erklärt eine Mitarbeiterin. Die Küche müsse erst einmal die bisherigen Bestellungen abarbeiten. Normalerweise kämen vielleicht zwanzig oder dreißig Gäste pro Tag, heute seien es bereits weit über hundert. Dann lacht sie und meint, wir hätten früher im Jahr kommen sollen. Ganz unrecht hat sie damit nicht: Erst als feststeht, wann sie schließt, ist die Rose wieder voll. 

Bestnoten, rote Zahlen

Bereits Ende 2025 hatte das Studierendenwerk angekündigt, die Cafeteria im Laufe des Jahres 2026 schließen zu wollen. Trotzdem: Dass es nun so schnell geht, kam für viele überraschend. Noch vor rund zwei Wochen, als ich zuletzt hier war, erzählte mir eine Mitarbeiterin, sie wisse selbst nicht, wie lange die Cafeteria noch geöffnet bleiben werde. Sie hoffe, die Rose bleibe bis zum Jahresende auf. Wenige Tage später kam die offizielle Nachricht: Der letzte Öffnungstag ist der 31. Juli. 

Erst in diesem Jahr wurde die Cafeteria – gemessen an den Google-Bewertungen – zur sechstbesten Mensa Deutschlands gekürt. Die Berichte über die Auszeichnung hängen auch an diesem Donnerstag noch gut sichtbar an den Wänden. Beliebt und dennoch ein Verlustgeschäft. Die Öffnungszeiten wurden bereits verkürzt, das Abendgeschäft eingestellt – gereicht hat auch das aber nicht. Am Ende fällt die Rose den Sparmaßnahmen zum Opfer. Zumindest für die Beschäftigten bedeutet die Schließung nicht den Verlust ihrer Arbeitsplätze: Sie können in anderen Einrichtungen des Studierendenwerks weiterarbeiten.

In der Rose ging es nie nur darum, möglichst viele Studierende möglichst schnell satt zu bekommen: Es gab À-la-carte-Gerichte statt Tablettessen, hausgemachte Limonaden und Shakes, Glühwein im Winter und Aperol im Sommer. Bei Preisen von teilweise mehr als zehn Euro konnten sich viele Studierende einen Besuch allerdings nur selten leisten. Die Rose war eher ein Ort für besondere Anlässe: nach einer Prüfung, beim Besuch von Freund:innen oder Verwandten oder zum Geburtstag. Doch das besondere Konzept konnte die wirtschaftlichen Verluste am Ende nicht mehr aufwiegen. Angesichts der Sparzwänge ist daher nachvollziehbar, warum das Studierendenwerk gerade hier ansetzt – und nicht bei den großen Mensen, auf deren preiswertes Essen täglich Tausende Studierende angewiesen sind. 

Die Rose ist zu – es lebe die Rose!

Während vor dem Tresen die Schlange wächst, liegt dort beinahe unbemerkt ein Gästebuch, das älter ist als viele der Wartenden. Gleich auf der ersten Seite beschwert sich 1990 ein Gast darüber, dass bereits um 21.45 Uhr kein Bier mehr ausgeschenkt worden sei, obwohl doch offiziell erst um 22 Uhr geschlossen werde. Nach dem Umbau 2012, als die Rose in ihrer heutigen Form eröffnet wurde, wird sie in einem Eintrag als gemütlicher Ort für Studierende und echte Alternative zu den anderen Mensen beschrieben. Die bislang letzte Nachricht stammt aus dem Dezember 2025, nachdem die Schließung bekannt geworden war: „Schade, dass die beste aller Mensen schließen muss.“

Doch vielleicht ist die Geschichte der Rose damit noch nicht zu Ende. Für die Räume gibt es bereits neue Pläne. Eine studentische Initiative möchte die Cafeteria mit Unterstützung und Know-how des Studierendenwerks und der Universität übernehmen. Geplant sei ein studentisch selbstverwaltetes Café, das weiterhin Mittagessen anbietet, aber auch abends geöffnet bleibt und Raum für Veranstaltungen schafft. So könnte in Jena etwas Neues entstehen und zugleich die Tradition der ältesten Mensa der Stadt fortgeführt werden – wenn auch unter völlig anderen organisatorischen Voraussetzungen. Damit es gelingt, braucht es Studierende, die bereit sind, sich einzubringen. Interessierte sucht die Initiative unter anderem über Instagram bei @cafe_zur_rosen.

Inzwischen ist auch unsere Wartezeit vorbei. Viel gibt es an diesem gut besuchten Donnerstag allerdings nicht mehr. Auf der Tageskarte ist ein Gericht nach dem anderen durchgestrichen, manches bereits weggewischt. Für uns reicht es noch: zwei Kohlrabi-Cremesuppen, ein Caesar-Salat und ein Kirsch-Shake. Hinter uns muss die Küche weitere Gäste vertrösten. Mit so viel Andrang habe man heute einfach nicht gerechnet.

Auch am Freitag kommen mehr Gäste, als die Küche noch versorgen kann. Pünktlich um 14 Uhr ist dann Schluss. 


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen