Rheinmetall entwaffnen

In Köln trafen sich Tausende, um gegen die anhaltenden Militarisierung und Rüstungswirtschaft zu demonstrieren. Unter ihnen beim diesjährigen Rheinmetall Entwaffnen Camp das Akrützel.

Text und Bild von Tim Baumberg

Eine Woche campen. Gegen Kriege und Unternehmen, die davon profitieren – für eine starke antimilitaristische Bewegung. So sah die erste Septemberwoche für über eintausend Aktivist:innen in Köln aus.

Dort kam die sozialistische Bewegung aus dem ganzen Bundesgebiet zum alljährlichen Rheinmetall Entwaffnen Camp zusammen. Zwar befindet sich der Hauptstandort der Rüstungsfirma in Düsseldorf, doch auch in Köln befinden sich einige Firmen, die an Krieg und Aufrüstung verdienen. Ganz nach der Parole “Siemens, Daimler, Deutsche Bank – der Hauptfeind steht im eig’nen Land!”, knöpfte man sich also verschiedene Unternehmen vor.

Bereits am ersten September demonstrierte ein breites Bündnis aus revolutionären Kommunist:innen, Sozialist:innen und Parlamentarischen Linken, wie der Partei Die LINKE und dem BSW zum Antikriegstag. Zwei Tage später blockierten etwa einhundertvierzig Kommunist:innen die Lüttich-Kaserne im Norden Kölns, welche zugleich der Hauptstandort für das Personalmanagement der Bundeswehr ist. Am selben Tag blockierten neun Friedensaktivist:innen von Peacefully against Genocide eine Fabrik von Rheinmetall in Bonn. Im Gegensatz zu den Taktiken der Letzten Generation klebten sie allerdings nicht auf der Straße, sondern direkt in der Einfahrt. Beladene LKW wurden so gut vier Stunden an der Durchfahrt gehindert. Auch an anderen Stellen kam es während der Aktionstage zu Spontandemonstrationen, Blockaden und Farbmarkierungen.

Den Höhepunkt bildete die große Demonstration am Samstag. Statt der angemeldeten vierhundert Teilnehmer:innen kamen laut Zahlen des WDR rund dreitausend Menschen zusammen, um gegen Kriege und Genozide weltweit zu demonstrieren. Insbesondere der revolutionäre Block richtete die Aktion erneut gegen Firmen, die an den Kriegen mitverdienen.  So wurde bereits nach wenigen Metern eine Filiale der Deutschen Bank mit roten Farbbeuteln beschmissen und die Stimmung mit Pyrotechnik unterstrichen.

Während sich der Protestzug durch die Straßen Kölns bewegte, kam es immer wieder zu dynamischen Szenen zwischen der Polizei und den Demonstrierenden. So schubsten die Beamten gelegentlich Teilnehmer:innen und lieferten sich Wortgefechte mit ihnen.

Nach rund einem Kilometer stoppte die Polizei die Versammlung mit der Begründung, Einsatzkräfte seien aus dem hinteren Teil mit Metallkugeln beschossen worden. Daraufhin folgte der wohl brutalste Teil der Demonstration. Die Bereitschaftspolizist:innen prügelten eine Kette zwischen den vorderen und den hinteren Teil des Zuges. Dabei war zu beobachten, wie die Beamten mehrfach gezielt auf die Köpfe von Demonstrierenden einschlugen, wobei schwere Verletzungen in Kauf genommen wurden . Außerdem waren die Teilnehmer:innen mittlerweile so vermischt, dass sie auch zahlreiche unbeteiligte Menschen festhielten. Nachdem die Demonstration halbiert wurde, wurde der erste Teil aufgefordert, den Weg fortzusetzen. Die übrigen Antimilitarist:innen ließ man für fünf Stunden im Polizeikessel sitzen, wobei auch diese erneut halbiert und auseinander getrieben wurden.

Trotz der angedrohten Identitätsfeststellungen blieb die Stimmung durchgehend kämpferisch. Die umschlossenen Demonstrant:innen brannten weiterhin Feuerwerk ab und sangen sozialistische Lieder wie “Der Pfahl”. Die angekündigten Identitätsfeststellungen der verbliebenen rund dreihundert Menschen fanden schließlich nicht statt, da sich das angerufene Amtsgericht offenbar nicht für zuständig hielt. Gegen 22 Uhr war die Maßnahme beendet.

Die Bilanz der Aktion: Laut Angaben der Polizei wurden elf Beamte verletzt, einer davon war offenbar dienstunfähig.  Auf Seiten der Protestierenden kam es laut der Sanitätsgruppe Süd-West e.V. zu 227 Behandlungen, davon 22 Übergaben an den Rettungsdienst, ein Krankenhaus oder eine Arztpraxis.

Trotz der massiven Repression werteten die Sozialist:innen die Aktionen als Erfolg und kündigten bereits an, sich im nächsten Jahr wieder die Straßen Kölns zu nehmen. Bis dahin soll es jedoch nicht ruhig bleiben: Für den Zeitraum vom 24. bis zum 26. September wurde dazu aufgerufen, das NATO-Manöver in Hamburg zu stören. Die Parole bleibt also weiterhin: “Alle zusammen, Rheinmetall entwaffnen!”


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