Eine KI schreibt wohl die Reden von Mario Voigt. Ein Thema, über das der Ministerpräsident nur ungern spricht.
Text von Dario Holz
Illustration von Rosa Wentsch
Es begann mit einem Gastartikel für die Welt und endete mit einer kleinen Staatskrise: Ministerpräsident Voigt (CDU) und Amtskollege Schulze (Sachsen-Anhalt) schrieben ein Plädoyer für mehr deutschsprachige Musik im Radio. Wobei, eigentlich schrieben sie das gar nicht, denn der Text wurde recht offensichtlich von generativer KI verfasst. Die aalglatten Formulierungen und sinnbefreiten Floskeln wurden von einigen Twitter-User:innen bemerkt und hämisch kommentiert, der große Aufschrei blieb aber aus. Vielleicht auch deshalb, weil der Springer-Verlag, zu dem auch die Welt gehört, ein bekennender Verfechter des KI-Journalismus ist.
Die Rechercheplattform Frag den Staat nahm den Fall zum Anlass, um auch andere Texte des Ministerpräsidenten genauer zu überprüfen. Auffällig war hier erneut ein Gastartikel, diesmal für die FAZ, in dem Mario Voigt über die Social-Media-Nutzung von Kindern schrieb und seine Argumentation mit Zitaten dreier Wissenschaftler untermauerte. Nur sind die Zitate gänzlich frei erfunden – für Frag den Staat ein Indiz für typische KI-Halluzinationen. Die FAZ reagierte mit der sofortigen Depublizierung des Textes.
Aber Frag den Staat fand auch einige Reden des Ministerpräsidenten, die wahrscheinlich durch KI geschrieben wurden: Darunter auch eine Rede zum Holocaust-Gedenktag.
Umgang mit Fehlern
Die Staatskanzlei räumte ein, für den Gastartikel in der Welt KI genutzt zu haben, schwieg aber zu den erdachten Zitaten. Auch Voigt selbst zeigte sich erstaunt über die Debatte, die er „nicht nachvollziehen” könne.
Für die Opposition ist der Fall jedoch gefundenes Fressen. Die AfD, die spätestens seit Voigts Doktortitel-Affäre auf dessen Rücktritt pocht, sieht sich hier in ihrer Position bestärkt, der Plagiatsjäger Weber nannte Voigt auf Twitter einen „Serienplagiator”. Die Linken kritisieren weniger den Einsatz von KI, sondern eher Voigts Umgang mit der Debatte: „ Man kann auch einfach mal eingestehen, wenn man einen Fehler gemacht hat. Das findet aber nicht statt”, so Christian Schaft, Fraktionsvorsitzender der Linken.
Aufklärung sollte die letzte Regierungsbefragung des Landtages vor der Sommerpause bringen, bei der Voigt eingeplant wurde – kurz vorher sagte er aber seine Teilnahme ab.
Dieser Text erschien in der Ausgabe 460, Juli 2026.

