Sahra Wagenknecht glaubt nicht mehr an die Brombeer-Koalition in Thüringen und möchte einen neuen, parteiunabhängigen Ministerpräsidenten.
Text von Dario Holz
In Thüringen beteiligt sich das BSW das erste Mal an einer Regierung: Ein großer Fehler, wie Namensgeberin Sahra Wagenknecht immer wieder betonte. Sie machte die Thüringer Landesgruppe um Katja Wolf schon für das Scheitern in der letzten Bundestagswahl verantwortlich – die überhastete Regierungsbeteiligung der Partei sei ein “schwerer Anfängerfehler” gewesen, den Wagenknecht nun offenbar beheben möchte.
Das Vertrauen in Ministerpräsidenten Mario Voigt (CDU) sei erst durch die Plagiats-, dann durch die KI-Affäre beschädigt worden, außerdem gebe es in der “Brandmauer-Koalition” nur wenige inhaltliche Gemeinsamkeiten. Die Zusammenarbeit habe dem BSW bislang nur geschadet – und die AfD gestärkt, so Wagenknecht.
Daher fordert sie nun einen Austritt des BSW aus der Thüringer Landesregierung und einen neuen “parteiunabhängigen Ministerpräsidenten, der mit wechselnden Minderheiten regiert – auch unter Einbeziehung der AfD”. Die Brandmauer bezeichnete Wagenknecht schon vor einiger Zeit als “demokratischen Irrweg”.
Damit geht der parteiinterne Machtkampf zwischen Wagenknecht und der Thüringer Co-Landesvorsitzenden Katja Wolf in die nächste Runde. Während Wagenknecht versucht, das BSW als reine Anti-Establishment-Partei zu positionieren, um bei den anstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern zu punkten, verfolgt Wolf weiterhin einen realpolitischen Ansatz. Ob Wagenknechts radikaler Kurs aufgeht, wird sich bei den kommenden Wahlen zeigen – die Prognosen sehen für das BSW derzeit jedoch düster aus.
Dieser Text erschien in der Ausgabe 460, Juli 2026.
