Sex unter (Preis-)Kontrolle

Hier könnte eine Liste verschiedener Verhütungsmittel stehen, mit denen der Mann die Verantwortung der Verhütung übernimmt, mit denen der Mann die Chance hat, für gleichberechtigten Geschlechtsverkehr einzutreten, bei dem keine der Personen sich Gedanken um die Folgen von ungeschütztem Sex machen muss. Doch diese Vielfalt gibt es nicht.

Und das Hauptmittel, Kondome, wird nun voraussichtlich um 30 Prozent teurer: Der Krieg im Iran stört Lieferketten und verteuert Rohstoffe. Die höheren Kosten werden durch Hersteller an ihre Kund:innen weitergegeben.

Wer in Zukunft sicheren Sex haben möchte, muss bereit sein, ein Vermögen zu bezahlen. Wer für diese Kosten aufkommt, ist Verhandlungssache – für Personen mit Uterus kommt zusätzlich zu ihrer Verantwortung noch hinzu, dass sie im Zweifelsfall die Konsequenzen tragen zu müssen.

Doch das müsste nicht so sein: Der Staat hat Einfluss auf  den Zugang zu Verhütungsmitteln und die reproduktive Selbstbestimmung. Er könnte dafür sorgen, dass die Preise für Kondome nicht ins Unermessliche steigen, sondern bei den bisherigen bleiben. Unironisch: Revolutionär wäre die Umsetzung einer kostenlosen Grundversorgung an Verhütungsmitteln – durch staatliche Preiskontrollen auf Kosten der Kondomhersteller. Doch da das wirtschaftspolitisch schwere Geschütz nur für Militärausgaben ausgepackt wird, bleibt in Verhütungsfragen nicht nur alles beim Alten, nein, es wird schlimmer. Danke dafür.

von Ulrike Reimer
erschienen in der Ausgabe 459


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen