Der Pastateller ist da. Migriert aus dem nahen Westen, wo sich diese Kulturtechnik längst etabliert hat, sind die Spaghettimonster nun auch in Jena gelandet. Für 3,10 Euro hat man die Wahl zwischen zwei Sorten Pasta und zwei Soßen. In die bisher übliche Angebotspolicy integrierbar sind die subversiv soßigen Teigwaren dabei kaum. Während bei allen anderen Speisen entweder durch Portionierung oder durch Quantifizierung diszipliniert wird, darf man beim Pastateller selbst Hand anlegen und wird einzig und allein von der eigenen Fähigkeit im Stapeln beschränkt. Von der Mensa wird das Pasta-Schichten aber kritisch gesehen,. Es müsse nun mal gewährleistet werden, dass „der Wareneinsatz zum Preis passt […] Seid daher fair und tragt damit zum Erhalt des Preises im Interesse aller Studierender bei“. Wer entsprechend mit seinem Nudelturm biblischen Ausmaßes der Kasse entgegentritt, darf mit Tadel rechnen. Natürlich steht dies im Widerspruch zum Werbeslogan „voller Teller zum satt werden“, welcher ja das individuelle Bedürfnis zum Maß der Dinge erhebt und alle Fairnessappelle ins Leere laufen lässt.
Das Studierendenwerk verpflichtet sich mit dem Pastateller praktisch dem kommunistischen Verteilungsprinzip — nur um zeitgleich vor diesem zu warnen.
Als Insel muss man die Flut fürchten, gewiss, bis dahin sollte man aber konsequent die Wellen reiten, und zwar mutig!
von Lukas Baderschneider
erschienen in der Ausgabe 452
