Letztens wurde vor der Ernst-Abbe-Mensa die Campustüte verteilt. Der Inhalt: Ein
Eistee, ein Helles, ein koffeinhaltiger-Proteindrink low fat und no added sugar*, ein
Energydrink, eine Zahnbürste, Kaugummis, ein Nuss-Schokoriegel, ein Probe-
Shampoo, ein Handwärmer und noch mehr von bekannten Marken, dazu diverse
Gutscheine. Die Zielgruppe: all diejenigen, die Muße haben, sich in die lange
Schlange zu stellen und einen Newsletter zu abonnieren oder zumindest zu
behaupten, dass sie dies tun würden.
Auch ich habe mich angestellt. Für Goodies, die ich mir nicht selbst gekauft
hätte. So toll die Zahnbürste auch ist (man sollte sie etwa alle drei Monate
wechseln!), finde ich meine Entscheidung im Nachhinein bedenklich. Wo war an
diesem Tag die Kritik an Überkonsum, die ich mir sonst so gerne zuschreibe? Habe
ich mich in die Schlange gestellt, einfach nur, weil es etwas für lau gab?
Schon. Eine Studie von Shampanier et al. aus dem Jahr 2007 zeigt, dass
Menschen Gratisprodukte unverhältnismäßig oft gegenüber anderen Produkten
bevorzugen, selbst wenn diese qualitativ hochwertiger sind. Zero-Price-Effekt nennen
die Autor:innen das. Nun gab es im Fall der Campus-Tüte keine Alternativen, die
man hätte wählen können, aber die Feststellung ist bemerkenswert: Gratisprodukte
rufen positive Affekte hervor.
Ein Erklärungsansatz lautet wie folgt: Ein qualitativ niedrigere, aber kostenlose
Süßigkeit (in der Studie ging es um Schokolade) bringt einer Person Nutzen, aber
keine Kosten. Eine qualitativ hochwertigere Süßigkeit, die etwas kostet, bringt
hingegen Nutzen und Kosten – egal wie hoch oder niedrig der Preis für diese
Süßigkeit ist. Und Nutzen, so heißt es in der Studie, führt im Vergleich zu Kosten und
Nutzen zu einem höheren positiven Affekt.
Nachdem ich die Kaugummis eingesteckt und den Riegel aufgegessen habe
(lecker!), war es dann in meinem Fall wieder vorbei mit den guten Gefühlen.
Vielleicht sollte ich den Rest anderen Studis geben. Teilen macht schließlich auch
Freude, nicht wahr?
von Nathalie Stenger
erschienen in der Ausgabe 453
