Platz für alle

Von mehreren Seiten wird eine Neugestaltung des Ernst-Abbe-Platzes gefordert. Was steht ihr im Weg?

von Carolin Lehmann und Veronika Vonderlind

Nett hier … Foto: Line Urbanek

Ein Blick um den Ernst-Abbe-Platz: Triste Graustufen, grotesk große Fensterfronten, ein rätselnder Raucher. Die einzige Farbe strahlt in Form von Neonlicht aus dem B59-Penthouse. Wo bislang grauer Beton dominiert, könntet ihr irgendwann unter Blätterdächern sitzen. Zumindest, wenn es nach einem Stura-Arbeitskreis geht, der sich für die Modernisierung des Ernst-Abbe-Platzes (EAP) einsetzt. Ziel ist es, den Platz nachhaltiger zu gestalten, den sommerlichen Hitzestau in den Griff zu bekommen und die Aufenthaltsqualität zu steigern.

Wohin sollen die Bäume ihre Wurzeln strecken?

Eine ansprechende und moderne Gestaltung des EAP kann aber mehr als nur studentisches Wohlgefühl bewirken. Schließlich ist die graue Freifläche nicht nur Campus, sondern auch ein Ort des Bahnfahrens, Arbeitens und Einkaufens. Dass Menschen den Platz nicht nur aus Notwendigkeit nutzen, sondern gerne hier verweilen, gehört zur Vision des Arbeitskreises.

Neu ist die Idee einer Modernisierung nicht: Bereits 2012 schrieb die Stadt für eine fünfstellige Summe einen Wettbewerb zur Neugestaltung aus. Seitdem ist nicht mehr viel passiert. Warum? In einer Bürgeranfrage im Juli 2022 hakte Stura-Mitglied und Gründer des Arbeitskreises Manuel Allwang beim Oberbürgermeister nach. Wie so oft, sei das das Projekt an der Finanzierung gescheitert. Der Platz gehört zu Teilen der Stadt, der FSU (und damit dem Land Thüringen) und Jenoptik. Diese Interessengruppen konnten sich laut Oberbürgermeister „nicht auf eine Finanzierung einigen“. Im Fokus der FSU habe damals mit dem Neubau des Inselplatzes ein prestigeträchtigeres Projekt gestanden.

Blühende Landschaften

Bei der Neugestaltung des EAP steht man noch vor anderen Herausforderungen: Die darunter liegende Tiefgarage erschwert das Pflanzen von Bäumen, denn wohin sollen die ihre Wurzeln strecken? In den Entwürfen von 2012 wurden dafür Erdaufschüttungen vorgeschlagen, auf die Grün gepflanzt und an die Bänke angeschlossen werden könnten. Wenn es nach dem Stura-Arbeitskreis geht, soll der Platz zudem teilentsiegelt werden, um der stehenden Hitze im Sommer entgegenzuwirken. Auch wenn der Arbeitskreis selbst keine Entwürfe vorschlagen kann, sind für Allwang begrünte Fassaden, Sonnensegel oder Wasserbecken denkbar. Das käme auch der Aufenthaltsqualität zugute. Denn: So viele Menschen den Platz vor allem im Sommer auch bevölkern, ist seine Ästhetik doch streitbar. Mit den Palettenmöbeln wurde ein zaghafter, jedoch eher kläglicher Versuch gestartet, den Platz abhängenswerter zu machen. Eine wirkliche Neugestaltung müsste umfassender und damit auch kostenintensiver sein.

Druck kam zuletzt auch von der SPD-Fraktion: Sie brachte Ende letzten Jahres eine Beschlussvorlage in den Stadtrat ein, die eine Wiederaufnahme des Modernisierungsprojektes forderte und von den Fraktionen der Grünen und Linken unterstützt wird. Sie wünschen sich einen barrierefreien und klimatisch durchdachten Platz, wie er auch zur Erfüllung des Klimaaktionsplans beitragen könnte. Eine Debatte im Stadtrat wurde wiederholt vertagt.

Allwang und der Arbeitskreis wollen sich nun an Uni und Stadt wenden und, wenn nötig, auch mit öffentlichen Aktionen Druck machen.

Durchaus strittig ist die Frage danach, was Platz überhaupt meint. Welche Elemente um, auf und unter der Fläche sollen und können modernisiert werden? Einerseits kann man den Platz als die reine Fläche zwischen den Gebäuden sehen. Andererseits, findet auch Allwang, beeinflussen die umgebenden Fassaden die Platzerfahrung stark. So nimmt Allwang für eine Neugestaltung auch die Gebäudefassaden in den Blick und spricht von vertikaler Bemoosung, Wandfarben mit UV-Absorption sowie verstärktem Einsatz von Außenjalousien. Ob diese – zwar eingängige, aber kontroverse – Ansicht rechtlich abgesegnet und von den Anliegern geteilt wird, ist schwer abzusehen. Spätestens, wenn diesen ein absorbierender Anstrich und die Abdeckung ihrer Fenster nahegelegt werden, gibt es wohl Aushandlungsbedarf. Doch all dem Wandel zum Trotz: Die Metallinstallationen Stellas müssen keine Überarbeitung oder Verbannung befürchten. Inwieweit sie das ihrer Schönheit zu verdanken haben oder der städtebaulich vorgeschriebenen Pflicht zur Platzierung von Kunst im öffentlichen Raum, bleibt fraglich.


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