Vergeigt die Uni die Prüfungen?

Digital oder in Präsenz – in vielen Kursen an der FSU ist noch unklar, wie genau geprüft wird. Zwei studentische Senatsmitglieder, Scania Sofie Steger und Jonathan Schäfer, kritisieren die Uni für ihr Krisenmanagement.

Interview von Robert Gruhne

Wie zufrieden seid ihr damit, wie Uni und Land die Pandemie managen?
Scania: Wir sind sehr unzufrieden. Es gibt keine klaren Regeln und keine klare Linie vonseiten der Universität. Es gibt keinerlei sichere Zusagen, wie Nachteile für Studierende ausgeglichen werden. Beim Land kritisieren wir, dass die Regelstudienzeit nicht verlängert wird, obwohl das inzwischen alle anderen Bundesländer gemacht haben oder noch machen wollen. Jonathan: Dadurch, dass das Land nichts regelt, versteckt sich unsere Uni dahinter. Das ist aus unserer Sicht sehr ärgerlich.

„Dann haben wir ein absolutes Prüfungschaos!“

Jonathan

Was blüht den Studierenden in der anstehenden Klausurenphase?
Scania: Das Problem ist, dass die derzeitige Corona-Verordnung des Landes nur bis zum 31. Januar gilt. Die Universität sagt: Bevor wir nicht die neue Verordnung kennen, können wir nichts planen. Jonathan: Unsere Angst ist, dass viele Präsenzprüfungen geplant werden und dann Dozenten ein paar Tage vorher feststellen: Oh, ich darf gar nicht! Die müssen dann auf digital umstellen oder verschieben. Es gibt aber eine Mindestfrist von 14 Tagen zur Ankündigung des Formates, wodurch Prüfungen kollidieren werden. Und dann haben wir ein absolutes Prüfungschaos!

Was für Rückmeldungen bekommt ihr von den Studierenden?
Scania: Die meisten sind einfach unsicher. Ich weiß nicht, ob meine Klausuren stattfinden, ich weiß nicht, wann meine Sportkurse oder Laborpraktika nachgeholt werden, und so weiter. Aber auch die Lehrenden sind verwirrt und unzufrieden, so wie ich das wahrnehme.

In der kommenden Senatssitzung wird zum ersten Mal die Corona-Rahmensatzung geändert. Was haltet ihr von dem Entwurf?
Scania: Erstmal wäre es Aufgabe der Universität gewesen, diese Satzung neu aufzuarbeiten. Fakt ist, dass wir Studierenden das gemacht haben. Entsprechend hatten wir stärkere Forderungen drin. Die Version jetzt ist verknappt und enthält schon wieder keine festen Zusagen.

Was genau stört euch daran?
Scania: Gerade, wenn es um Prüfungsversuche geht, übergibt man das wieder nur den Prüfungsämtern und regelt das über den regulären Nachteilsausgleich.
Jonathan: Man soll einfach mal einen Antrag ans Prüfungsamt stellen und wenn man das dann richtig macht, wird dem sicherlich stattgegeben. Wo wir uns fragen, wie genau man das begründen soll. Zuletzt kam bei uns eine Email an, dass jemand nicht weiß, wie er mit seinen Präsenzprüfungen umgehen soll, weil sein Mitbewohner zur Risikogruppe gehört. Das ist moralisch schon ein Zwiespalt. Entweder habe ich Nachteile in meinem Studium oder ich habe gegebenenfalls Nachteile für meinen Mitbewohner.
Scania: Wir wollten auch wieder einen weiteren bedingungslosen Drittversuch, der wurde aber dieses Mal abgelehnt.

Was ist im Entwurf drin geblieben?
Jonathan: Schaffen wird es wahrscheinlich der Erlass der Langzeitstudiengebühren im Winter. Scania: Es wurde auch explizit aufgenommen, dass pandemiebedingte Gründe ein Grund für den Nachteilsausgleich sind. Und ein Satz, wie Dozierende prüfungsrelevantes Material zugänglich machen müssen. Das wird wahrscheinlich durchkommen.

Wie würdet ihr das befürchtete Prüfungschaos verhindern?
Jonathan: Im Idealfall durch eine Verschiebung der Termine. Fristen für Wiederholungsprüfungen zum Beispiel könnte man durchaus mal aussetzen. Scania: Am allerbesten fänden wir gewisse Wahlmöglichkeiten zwischen Erst- und Zweittermin. Da könnte man zum Beispiel den Ersttermin online und den Zweittermin in Präsenz anbieten. Solche flexibleren Systeme wünschen wir uns.

„Wenn die Uni dann sagt, das ist uns eigentlich egal, fühlt man sich schon irgendwie verarscht.“

Jonathan

Fühlt ihr euch als studentische Senatsmitglieder ernstgenommen?
Jonathan: Die Uni suggeriert uns das häufig. Wenn wir aber auf Probleme hinweisen, einen Lösungsvorschlag vorbereiten und die Uni dann sagt, das ist uns eigentlich egal, fühlt man sich schon irgendwie verarscht. Scania: Zum Beispiel im November: Schon vor Vorlesungsbeginn haben wir der Uni gesagt, die Dozierenden sollten besser gleich auf digitale Lehre umsteigen. Zwei Wochen später kam die Regelung vom Land und die Dozierenden mussten übers Wochenende ihre Kurse umstellen. Da könnte man langfristiger planen. Ansonsten ist die Kommunikationsbereitschaft aber auf jeden Fall da und manche Punkte werden auch aufgegriffen.

Redakteur Robert (oben rechts) im Gespräch mit Scania und Jonathan
Screenshot: Robert Gruhne

Wisst ihr denn schon, wie eure eigenen Prüfungen ablaufen?
Scania: Ich habe drei Prüfungen, davon ist bei zweien noch unklar, ob online oder in Präsenz. Jonathan: Ich habe zwei mündliche. Die sind online und bei dem Lehrstuhl bin ich auch relativ optimistisch. Angeblich habe ich auch zwei Präsenzprüfungen, da bin ich gespannt, ob die wirklich mit 40 Leuten geschrieben werden.


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