Corona against Future

Auch die Demos und Proteste von Fridays for Future unterliegen der Coronafessel. Justus Heuer und Teresa Borst erzählen, wie die Gruppe in Jena mit der Situation umging und was es für sie bedeutet.

Gefragt hat Charlotte Wolff

Wie geht es euch als Bewegung seit Beginn von Corona?

Justus: Wir sind eine Bewegung, die sich sehr stark hinter wissenschaftliche Erkenntnisse stellt, entsprechend war es für uns in der Coronahochphase eine gewisse Form von Verantwortung, keine Massendemos mehr zu veranstalten. Die ganzen Aktivitäten verlagerten sich auf Online-Formate. Es gab verschiedene Social Media-Aktionen, aber die Medienpräsenz war geringer und die Reichweite ging zurück.

Teresa: Wir haben uns recht früh Formate überlegt, wie wir trotz Corona mit Einhaltung der Hygienevorschriften demonstrieren können. Am nationalen Streiktag im April sind wir mit 50 Personen auf die Straße gegangen. Um Abstand zu halten, haben wir anderthalb Meter lange Seile zwischen den Leuten gespannt. So konnten wir zeigen, dass wir noch da sind.

Was ist aus den Freitagsdemos während Corona geworden?

Theresa: Derzeit gibt es Kleinstaktionen. Jeden Freitag halten wir am Holzmarkt zu verschiedenen Uhrzeiten Mahnwachen. Anfangs nur innerhalb der Orga, mit drei oder vier Personen und Bannern und Plakaten. Inzwischen rufen wir dazu aber auch wieder offiziell auf.
Wie reagierten die Leute auf eure Onlineaktionen?

Justus: Es gibt immer positives und negatives Feedback. Manchmal kam die Frage, ob wir nichts Wichtigeres zu tun hätten, wie sich auf die Bekämpfung der Pandemie zu konzentrieren. Aber es gab auch die, die es gut fanden, dass wir die Aufmerksamkeit weiter auf das Klima gelenkt haben und ich glaube, es gibt bei einigen Leuten das Bedürfnis, jetzt wieder mehr offline zu machen.

Aber am 02.06. habt ihr eine Demo am Löbdergraben organisiert.

Theresa: Genau, um sicherzustellen, dass die Maßnahmen gut eingehalten werden, haben wir in anderthalb Metern Abstand Punkte markiert, auf die sich Personen drauf stellen konnten. Es war eine Standkundgebung, bei der das Abstandhalten deutlich leichter einzuhalten ist als beim Laufen. Wir waren circa 170 bis 180 Leute, was noch etwas weniger war als vor der Pandemie.

Wie sehen eure nächsten Pläne aus?

Justus: Im Juli fällt der Stadtrat zwei ziemlich essentielle Beschlüsse zum Thema Klima. Da wird einmal ein Papier, in dem die Klimaziele für Jena für die nächsten zehn Jahre stehen, beschlossen, und die Umsetzung eines Klima-checks, mit dem Stadtratsvorlagen hinsichtlich ihrer Klimaverträglichkeit geprüft werden. Für die Klimaziele gibt es zwei Entwürfe, jeweils einen von der Stadtverwaltung und vom Klimaschutzbeirat, wobei der zweite der deutlich ambitioniertere ist. Statt eines Ampelmodells wünschen wir uns für den Klimacheck eine quantifizierende Methode, damit unterschieden werden kann, wie groß der Effekt ist und nicht nur gesagt werden kann, ob er da ist oder nicht. Um uns dafür und für die ambitionierten Klimaziele einzusetzen, organisieren wir zur Stadtratssitzung am Mittwoch, dem 15.7. eine Demo, die um 15:30 Uhr auf dem Holzmarkt beginnt. Parallel zur Demo wird es eine Critical Mass geben.

Wie seht ihr eure Chancen für die Zukunft?

Justus: Wenn man sich die Hitzerekorde anguckt, die dieses Jahr schon wieder aufgestellt werden, dann bin ich optimistisch, dass das Thema wieder sehr schnell aktuell wird und sehr weit oben im Fokus der Medien stehen wird. Weil man sich dem gar nicht mehr verschließen kann, außer, man ignoriert einfach alle Zahlen.

Demonstrieren mit Plakaten und Abstandsmarkierungen.
Foto: Fridays for Future Jena

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