Medizingerecht

Jenas Studierende der Medizin übten scharfe Kritik an ihrem Studium (Akrützel 387). In einem Interview erklärt Prodekan Orlando Guntinas-Lichius seinen Standpunkt.

von Charlotte Wolff

Das Medizinstudium in Jena: Alles andere als eine Spielerei. Foto: Julian Hoffmann

Akrützel: Wie haben Sie auf das Schreiben reagiert?

Guntinas-Lichus: Mich hat es sehr überrascht, da ich zuvor nicht informiert wurde. Ich bezweifle auch, dass es die Meinung der meisten Studierenden ist und halte es für die von wenigen, denn an der Umfrage hat nicht einmal die Hälfte teilgenommen.

Es fühlen sich Studierende wohl nicht willkommen am Klinikum.

Das hat mich auch überrascht. Dieser Kritikpunkt ist nicht neu und es wurde auch einiges getan, um das zu verbessern. Das heißt noch nicht, dass alles gut ist, aber wir sind in ständigem Dialog mit dem Fachschaftsrat.

Dann gibt es die Kritik schon länger?

Ja und es ist ein zentraler Knackpunkt, den ich auch verstehe. Doch mich ärgert, dass jetzt so getan wird, als wäre es etwas Neues und wir würden uns nicht darum kümmern. Es ist häufig so, dass sich Studierende bei Kleingruppenunterricht auf Station nicht so willkommen fühlen. Das ist berechtigt und wir versuchen, das Schritt für Schritt anzugehen.

Was wurde denn bereits getan?

Als Folge der letzten Umfrage haben wir zwei Dinge eingeführt: zum einen haben wir die sogenannten Runden Tische aus der Vorklinik übernommen. Das heißt, am Ende jedes Semesters treffen sich Studierende mit Dozenten, um sich auszutauschen. Zum anderen gehen wir konkret in Einrichtungen, wo solche Kritikpunkte auftauchen. Auch treffe ich mich monatlich mit der Fachschaft, was es vor meiner Zeit nicht gab.

Warum gibt es dieses Problem?

In der Klinik liegt die Hauptlast der Lehrenden bei der Krankenversorgung. Dadurch rutscht die Lehre häufig hinten runter beziehungsweise hat nicht eine so hohe Priorität wie die Krankenversorgung.

Es gibt also eigentlich einen Personalmangel.

Das ist ein generelles Problem dieser Form der Ausbildung. Universitätskliniken werden nicht anders finanziert als jedes andere Krankenhaus auch. Diese Debatte führen wir in Deutschland übrigens schon länger. In der Schweiz und in Österreich gibt es dagegen zu der allgemeinen Vergütung eine Aufschlag für die Lehre und Forschung. Und das fehlt uns hier. Wir sind genauso in diesem ökonomischen Hamsterrad wie jedes andere private Krankenhaus.
Unter anderem steht daher häufig die Patientenversorgung im Vordergrund und Ressourcen werden dadurch nicht für die Lehre oder Forschung eingesetzt. Es ist eine Frage der Finanzierung.

Es werden Hoffnungen in einen neuen Dekan gesetzt.

Meiner Meinung nach werden hier zwei verschiedene Dinge zusammengebracht. Das Thema wurde genutzt, um die Lehrkritik noch einmal aufs Tapet zu bringen, obwohl ja bereits daran gearbeitet wird, was nicht erwähnt wurde.
Es wurden auch Dinge struktureller Art kritisiert.
Ja, unter anderem wurde bemängelt, dass es nicht genug Aufenthaltsräume oder Spinde gibt. Das Raumproblem ist ein generelles Problem, was nicht nur die Studierenden betrifft. Und es ist in Arbeit. Wir kriegen ein neues Gebäude, in dem es eine ganze Etage für die Studierenden geben wird.

Also ist die Ausbildung nicht so schlecht, wie das Schreiben vermuten lässt?

Ich habe noch nie von einem Krankenhaus gehört, das unseren Studierenden vorgeworfen hätte, dass sie schlecht ausgebildet seien. Denn wir produzieren ja keine schlechten Ärzte. Sie sind hochgradig qualifiziert. Man muss sich immer auch die Relation angucken.

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