Mitsprechen: Wie viel sollte man dürfen?

Kommunikation über Schwangerschaftsabbrüche ist auch für Partner herausfordernd.

von Hanna Seidel

Als seine Ex-Partnerin ungewollt schwanger wurde, kannten sich Moritz (Name von der Redaktion geändert) und sie gerade mal ein halbes Jahr. Die Nachricht der Schwangerschaft kam über Whatsapp. Von Anfang an stand für beide fest: Wir wollen zum jetzigen Zeitpunkt kein Kind. Sein Mitspracherecht war dabei aber begrenzt. „Das hat sie klar kommuniziert. Ihr war wichtig, was ich darüber denke, aber es hätte an ihrer Meinung nichts geändert.“ Moritz findet das fair, „schließlich ist es ihr Körper und ihre Entscheidung, ob sie diese neun Monate Schwangerschaft möchte. Wenn nicht, ist das ihr gutes Recht“. Mit anderen über die Erfahrung geredet haben beide kaum. Moritz‘ Freunde, die eigentlich behaupteten, kein Problem mit Abtreibung zu haben, gaben ihm oft das Gefühl, dass es ein ekelhaftes Thema sei. Dieses widersprüchliche Verhalten erweckte den Eindruck, nicht darüber reden zu können. Das sollte sich dringend ändern, findet er. „Sex ist in unserer Gesellschaft etwas ganz Normales und je normaler es ist, desto häufiger werden auch die Probleme, die daraus folgen können.“ Wenn man mehr darüber reden würde, könnten Freunde einen besser unterstützen und es würde weniger verurteilt werden. Die Unterstützung der ungewollt schwangeren Frau fällt ansonsten größtenteils auf den Partner zurück. Dafür sollte es mehr Angebote geben, am besten für Frauen und Männer.

Trotzdem war ihre Situation rückblickend der bestmögliche Fall. Richtig schwierig wird es, wenn sich beide Partner uneinig sind. „Ein Kind wäre für mich in dem Moment die absolute Katastrophe gewesen“, gesteht Moritz. Eine Sache gibt ihm heute noch zu denken: Hätte sich seine Freundin damals entschieden, das Kind zu bekommen, wäre er ungewollt Vater geworden. „Dieser Unfall hätte mein ganzes Leben verändert.“ Die Entscheidung lag aber nicht bei ihm.

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