Ufo sendet Botschaft

Vom 11. Mai bis zum 19. September wird das Gebäude in Jena stehen: der Klimapavillon. Ein Gespräch mit Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund.

Ein Interview von Undine von Lucadou

Vor dem Klimapavillon | Foto: Dominik Itzigehl

Akrützel: Wofür gibt es den Klimapavillon?

Anja Siegesmund: Wir sind mitten in der Klimakrise. In drei Landkreisen in Thüringen ist wegen Waldbränden Katastophenalarm ausgelöst worden und wir haben extrem trockene Böden. Jenseits davon ist seit 1881 eine deutliche Erwärmung in Thüringen um knapp anderthalb Grad messbar plus mehr Extremwetterereignisse wie Starkregen und Hagel. Wir brauchen ein Bild und einen Diskussionsraum für unsere Botschaften – das ist unser Klimapavillon. Das Programm ist so vielfältig, wie das Publikum und die Menschen in jeder Stadt.

Welche Veranstaltungen finden statt?

Sarah Wiener hält einen Vortrag zum Thema Bienen und nachhaltige Landwirtschaft. Mit Shary Reeves, bekannt aus „Wissen macht Ah!“, findet eine Veranstaltung statt, um Kinder an Klimafragen heranzuführen. Es gibt mit dem bekannten Soziologen Harald Welzer und dem Astrophysiker Harald Lesch Veranstaltungen sowie Vorlesungen mit der Ernst-Abbe-Hochschule und der Universität.

Wie weit ist Deutschland im Klimaschutz?

Auf Bundesebene ist nach wie vor einfach zu wenig passiert. Es gibt kein Klimagesetz, die Bundesrepublik wird die Klimaziele 2020 reißen und wir sind dabei, die Vorbildrolle im Bereich Klimaschutz in Europa zu verlieren. Für Thüringen kann ich sagen: Wir haben die höchsten CO2-Einsparungen seit 1990, ein eigenes Klimagesetz und wir bereiten uns, so gut wir es können, auf das vor, was kommen kann. Das sollte auch Standard auf Bundesebene sein. Diese politische Debatte zu führen, ist genauso wichtig wie die Frage der eigenen Lebensweise.

Viele Studierende möchten etwas verändern, müssen aber bei den Ausgaben sparen. Ist nachhaltige Ernährung eine Frage des Geldbeutels?

Ich halte es für ein Gerücht, dass es teurer ist, sich umweltfreundlich, nachhaltig, wenn es geht bio und vor allen Dingen regional zu ernähren. Es fällt nicht schwer, deutlich zu machen, dass Erdbeeren im Lidl, die im Februar aus Spanien transportiert werden, definitiv nicht nachhaltig sind. Stattdessen gibt es gute Möglichkeiten, sich saisonal zu ernähren und sogar sein eigenes Obst und Gemüse anzubauen: Wie im Flussland Jena, wo Urban Gardening angeboten wird. Zudem gibt es in Jena mit dem Jeninchen einen Unverpackt-Laden. Beim Thema Fleischkonsum ist das Bewusstsein wichtig, dass ein gutes Stück Fleisch besser schmeckt, wenn es regional oder sogar bio ist. Ein Rindersteak kostet 10.000 Liter Wasser und hat eine relativ hohe CO2 -Bilanz.

Im Programm des Klimapavillons ist ein Zusammentreffen der Ortsgruppe Fridays for Future Jena mit ihrer Partei geplant. Warum halten Sie ein Zusammentreffen für wichtig?

Endlich gibt es diese ökologische Jugendbewegung! Es geht darum, die Lebensgrundlagen für die kommenden Generationen zu sichern. Da reicht es nicht, immer nur über den nächsten Tag herauszudenken. Deswegen finde ich es gut, dass so viele Menschen aufstehen und etwas zu sagen haben, nämlich „Wirtschaft nicht auf unsere Kosten.“ Denn genau das tun wir ja! Deswegen finde ich es richtig, dass es Fridays for Future gibt.

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