Hausarbeit in Nachtschicht

Wer sich kurz vor dem Abgabetermin zurück in die Vergangenheit wünscht, für den sind Doc Braun und seine Tutoren vom Schreibzentrum da.

von Marcel Haak

Sektfrühstück in der Thulb | Foto: Julian Hoffmann

Kaum einer schreibt auf Anhieb den perfekten Text. Ob ängstlicher Ersti oder alter Prokrastinationshase im zehntes Semester, viele haben Probleme mit dem Schreiben. Und all denen, die sich damit angesprochen fühlen, steht das Schreibzentrum mit seinen Tutoren zur Seite.

Für alle, die Abgabefristen gerne bis aufs Letzte auskosten, wird auch in diesem Semester am 7. März wieder Die Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten ausgerichtet. „Das hat einen ganz irren Effekt, wenn man nicht alleine ist, sondern um sich herum Leute sind , die eben dasselbe tun, die ebenfalls mit dem Schreiben ringen. Das motiviert“, beschreibt Peter Braun. Neben den angebotenen Workshops rund ums Thema Hausarbeit und der individuellen Beratung durch Tutoren sieht er in der gebotenen Atmosphäre einen weiteren Nutzen. Für die Nacht bündeln das Schreibzentrum mit dem Leiter Peter Braun und Mitarbeiter der Thulb ihre Kräfte, um zum Beispiel Vorträge zur Literaturrecherche zu halten und generell beim Schreiben zu helfen. Zwischen 18 und 24 Uhr finden
Workshops und Rahmenprogramm statt.

Auch wenn der Großteil der bis zu 200 Teilnehmer dann zwischen zwei und vier Uhr morgens geht, stehen die Mitarbeiter des Schreibzentrums den Hartgesottenen bis zum Ende bei. Lohn für die letzten Standhaften dieser langen Nacht soll aber nicht nur die hoffentlich gelungene Hausarbeit sein „Am Ende gegen halb sieben sind dann vielleicht noch fünfzehn oder so übrig und für die gibt es dann Sektfrühstück“, sagt Braun.
Das Schreibzentrum als solches ist an Unis noch eine relativ junge Einrichtung. Früher habe es kaum Hilfe gegeben, erklärt Braun: „Ich erinnere mich an eine Sprechstunde in einem Nebenfach von mir, da gabs einen einzigen Professor, der stärker auf das Handwerkliche des Schreibens eingegangen ist“, durch dessen Bestreben 2011 auch an der FSU ein Schreibzentrum gegründet wurde, damit es den Studierenden heute nicht so ergeht wie ihm damals. „Ich hätte mir ein Schreibzentrum sehr gewünscht; Hausarbeiten sind mir überhaupt nicht leichtgefallen“ gibt er zu, „angefangen damit, dass ich sie erst zu lange hinausgeschoben und das dann in so einer Hauruck-Aktion in den letzten Tagen geschrieben habe.“ Diese Erfahrungen hätten dazu geführt, dass er sich für ein Schreibzentrum stark gemacht hat. Sein Ziel ist es, das Schreiben an sich mehr in den Mittelpunkt zu rücken. „Schreiben ist ein Prozess, und kein Text ist auf Anhieb fertig und gut“, weiß Braun.

Das Schreibzentrum bietet unter der Woche regelmäßige Sprechstunden mit Tutoren aus der Studierendenschaft an, da es leichter fällt, mit jemandem auf Augenhöhe über seine Probleme zu reden. Zusätzlich dazu gibt es auch immer wieder Workshops rund ums Thema Schreiben und natürlich ein Mal im Jahr Die lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten.

Dennoch möchte Braun betonen, dass das Herauszögern von Hausarbeiten nicht Sinn der Sache sei: „Wir wollen ja nicht das Aufschieben unterstützen, sondern etwas dagegen tun.“ Braun ist vor allem wichtig, dass Studierende eine positive Beziehung zum Schreiben entwickeln und die Hausarbeit vielleicht sogar als ein kleines geistiges Abenteuer betrachten können. Dafür, sich vor der Arbeit zu drücken, wird von ihm niemand verurteilt, denn er weiß: „ Aufzuschieben, was einem vielleicht unangenehm ist, ist total menschlich.“

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