Nitzsches erste Male
Der OB im Gespräch mit dem Akrützel | Foto: Julian Hoffmann

Er feiert sein erstes Weihnachten als Oberbürgermeister: Thomas Nitzsche (FDP) über erste Male fernab der Tagespolitik

Ihr erster Gedanke nach der Wahl?
Es hat geklappt! Niemand hat damit gerechnet, dass ich im ersten Wahlgang gleich vorne liegen würde, ich selber auch nicht.

Ihr erster Arbeitstag?
Relativ unspektakulär. Ich habe den Schreibtisch in Beschlag genommen, wo schon die ersten Sachen lagen. Das hatte ich vorher nicht im Blick, wie viel man unterschreiben muss – in der Woche zwei-, dreihundert Unterschriften.

Das erste Mal richtig geärgert als OB?
Wenn jemand, der es eigentlich besser weiß, ein Argument führt, das Quatsch ist. Aber weil es so gut klingt und weil nächstes Jahr Wahlen sind, sagt man es eben doch.

Ihr erstes politisches Vorbild?
Peter Röhlinger.

Das erste Mal den Idealismus verloren?
Noch immer nicht.

Ihr erster Kuss?
Hat leider nach Zigarette geschmeckt, war aber trotzdem schön.

Ihre erste WG?
Ich war schon vor dem Abitur hier auf dem Internat und habe in Jena in sehr vielen WGs gewohnt. Die erste richtige war am Magdelstieg, eine 5er-WG.

Ihre ersten Partys in Jena?
Im Kassa, das war damals noch woanders und das Gebäude so richtig abgefuckt. Ich bin in die Techno-Geschichte eingestiegen, als es noch ziemlich untergründig war. Thomas Sperling, der heute noch im Kassa ist, hat damals Bustouren zu Raves organisiert. Leute wie Westbam, Tanith oder Jeff Mills habe ich alle mal erlebt.

Ihre erste Love Parade?
Das muss so 1991 oder 1992 gewesen sein. 1994 war ich auch dort, eine Woche, bevor ich zum Bund hätte einrücken müssen. Da war ich dann so unterzuckert, dass ich früh um acht zusammengebrochen bin. Deswegen bin ich dann auch ausgemustert worden. Ich habe dann aber später einen ziemlich radikalen Schwenk gemacht und bin jetzt in der klassischen Musik zu Hause.

Der erste Gang durchs Johannistor?
Schon zu Studentenzeiten. In der Rückschau hat es mir nicht geschadet.

Ihre erste Stura-Sitzung?
Ich war drei Mal als Gast im Stura, und danach hatte ich das Gefühl, das musst du nicht machen. Am meisten schreckten mich zwei Dinge ab. Einmal wurde anderthalb Stunden darüber debattiert, bei welchem Pizzalieferanten man während der Sitzung Pizza bestellen will. Noch schlimmer fand ich aber, dass der Stura die Hälfte seines gesamten Budgets rausgekloppt hat, um für eine Demo einen Sonderzug zu chartern. Einen Sonderzug! Ich weiß nicht, wie es heute ist, wahrscheinlich tue ich dem heutigen Stura fürchterlich unrecht. Das war damals echt zum Abgewöhnen.

Ihr erster Gedanke nach der Doktorarbeit?
Das ist das letzte Buch, das du geschrieben hast.

Das erste Mal gedacht: Ich zieh‘ hier weg!
Als ich hier in Jena studiert habe, wollte ich hinaus in die Welt, so weit weg wie möglich. Spätestens wenn die Kinder da sind und man den Kitaplatz hat, wird man sesshaft.

Ihre erste Erinnerung ans Akrützel?
Es gab einmal ein Titelblatt mit einer Karikatur von Klaus Dicke. Dort ging es um Stellenkürzungen, die er als Rektor durchsetzen musste. Ich war der Meinung, es ist ihm nicht gerecht geworden. Aber so soll es ja auch sein – das Akrützel will ja auch manchmal ein bisschen wider den Stachel löcken.

Thomas Nitzsche Mitte der 90er Jahre | Foto: Fotostudio Gebhardt Jena

Das Interview führte Robert Gruhne

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