Journalismus? Imagevideo? Egal, Geld fließt ohnehin

Kommentar

Text: Julian Hoffmann

Redakteur beim Campus-TV müsste man sein. Aufträge für Imagevideos holen, Aufwandsentschädigung kassieren und das Ergebnis unter eigenem Logo als Journalismus veröffentlichen – eine win-win Situation
für das Medium, Loser ist die freie Presse.

Campus von oben, Logo der FSU, im Hintergrund lizenzfreies Geklimper. So beginnt Campus-TV sein zweiminütiges Begleitvideo zu den Gremienwahlen. Kurzer Schwenk über die vielen wie fast immer leeren Stühle im Stura, kurzer Schwenk zurück. Die Dramaturgie komplettieren aneinandergereihte Fotos mit Schriftzügen von den zehn im Stura vertretenen Fakultäten, die stets auf die gleiche Art ins Bild geschoben werden, um direkt wieder zu verschwinden. Zumindest erhofft man sich, dass es Fotos gewesen wären, denn da hätten die Ränder nicht gewackelt. Hiernach der krönende Abschluss: ein Monolog der Wahlleiterin. Schließlich noch das Campus-TV-Logo, Ende.

Einen besseren Beweis dafür, dass dieses Medium dringend auf der Suche nach neuen qualifizierten Ehrenamtlern ist, hätte die Produzentin des verwackelten Wahlbeitrages wohl gar nicht erbringen können.
Der Aufbau trotzt vor Ideenlosigkeit, für eine bessere Umsetzung hätte es nur eines Smartphones mit einem ruhigen Händchen bedurft. Der Betrachter fragt sich, warum Campus-TV das Video überhaupt gemacht hat, denn die wichtigsten Fragen wurden ohnehin unbeantwortet gelassen: Wer ist berechtigt, an den Wahlen teilzunehmen? Wen kann man überhaupt wählen? Wie funktioniert die Online-Wahl und warum wurde sie eingeführt? Viele Dinge hätten wirklich interessiert, Campus-TV gelingt ein geschickter Slalom um alles Relevante herum. Journalismus sieht anders aus, guter erst recht.

Betrachtet man das aus dem Blickwinkel des Stura soll es sich dabei aber um gar keinen journalistischen Beitrag handeln, sondern um ein Imagevideo der Studentenvertretung. Interessant ist das in doppelter Hinsicht: Das Video ist im Juni klar ersichtlich mit dem Logo von Campus-TV über den eigenen Account auf Youtube verbreitet worden. Vom Facebook-Account der Wahlkommission des Studierendenrates wurde der Beitrag daraufhin geteilt. Man findet sonst keinen Hinweis darauf, dass das Video extern produziert worden oder eine vom Stura lancierte Werbeanzeige ist.
Daher erstaunt es umso mehr, dass der Stura nun vor zwei Wochen beschlossen hat, der Produzentin nachträglich eine Aufwandsentschädigung von 50 Euro zukommen zu lassen. Die Begründung: Die Ehrenamtlerin sei überhaupt kein Mitglied bei Campus-TV und habe nur dessen Technik genutzt, um im Namen des Stura und in Absprache mit der Wahlkommission ein Imagevideo zu erstellen. Ganz so trennscharf sah die praktische Umsetzung dieser Erzählung allerdings nicht aus, denn ausgerechnet für die Dreharbeiten in einer Sturasitzung haben sich weitere Redakteure vom Unifernsehen blicken lassen.
Schade, dass nicht einer von ihnen den Job, ein Imagevideo zu drehen, übernommen hat. Vielleicht hätte er Logo und social-media-Accounts von Campus- TV von denen des Stura besser auseinanderhalten können. Denn diese Vermischung von Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit des Stura erweckt den unangenehmen Eindruck, dass der Studierendenrat journalistische Beiträge mit Geld belohnt, die zumindest in der Theorie werbewirksam sein könnten.
Natürlich ist es verständlich, Aufwandsentschädigungen für ehrenamtliche Mitarbeiter zu zahlen, die sich besonders bewähren. Das nennt man Mitarbeitermanagement, wovon der Stura mehr Gebrauch machen sollte.
Unverständlich ist es jedoch, einmalige Aktivitäten, die unprofessionell und ohne jegliche Kreativität ausgeführt werden, zu honorieren. Es ist schwer vorstellbar, dass es nicht möglich ist, für 50 Euro solch eine Lächerlichkeit unter Mindestlohn zu produzieren, für die schon eine Tafel Schokolade zu viel Aufmerksamkeit wäre.
Man hat den Eindruck, dass die Studentenvertretung den Zweck von Imagevideos nicht verstanden hat. Daher abschließend ein praktischer Tipp für die Pinnwand in einer jeden PR-Abteilung: Imagevideos sollten am besten förderlich für ein Image sein, nicht den ohnehin schlechten Ruf detailgetreu wiedergeben. Lieber im Vorhinein auf Qualität setzen, statt im Nachhinein falsche Dankbarkeit mit sprudelnden Finanzen zeigen. Auch wenn es nette Menschen gibt, die sich ehrenamtlich engagieren – in der Öffentlichkeitsarbeit kommt es auf das Ergebnis an und nicht auf die Intention. Ein gutes Herz reicht eben nicht!

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