Gema nich aufn Sack

von Martin Emberger

Der FSR Wirtschaftswissenschaften ist gut im Feiern. Doch seit einiger Zeit gibt es Stunk wegen der Partys.


Das Wirrwarr der unendlichen Gema-Geschichte
Grafik: Martin Emberger

„An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern“, steht als Kästnerzitat wie eine zynische Anspielung auf der Website des Fachschaftsrates Wirtschaftswissenschaften – vor dem Lebenslauf des Vorstandsvorsitzenden Florian Rappen, dem Partylöwen, der eine eigene Referentin für Nachttanzveranstaltungen hat. Auf alle öffentlichen Veranstaltungen, auf denen urheberrechtlich geschützte Musik gespielt wird, werden Gebühren erhoben. Selbst verhältnismäßig kleine Veranstaltungen wie die regelmäßigen Wiwi-Partys hat die Gema auf ihrem Radar. Seit einem halben Jahr bestehen Forderungen von nunmehr über 2.300 Euro, die sich immer weiter erhöhen. Es geht derzeit um sieben unangemeldete Veranstaltungen aus den letzten zwei Jahren.

Florians Erklärungen sind einfach: Die meisten Partys fanden in der Villa am Paradies statt und wurden nicht angemeldet, weil dies früher vom Betreiber gemacht wurde. Eine andere Veranstaltung wurde via Fax angemeldet. Danach habe er von der Gema erfahren, dass dies nicht möglich sei. Auf Nachfrage bei der Gema heißt es jedoch, Anmeldungen seien in fast jeder Form möglich: Mail, Brief, Fax; selbst persönlich könne man vorbeikommen.

Die Gema schrieb eine Menge Briefe. Auf keinen einzigen hätte sie eine Antwort erhalten. Im Gegenzug sagt Florian, es hätte mehrfach den Versuch gegeben, Kontakt aufzunehmen, woraufhin nur die immer gleichen Rechnungen gekommen seien. „Dass sich das so lange hinzieht, liegt auch an der begriffsstutzigen Gema.“ So sieht Felix Graf vom Sturavorstand ein wesentliches Hindernis.

Streitpunkt ist auch, wer verantwortlich ist und zahlen muss. Die Rechnungen gingen an den Stura als übergeordnete Instanz. Der FSR trat augenscheinlich als Veranstalter auf und hätte das erst vom Stura genehmigen lassen müssen.

Für Florian ist hingegen klar, dass die Partys von ihm privat ausgerichtet wurden und der FSR nur in Kooperation dazu stand. Auf Flyern und der Website sieht dies jedoch anders aus. „Natürlich, das machen Mitglieder des FSRs. Deswegen sind das FSR-Partys. Das sind streng genommen alles nur Wünsche an den Veranstalter – rein juristisch.

“Allerdings gibt es einen Beschluss des Sturas, wonach Verträge mit der Villa am Paradies nicht mehr eingegangen werden dürfen. „Eigentlich sind damit auch Kooperationen gecancelt“, stellt Felix klar. „Der FSR setzt sich wissentlich hintenrum über bestehende Beschlüsse hinweg.“

Als der Betreiber der Villa sich irritiert beim Vorstand meldete, hätte der sich jedoch ungewöhnlich distanziert gezeigt, erklärt Florian: „Ein Felix Graf antwortet, sie seien nur ausführende Kräfte des Sturas. Sie wollten das nicht. Sie seien auch gar nicht richtig eingearbeitet in das Thema. Was für eine Lüge! Natürlich sind sie das.“ Florian ist nicht um rhetorische Polemik verlegen und weiß, was die Leute aufhorchen lässt; sei es auch ein übertriebener Vergleich, der ihn am Rande der Seriosität entlangschrammen lässt. „Es gab schon andere Leute von ’39 bis ‚’45, die haben danach auch gesagt, sie sind nur ausführende Kräfte.“

Er ist sauer. Im Dezember setzten er und der Vorstand sich zweieinhalb Stunden zusammen, um die Sache gemeinsam zu klären. Im Januar wurde dem FSR dann der Zugriff auf sein Bankkonto gesperrt. „Dann tun sie, als ob es dieses Gespräch nicht gegeben hätte und verstecken sich feige dahinter, dass sie diesen Beschluss des Sturas jetzt umsetzen müssen! Das hat mich menschlich wirklich enttäuscht.“Florian und Vorstand bitchen sich an; Sitzung für Sitzung – Antrag für Antrag. „Auf bestimmte Anspielungen spiele ich zurück“, erklärt Felix. „Wenn du kannst, kann ich auch! Wir beide wissen in der Situation, dass das totaler Käse ist, was wir da gerade kommunizieren.“

Marcus Đào vom Vorstand beantragte, die letzte Wiwi-Party Mitte Januar zu verbieten. Das kam jedoch nicht mehr zur Diskussion, da die Party schon vorbei war. Darauf folgte ein Antrag von Scania Steger aus dem Vorstand auf Kooperations- und Unterstützungsverbot aller Sturaorganisationen gegen den Wiwi-Förder-verein, die Wiwi-Hochschlgruppe und Florians private Firma.

Daraufhin beantragte Florian die Abwahl Scanias aus dem Vorstand, da sie eine Gefahr für die Studenten darstelle, wenn sie beginne, bereits Fördervereine zu verbieten. „Das ist demokratisch ganz traurig. Pure Provokation. Ich kann morgen auch eine neue Gruppe gründen; dann heißt die anders, sind die gleichen Leute drin, machen das gleiche.“ Der Sturavorstand scheint sich der Ineffizienz der Antragsdrescherei beider Seiten bewusst: „Das ist das gleiche, wie wenn du Heckler & Koch verbietest, Waffen nach Syrien zu liefern, dann entscheiden sich Heckler & Koch, eine andere Firma zu gründen“, meint Felix.

Florian hat mittlerweile von seinem Privatvermögen 750 Euro an die Gema überwiesen, da er diesen Betrag für gerechtfertigt hält. Er betont, dass der Stura nichts zahlen müsse, die Gelder seien eingeplant und würden überwiesen, sobald von der Gema eine vernünftige Rechnung käme. Der Sturavorstand ist sich nicht sicher, ob er nicht doch juristisch selbst zur Verantwortung gezogen wird. „Wir stehen auf einem Weg und es geht zur Zeit gar nicht voran. Wir wissen gar nicht, wo wir gerade langlaufen.“

So sind alle weiter dabei, sich Anträge um die Ohren zu hauen, die Hochschulpolitik erscheinen lassen wie die neueste intrigante Daily Soap. Florians aktueller Antrag zum studentischen Unwort des Jahres: Gema

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