Stechuhr am Campus

Das Collegium Jenense hat sich in 469 Jahren zu Thüringens einziger
Volluniversität entwickelt. Gleichzeitig wuchs Jena von einer provinziellen Kleinstadt zu Thüringens zweitgrößter Großstadt an. Über eine Symbiose.

von Johannes Kaiser

Ein Zeitsprung in das Jahr 1974. Ein trister Stahlbetonbau. Die Glocke am Universitätshauptgebäude schlägt Zwölf. Eine Gruppe Arbeiter geht zur Stechuhr, um ihre Schicht zu beenden. Sie unterhalten sich über den Speiseplan der Kantine. Es sind Arbeiter des Zeisswerkes in der Carl-Zeiss-Straße 3.
Knapp einen Kilometer entfernt wartet ein Professor des Institutes für Gesellschaftswissenschaften am Fahrstuhl des Uniturms. Gerade hatte er in der Arbeiter- und Bauernfakultät in der August-Bebel-Straße 4 ein Seminar in Marxismus-Leninismus geleitet. Er muss nur schnell in den 24. Stock in seinem Büro vorbeischauen, um die Unterlagen für die nächste Vorlesung zu holen. Im Universitätshauptgebäude warten im Hörsaal 24 einige Studierende. Da die Vorlesung zum wissenschaftlichen Sozialismus verpflichtend zum Grundstudium eines jeden Studierenden gehört, ist der Hörsaal bereits früh gefüllt.
Zurück in die heutige Zeit.

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