Forrest läuft und läuft

In dieser Serie widmen wir vermeintlichen und echten Meisterwerken Liebeserklärungen und Hasstiraden. Diesmal: Forrest Gump.

Von Paula Swade

 

Soldaten marschieren durch den vietnamesischen Urwald. Es regnet. Plötzlich hört der Regen auf. Stattdessen fliegen Geschosse durch die Luft. Alle werfen sich zu Boden. Jemand brüllt: „Lauf Forrest, lauf!“. Also rennt Forrest, weg von den Schüssen. Doch dann fällt ihm sein Freund Bubba ein, den er auf keinen Fall zurück lassen kann. Er dreht um, um seinen „besten guten Freund“ zu suchen. Forrest Gump wird hier mehreren Soldaten das Leben retten und mit der Tapferkeitsmedaille geehrt werden.

Das ist nur eine Episode im Leben des liebenswerten Alabamers mit einem IQ von 75. Der Film aus dem Jahre 1994, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Winston Groom, gewann sechs Oscars. Damals war er der erfolgreichste Film seines Jahres und hat inzwischen Kultstatus erreicht. Dem folgte eine Shrimp-Restaurant-Kette, mit weltweit 37 Filialen, unter anderem in Mexiko, Großbritannien und China, benannt nach der Company im Film.

Während er auf einer Parkbank sitzt und auf den Bus wartet, erzählt Forrest mehreren Anwesenden seine Lebensgeschichte. Trotz seines geringen IQs hat er eine normale Schule besucht, einen College-Abschluss erreicht, war Ping-Pong-Nationalspieler und ist durchs Shrimpfischen Millionär geworden.

Freundschaft, Liebe und Crew

In dem über zweistündigen Film wiederholen sich viele Situationen in ähnlicher Form. So lernt Forrest sowohl Jenny, als auch Bubba im Bus kennen. Alle anderen Passagiere lehnen es ab, neben ihm zu sitzen. Nicht aber diese beiden. Jenny ist seine Freundin seit der Schulzeit, die Forrest im Laufe der Handlung immer wieder aus den Augen verliert, wieder findet und letztlich heiratet. Benjamin Bluford Blue, genannt Bubba, lernt er beim Militär kennen. Der Afro-Amerikaner, der alles über das Shrimpfischen weiß, stirbt in Vietnam und hat trotzdem einen entschiedenen Einfluss auf Forrests weiteres Leben.Letzteres trifft auch auf Dan Taylor zu. „Lieutenant Dan“ ist Offizier seines Platoons in Vietnam und später Crew-Mitglied auf dem gemeinsamen Shrimp-Kutter. Ein weiterer wichtiger Charakter ist Forrests Mutter. Sie ist, bevor er Jenny kennen lernt, seine einzige Bezugsperson.

Stromausfall im Watergate Hotel

Charmant unschuldig stolpert der Protagonist immer wieder in die Geschichte der USA. So löst er die Watergate-Affäre aus, indem er dem Security-Service telefonisch mitteilt, dass wohl der Strom in dem Zimmer im Watergate Hotel gegenüber ausgefallen sei, weil dort Leute mit Taschenlampen herum leuchteten und man einen Elektriker vorbei schicken solle.Der Film wirkt, trotz der vielen Erlebnisse, realistisch, weil Forrest immer wieder in Videoausschnitte realer Ereignisse eingearbeitet wird. Dafür bekam der Film 1995 einen Oscar für die besten Spezialeffekte. Tom Hanks wurde ebenfalls mit einem Oscar als beste männliche Hauptrolle ausgezeichnet.

Nur nominiert für einen Oscar, doch trotzdem perfekt angewandt ist die Filmmusik. Die erste Szene ist dafür stellvertretend – eine Feder fliegt minutenlang durch die Luft, bevor sie zwischen Forrests Füßen landet. Dazu erklingt die Forrest Gump Suite komponiert von Alan Silvestri.

Der Kinofilm, unter der Regie von Robert Zemeckis, spielte weltweit mehr als 600 Millionen Dollar ein. Das Buch, das Groom bereits 1986 schrieb und das sich etwas vom Film unterscheidet, wurde erst durch dessen Verfilmung bekannt. Trotzdem bekam der eigentliche Schöpfer dieser Lebensgeschichte, nachdem er die Filmrechte verkaufte, nur wenig Geld für seine Arbeit. Der Autor kritisiert die Umsetzung des Films und die bereinigte Sprache von Forrest. Im Buch hat dieser einen leichten Sprachfehler. Groom war so verärgert über Hollywood, dass er seinen Helden im Fortsetzungsroman Gump & Co. sagen lässt: „take my word for it – don’t never let nobody make a movie of your life’s story.”

Investition in irgendwas mit Äpfeln

Das Leben von Forrest ist abstrus und spiegelt gerade deshalb als modernes Märchen den American Dream wider. Trotzdem bietet der Film einen Einblick in die wahre Geschichte der Vereinigten Staaten. Regelmäßig werden zeittypische Themen aufgegriffen, wie die Anti-Kriegsbewegung oder die zu Forrests Zeit noch unbekannte aber aufstrebende Marke Apple. Besonders liebenswert an dem Film sind auch die vielen weiteren Zitate, darunter „Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie, was man kriegt“.

*