Explain it like I’m Five – Reformiertes Stalking-Gesetz

Zeitpunkt verpasst, zu dem ihr noch Basiswissen zu einem Thema nebenbei hättet aufschnappen können und jetzt zu feige, um nachzufragen?

Gefragt hat: Melanie Winkler
Ihr geantwortet hat: Frau Petra Kubis vom Weissen Ring Thüringen

Wie wurde Stalking bisher durch das Gesetz geahndet?
Die sogenannte Nachstellung, wie Stalking auch genannt wird, wird durch Paragraf 238 StGB geregelt: Wer einer anderen Person in einer Weise unbefugt nachstellt, die geeignet ist, ihre Lebensgestaltung schwerwiegend zu beeinträchtigen, indem er beharrlich räumliche Nähe aufsucht, anruft, also Telekommunikationsmittel verwendet, Dritte veranlasst, Kontakt aufzunehmen, die körperliche Unversehrtheit bedroht oder Gewalt angedroht wird, macht sich strafbar.

Welche Änderungen wurden nun vorgenommen?
Die grundlegende Änderung bezieht sich ausschließlich auf den Passus, der definiert was mit beharrlich gemeint ist. Bisher wurde unter einer „schwerwiegenden Beeinträchtigung“ ein durch die Nachstellung erzwungener Jobwechsel oder ein Umzug des Stalking-Opfers verstanden.

Was war daran das Problem?
Natürlich ziehen nicht alle Opfer von Stalking um oder wechseln den Job, trotzdem fühlten sie sich durch die Nachstellung beeinträchtigt. Künftig definiert das Verhalten des Stalkers seine Strafbarkeit, nicht das des Opfers.

Ist die Änderung angemessen?
Ja, der gesetzliche Eingriff ist mehr als überfällig und gerechtfertigt. Stalking ist als Straftat schwer nachzuweisen. Die Änderung erleichtert die Strafverfolgung auch besonders hartnäckiger Stalker, da der Fokus jetzt auf ihnen liegt. Es erleichtert die Unterstützung der Opfer.

Wer sind die Stalker?
Unseren Erfahrungen nach sind es meist dem Opfer ehemals nahe stehende Personen, frühere Ehepartner oder Lebensgefährten.

Was sollte man tun, wenn man gestalked wird?
Zunächst sollte man ganz eindeutig zu verstehen geben, dass kein Kontakt gewünscht ist und in dieser Haltung konsequent bleiben. Für den Täter ist diese Botschaft oft nicht akzeptabel. Wenn er sich durch die Klarstellung des Opfers unbeeindruckt zeigt, so sollten Betroffene schnell das eigene private und berufliche Umfeld informieren. Viele schämen sich für das, was ihnen passiert – sie leiden, nicht nur an Angstzuständen, sondern entwickeln Paranoia.

Wie sollte das weitere Vorgehen aussehen?
Dokumentieren Sie die Nachstellung: Whatsappnachrichten, E-Mails oder die Anrufliste. Führen Sie Protokoll darüber, wann der Stalker wieder vor der Tür steht. Diese Protokolle sind als Nachweis wichtig, um sich später auch juristisch beraten zu lassen.

Wie hoch ist das Strafmaß für Stalking?
Das hängt sehr davon ab, ob es wirklich beim Nachstellen bleibt, oder ob es in der Folge zu körperlichen Eingriffe gekommen ist. Grundsätzlich aber wird Stalking mit einer Freiheitsstrafe von maximal drei Jahren geahndet, bei weniger schweren Fällen wird eine Geldstrafe verhängt.

Kostenlose Hotline Weisser Ring: 116 006

Zeichnung: Sophie Albrecht

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