Explain it like I’m Five: Bedingungsloses Grundeinkommen

Zeitpunkt verpasst, zu dem ihr noch Basiswissen zu einem Thema nebenbei hättet aufschnappen können und jetzt zu feige, um nachzufragen?

Gefragt hat: Johannes Kaiser
Ihm geantwortet hat: Hanna Ketterer (MPhil) vom Kolleg Postwachstumsgesellschaften

 

Was ist das bedingungslose Grundeinkommen?
Eine Idee, Wohlfahrt anders zu organisieren. Jeder Mensch soll unabhängig von Leistung einen bestimmten Geldbetrag zur Sicherung der Existenz bekommen.

Warum sollte man das einführen?
Unbefristete Arbeitsverträge werden immer seltener, Beschäftigte können dadurch nicht für ihre Rente vorsorgen. Gleichzeitig erleben wir kaum noch Engagement jenseits des Arbeitsmarktes. Man könnte sich mehr um seine Familie kümmern oder sich politisch engagieren, mehr Verantwortung übernehmen, Bürger sein.

Was würde sich ändern?
Wenn die Höhe des BGEs ungefähr so angesetzt ist, dass es über der Armutsgrenze liegt, verhindert es die Existenzangst. Es ermächtigt uns auch mal „Nein“ zu sagen und verändert das Verhältnis zum Arbeitgeber komplett.

Warum wurde es noch nicht eingeführt?
Die heutige Elite setzt sich aus Leuten zusammen, die zu den Gewinnern des Leistungsprinzips gehören, sie haben deshalb keinen Grund über Alternativen nachzudenken.

Wer soll das bezahlen?
Es gibt da, je nach Weltanschauung, unterschiedliche Modelle: Ein Populäres von Götz Werner finanziert das BGE über eine Erhöhung der Mehrwertsteuer. Als die Einführung in der Schweiz diskutiert wurde, wurde errechnet, dass man diese gar nicht um 50 Prozent, sondern nur um 18 Prozent erhöhen müsste. Andere Modelle möchten dafür die Bürokratie reduzieren, die Ökosteuer erhöhen oder die Erträge von Rohstoffen wie Öl verwenden.

Wenn jeder gleichviel Geld bekommt, gibt es da keine Inflation?
Das BGE ist eine Art Grundlohn. Wer heute 1500 Euro verdient, würde mit einem Grundeinkommen von 1000 Euro nicht 2500 Euro bekommen. In den Preisen sind auch heute schon viele soziale Kosten enthalten, ohne eine starke Inflation herbeizuführen.

Gibt es in Deutschland eine Mehrheit für das Grundeinkommen?
In einer Umfrage von letztem Jahr unterstützen etwa 29 Prozent das bedingungslose Grundeinkommen. Etwa 44 Prozent haben noch Vorbehalte. Obwohl nur 8 Prozent sagten, dass sie mit einem BGE aufhören würden zu arbeiten, nimmt die Hälfte der Befragten an, dass die Mehrheit der Menschen nicht mehr arbeiten gehen würde.

Wer profitiert am meisten von einem bedingungslosen Grundeinkommen?
Diejenigen, die vorher unterhalb der Armutsgrenze leben mussten beziehungsweise Menschen, die heute auf staatliche Leistung angewiesen sind. Heute werden diese Menschen stigmatisiert. Mit einem BGE würde ihnen ein Lebensniveau zugestanden werden, was akzeptiert wird. Auch die Kunstschaffenden könnten sich im Wissen der Absicherung der Kreativität und Innovation widmen.

 

Schweineillustration: Martin Emberger

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