“Vermittelndes kann auch gut sein.”

Das Gespräch führte Tarek Barkouni.

Der neue Uni-Stura-Vorstand ist nun komplett. Silvia Kunz, Sebastian Uschmann und Moritz Pallasch werden von nun an Haushaltsverhandlungen leiten und die Arbeit des Stura organisieren. Warum sie sich für die richtige Wahl halten, erzählen sie im Interview.

Was sind eure größten Herausforderungen für die nächste Zeit?
Silvia: Der dringendste Punkt ist, dass wir bald einen Haushalt bekommen, um eine Haushaltssperre zu verhindern, von der ja dann alle Fachschaften und andere Stura-Projekte betroffen wären.
Sebastian: Bisher sind wir noch relativ zuversichtlich, dass wir das irgendwie hinbekommen. Peter (Anm. d. Redaktion: der Haushaltsverantwortliche) hat ja in der letzten Sitzung schon seinen Vorschlag für einen Haushalt vorgelegt. Aber das ist dann Sache des Gremiums, daran zu arbeiten. Wahrscheinlich müssen wir auch noch auf ein paar Leute zugehen und fragen, wie viel Geld sie für ihre Arbeit brauchen.

Seid ihr mit dem vorgeschlagenen Haushalt denn zufrieden?
Sebastian: Grundsätzlich ja, aber es gibt kleinere Punkte, die man überdenken sollte. Es gibt da ja schon Anträge. Zum einen ist das CampusTV bei Null. Da sollte man drüber reden und ich glaube, da wird zumindest eine Seite des Stura drauf pochen.

Und abgesehen vom Haushalt?
Moritz: Die Rahmenvereinbarung und die Ziel- und Leistungsvereinbarung, die alle vier Jahre abgeschlossen werden und jetzt dem Senat vorliegen. Vom Ministerium gibt es aber widersprüchliche Informationen, in welcher Phase sich diese Absprachen befinden. Das Wichtigste im nächsten Jahr ist aber die Novellierung des Hochschulgesetzes und der Studierendenschaftsfinanzverordnung.

Kann der Stura hier seine Stärke ausspielen?
Moritz: Das müssen wir dann sehen. Aber da zieht wenigstens die Unileitung mit uns an einem Strang und wir können geschlossen gegenüber dem Ministerium auftreten.
Sebastian: Das kommt ja schon relativ selten vor.

Vier Wochen nach der konstituierenden Sitzung seid ihr nun gewählt worden. Was sind eure Erfahrungen in der Gremiumsarbeit bisher?
Silvia: Ich war, bevor ich in den Stura gewählt wurde, ein halbes Jahr Fachschaftsratsmitglied und habe davor in anderen Vorständen mitgearbeitet.
Sebastian: Ich bin jetzt das dritte Jahr im Stura und war auch vorher Fachschaftsratsmitglied.
Moritz: Ich bin neu hier. Das ist meine erste Amtszeit im Stura.

Seht ihr das als Vorteil?
Moritz: Ich sehe das auf jeden Fall als Vorteil. Ich versuche dadurch  immer sehr unbefangen an die Leute heranzugehen und gebe nicht so viel drauf , was die alten Konflikte waren, die den alten Stura stark dominiert haben. Ich finde es ganz gut, wenn neue Leute kommen, die nicht so stark involviert sind und unvoreingenommen und sehr offen an die Sache ran gehen. Das erfüllen wir alle drei.
Sebastian: Das Problem ist, dass wir niemanden haben, der großartig Vorstandserfahrung hat. Das heißt, wir müssen uns relativ viele Informationen von anderen holen. Der alte Vorstand unterstützt uns aber und auch die anderen sind bisher sehr kooperativ.

Ist eure Wahl ein Ausdruck der verhärteten Fronten im Stura?
Silvia: Ich glaube, dass sich das Gremium mit der Wahl von uns dreien Leute für eine vermittelnde Rolle gewünscht hat.

Also seid ihr der kleinste gemeinsame Nenner?
Moritz: Das hört sich abwertend an. Vermittelndes kann ja auch gut sein. Und natürlich gab es Fronten, die auch offensichtlich wurden, besonders in den Personaldebatten. Wir versuchen mit den Leuten zu reden und ich glaube echt, dass das noch funktionieren kann. Es ist ja auch nicht im Interesse der Leute, sich da ein persönliches Feindbild aufzubauen. Aber ich bin ja auch noch neu.
Silvia: Wir machen ja im Januar vermutlich eine Klausurtagung als Stura und ich habe die Hoffnung, dass die Leute sich dann mal unterhalten und mehr Verständnis für die jeweilige andere Front entwickeln.

Seht ihr denn schon mögliche Mehrheiten für wichtige Entscheidungen?
Sebastian: Ich bin mir da nicht sicher. Ich hoffe auf sie. Das wird sich aber erst in den Verhandlungen zeigen, wie kompromissbereit die Leute sind. Januar wird eventuell ein bisschen spät sein, um Kompromisse zu finden.
Silvia: Ich hoffe da auch sehr auf die Kompromissbereitschaft. Darauf wird sich alles aufbauen. Wenn sich die Gremiumsmitglieder untereinander nicht einigen können, dann können wir als Vorstand auch nicht wirklich was tun. Aber ich bin da auch lieber optimistisch, weil das die Grundlage dafür ist, dass wir was erreichen können.

Wie wollt ihr eine Neiddebatte bei den Haushaltsverhandlungen vermeiden?
Silvia: Ich glaube man kann nicht leugnen, dass es diese Debatte gibt. Das einzige, was man dagegen tun kann, ist die verschiedenen Akteure zusammenzubringen und Klarheit zu schaffen, was der andere macht und was er leistet. Wir hoffen, dass wir das hinkriegen.

Kann man die Arbeiten der Leute denn überhaupt vergleichen?
Silvia: Ich glaube das ist nicht das Problem, sondern eher die Wertschätzung der Arbeit. Das könnte man noch viel mehr so leben.

Wie stellt ihr euch die Arbeit mit dem Präsidenten Prof. Rosenthal vor?
Moritz: Die Universität ist verpflichtet ein gutes Arbeitsumfeld für die verfasste Studierendenschaft zu sichern und uns wurde schon zugetragen, dass der Präsident ein offenes Ohr für die Studierendenschaft hat. Aus einem Gespräch mit Prof. Eva Schmitt-Rodermund  konnte ich entnehmen, dass sie unseren Interessen sehr aufgeschlossen gegenübersteht. Ich hoffe die Uni wird sich nicht den Weg zur Studierendenschaft verbauen, was ich mir auch nicht vorstellen kann.
Die Uni weiß ja, dass wir im Notfall die Studierendenschaft hinter uns haben.
Sebastian: Wir wollen uns den Weg natürlich auch nicht verbauen. Aber wenn die Uni irgendetwas gegen die Interessen der Studierendenschaft macht, dann müssen wir natürlich was sagen.

Die Wahlbeteiligung der letzten Stura-Wahl lag bei 10,8 Prozent. Wie wollt ihr die steigern?
Silvia: Ich fände es gut, wenn der Stura sich besser präsentieren würde, auch in den sozialen Medien. Ich weiß, dass das im alten Stura auch eine kontroverse Debatte war, bin aber zuversichtlich, dass wir nach dem Beschluss auch in den sozialen Medien vertreten sind.
Moritz: Wir haben ja jetzt engagierte Leute im Öffentlichkeitsreferat, die auch die Wahl für nächstes Jahr ein wenig größer aufziehen möchten. Mit ein bisschen mehr Werbung bin ich optimistisch, dass wir sogar 20 Prozent knacken. Wir können uns es auf jeden Fall eine so geringe Wahlbeteiligung nicht mehr lange leisten.
Sebastian: Ich weiß aber auch nicht, wie das in großen Studiengängen funktionieren kann, ob man die Leute da genug kennt, dass man sie wählen kann. Wie soll man bekannt werden, ohne vorher im Gremium gewesen zu sein?

Liegt das auch an den eher öffentlichkeitsscheuen Gremiumsmitgliedern?
Sebastian: Der Ausschluss der Öffentlichkeit wird teilweise etwas überstrapaziert. Jemanden für zwei Stunden draußen sitzen zu lassen, kann man niemandem zumuten. Da muss man sich nicht wundern, dass keine Gäste kommen. Ich weiß aber nicht, wie das lösbar ist.

Haltet ihr ein Jahr durch?
Sebastian: Bestimmt.

Foto: Tarek Barkouni

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