Der schale Nachgeschmack

Das Kurzfilmfestival der Kulturarena

Von Hauke Rehr

Kulturarena heißt auch Kurzfilmfestival! Unser Autor war bei der Vorstellung der diesjährigen Teilnehmer. Schon hier zu verraten, wie er es fand, würde seiner Bewertung nicht gerecht werden. Aber lest selbst.

Es war enttäuschend. Nicht nur wer sich am Wetterbericht orientierte, war gewiss, dass es regnen würde. Für den langjährigen Besucher des Kurzfilmabends der Kulturarena zu Jena ist es ein Affront, dass aller Tradition zum Trotz eitle Dürre herrschte. Ebenso mager fiel leider auch das Programm aus, was die Salven bald zum Abebben und Ersterben brachte. Dem Augenschein nach jedoch blieb das Publikum anwesend.

War es 2014 noch Social Media, ist es heuer das Wiedergekäue schaler Stereotypen, das als verbindendes Moment einiger Beiträge bei der Rezipientenschaft durchaus einen bleibenden Nachgeschmack hinterlässt. Nach einem platten, inhaltlich pubertär gehaltenen Einstiegsblock wurde gleich zu Beginn des zweiten mit der handwerklich gekonnt auserzählten Kurzgeschichte Reizigers In De Nacht, dem Juwel des Abends, und der dokumentarischen Teenager-/Milieu-Anamnese mit dem unglücklichen Titel Alienation das gesamte Feuerwerk des Abends verpulvert.

Es folgten gewollte Umsetzungen fixer Ideechen, die noch nicht einmal das abfällig zu lesende Attribut „apart“ verdient haben, unterbrochen von der Fortführung „Spielplatz der Beziehungsquerelen“ von Anne und Hanno aus dem Vorjahr. Wiederum ein Lehrstück der Schauspielkunst, mithin abgeschmackter und unnatürlicher als jede Soap, aber ansehnlich. Zwischen dem zweiten und dem letzten Musikvideo, das den Abend beschloss, durfte sich das Publikum in Fremdscham üben – für die Macher, wohlgemerkt, nicht für die Protagonisten, denen es an charakterlichem Profil mangelte. Nach Zerrbildern der Pubertät und der Lebenswelten junger Familien zeigt Ed’n’Robot 4 „Ikkaria“ das Kopfkino eines Siebenjährigen.

Dem nächsten Jahr bleibt nun weniger Belanglosigkeit zu wünschen, oder doch immerhin ein weniger antiklimaktischer Aufbau. Es bleibt ein schaler Nachgeschmack.

Foto: Flavio~ (Flickr.com)

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