Charmant und Authentisch

AnnenMayKantereit brachten das Publikum zum Tanzen

von Lisa Laibach

„Jeden Morgen war ich warm und wurde kalt.
Die Geräuschgewalt hat mir ins Ohr gebissen.
Und ich frage mich wann werde ich alt
Und hab ich überhaupt ´nen Gewissen.
Ich will nicht jeden Morgen von Neuen letzte Nacht bereuen.“

Mit diesen Zeilen eröffneten AnnenMayKantereit am Samstag ihr Konzert in der Kulturarena.
Anfangs noch recht verhalten und schüchtern tanzte bald auch Sänger Henning May auf der Bühne zu den Songs. May ist momentan durch das neue Lied von K.I.Z. Hurra die Welt geht unter bekannt, in dem er durch seine unverkennbar raue, kratzige, aber starke Stimme einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Bevor jedoch AnnenMayKantereit die Bühne betraten, leiteten Von Wegen Lisbeth als Vorband den Abend ein, unerfahrene, süße, aber auch begeisterte Jungs, die das Publikum für den Haupt-Act in Stimmung brachten. Mit ihren eher unkonventionellen Texten ihrer Lieder, wie zum Beispiel Sushi oder Lang lebe die Störung im Betriebslauf thematisieren sie Begebenheiten aus ihrer Heimatstadt Berlin.

Der Auftritt von AnnenMayKantereit war geprägt durch herzzerreißende Liedtexte über Liebe, Freundschaft oder Verluste. Trotzdem gab es neben ruhigeren Liedern auch jene, bei denen die Zuhörer tanzten und angetrieben wurden – definitiv eine gute Mischung.

Die in 2011 gegründete Band bestand anfangs aus drei Freunden: Christopher Annen (Gitarre und Mundharmonika), Henning May (Gesang, Klavier und Melodica) und Severin Kantereit (Schlagzeug). Ihren Bandnamen haben sie durch das Zusammenwürfeln ihrer Nachnamen erschaffen. Seit 2014 begleitet Malte Huck das Trio mit seinem E-Bass.

In diesem Jahr spielten AnnenMayKantereit auf vielen Festivals und in zahlreichen Clubs in Deutschland, Österreich und in der Schweiz. Von der Straßenmusik zu einer im deutschsprachigen Raum bekannten Band – beachtlich. Besonders deshalb, weil alle Bandmitglieder gerade mal Anfang 20 sind.

Außerdem war der Abend auch davon geprägt, dass unfertiges Material gespielt wurde, darunter Lieder, die noch keinen Titel haben. Gesungen wurde vorwiegend in Deutsch, wobei einige Lieder auch auf Englisch gesungen wurden. Authentischer aber wirkte das Deutsche.

„Wir hatten einen wunderschönen Tag hier in Jena“, mit diesen Worten katapultierte sich Sänger May direkt in die Herzen des Publikums. Aber was soll man auch anderes sagen, wenn man vor so vielen Jenaern und Jenensern steht? Trotzdem charmant und authentisch, den ganzen Abend hindurch.

Nach vielen tanzbaren, aber auch ruhigeren Liedern folgte dann nach einer Stunde die Ernüchterung durch May: „Wir spielen nun das letzte Lied vor der Zugabe.“ Glücklicherweise folgten darauf dann doch noch sechs weitere. Die Zugabe wurde eingeleitet von dem wohl bekanntesten Lied Barfuß am Klavier, welches nach häufigem Anstimmen im Publikum nun endlich gespielt wurde und die Handykameras zum Filmen aus den Hosentaschen hervorbrachte.

Das sechste und letzte Lied des Abends war 21, 22, 23, das die Menge noch mal zum Tanzen brachte. Die Fans unter den Besuchern waren textsicher und sangen lautstark mit. Der ein oder andere war wohl doch enttäuscht, dass letztendlich keine siebte oder achte Zugabe mehr gespielt wurde, was den positiven Eindruck des Konzertes aber nicht drücken konnte.


Foto: Christoph Worsch

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