Ohne Freundeskreis geht nich

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Max Herre & Co. in der Kulturarena

Text von Philipp Franz / Fotos von Christoph Worsch

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Wenn ein Name in der deutschen Hiphop-Landschaft zieht, dann ist es dieser: Max Herre. Hier ist keine Rede von Skandalsprechgesangakrobaten die ohne Bild Zeitung nicht überleben würden. Nein, am Freitag stand auf der Bühne des Theatervorplatzes in Jena ein Mann, der echten Hiphop macht. Und nur so einer kann sich ein kontroverses deutsches Cover des Lenny-Kravitz-Klassiker (1991) „It Ain’t Over Till It’s Over“ erlauben. Max Herre macht Conscious-Rap, Soul, und viel mehr.

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„Meinen Shit noch mögen“

Alles auf Anfang: Freitagabend, kurz nach 20:15 kommt Max Herre aus einer Holzhütte, in der er seinen DJ – Samon Kawamura – geparkt hat und der übliche Applauskanon beginnt. Etwas verhalten aber das Publikum muss erst warm werden mit dem gebürtigen Stuttgarter und Wahlberliner. Und bereits beim zweiten Stück holt Herre seinen Kumpel Robert Zemichiel auf die Bühne und die Menge wird gelöster. Ab dem Auftritt von Zemichiel alias Afrob ist die Lagerspaltung im Publikum erstmals spürbar. Die einen wollen den alten Max, der mit Freundeskreis und dem Stuttgarter Hiphop politischer war. Mit Hüpfen, Tanzen und Ausrasten ist das Bewegungsmuster der ersten Gruppe gut beschrieben. Der andere Teil des Publikums schmachtet dann beim dritten Stück „1ste Liebe“ wieder und wippt nur leicht mit Füßen und Kopf. Joy Denalane hätte man erwarten können, die aber nicht minderbegabte Grace Risch lässt die Hooks mindestens genauso gut klingen wie Herres Frau. Der bendankt sich mit: „Danke, dass alle meinen Shit noch mögen.“

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Besuch aus Erfurt

Was folgt ist ein Wechsel der neuern Stücke des Lockenkopfes, „Fühlt sich wie Fliegen“ oder „Wolke 7“ mit älteren Songs aus Freundeskreiszeiten „Esperanto“ und „Immer wenn es regenet (Anna)“. Nach Grace und Afrob holt Max sich zur Unterstützung auch Megaloh auf die Bühne und die Menge wütet, zumindest der Teil, der immer überzeugter Hiphopper war und ist zu „Rap ist“. Als Herre, die Gitarre selbst in die Hand nimmt, wird es wieder heimelich und die Soulfreunde sind mit zuhören und genießen dran. Wenn ein Lied mit der Esperanto-Zeit von Herre verbunden wird, dann wohl „Anna“. Genau bei ihr kommt Clueso mit Basecap und Tanktop aus der rechten Ecke des Backgrounds auf die Bühne und jetzt ist das Publikum eins und nicht mehr zu halten. Egal ob Sängerfreund oder Sprechgesangliebhaber, alle machen ihrer Freude jetzt gemeinsam Luft. Daran an schließt das wiedervereinte Duo seine gemeinsame Singel „Fühlt sich wie fliegen“. Natürlich kann hier jeder mitsingen. Nur Cro fehlt.

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„If you know the song, sing along, come on“

Dann wird es wieder etwas leiser und mit „Wolke 7“ wird die Dämmerung des heutigen Abends von Herre begrüßt und das Jenenser Publikum etwas ruhiger. Als Zugabe gibt es nach ungefähr einer Stunde und 30 Minuten Show „Berlin – Telaviv“ ohne Sophie Hunger aber mit Grace Risch. Dann, kurz nach Einbruch der Nacht, leitet der Stuttgarter mit dem Satz: „Mary J. Blidge würde jetzt sagen: ‚If you know the song, well if you know the song, then sing along, come on‘“ das Ende ein. „So wundervoll“ von seiner letzten Platte „Hallo Welt“ entlässt das Publikum. Mittlerweile sind Soulfreund und Hiphopper gemeinsam. Ohne Freundeskreis geht dann irgendwie doch nicht.

 

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