Ein stiller Abschied

Der FCC steigt nach einer schwachen Saison in die Regionalliga ab

Ab jetzt im Training: Treppenlauf für den Aufstieg!
Ab jetzt im Training: Treppenlauf für den Aufstieg! Foto: Christoph Worsch.

Kein Protest. Keine zerbrochenen Flaschen. Keine wüsten Beschimpfungen. Einfach nur Stille. Eine unwirkliche und gespenstische Ruhe herrschte beim letzten Heimspiel des FC Carl Zeiss Jena Ende April gegen den SV Wehen Wiesbaden. Knapp 4500 Zuschauer verfolgten den wohl vorerst letzten Auftritt der Heimmannschaft in der Dritten Liga. „So leise ist noch kein Verein abgestiegen“, beschrieb Präsident Rainer Zipfel direkt nach dem Abpfiff die Stimmung.
Zwar konnte der FCC das Spiel mit 1:0 für sich entscheiden, doch ein Tor in der Nachspielzeit beim zeitgleichen Spiel des Konkurrenten Babelsberg besiegelte den Abstieg. Sichtlich mitgenommen sprach Zipfel danach von einer großen persönlichen Enttäuschung: „Heute ist ein sehr schwerer Tag für mich. Wir haben unsere sportlichen Ziele klar verfehlt. Hätte ich diesen Saisonverlauf vor einem Jahr vorhergesehen, dann wäre ich nicht noch einmal als Präsident des Vereins angetreten.“
Am 26. Mai 2011 begann die zweite Amtsperiode von Präsident Zipfel, nachdem er drei Jahre zuvor zurückgetreten war. Für viele Anhänger des Vereins war seine Rückkehr ein positives Signal für die Zukunft. Wurde doch durch dessen erneuten Amtsantritt das Erfolgsduo Zipfel und Trainer Heiko Weber wieder vereint. Beide hatten den Verein zwischen 2004 und 2006 von der Vierten in die Zweite Liga geführt. Hinzu kam die erneute Verpflichtung des Mittelfeldspielers Jan Simak, der den Club nach dem Abstieg 2008 verlassen hatte. Mit ihm war der FCC einst bis ins Halbfinale des DFB Pokals gekommen.

Eine Spielzeit am Tabellenende

Wie auch in den vergangenen Spielzeiten endete die aktuelle Saison jedoch nicht mit dem Trainer, mit dem sie begann. Weber musste im Oktober 2010 seinen Posten räumen, als der FC Carl Zeiss mit nur 10 Punkten aus 15 Ligaspielen auf dem letzten Tabellenplatz stand. Petrik Sander, ehemaliger Bundesligatrainer bei Engerie Cottbus, folgte im November auf ihn. Nach seinem ersten Pflichtspiel als Übungsleiter stellte er erstaunt fest: „Ich habe mit viel Arbeit gerechnet, aber nicht mit so viel. Die Mannschaft ist nicht so, wie sie sein müsste, um in der Dritten Liga zu bestehen.“ Dass er mit dieser Einschätzung richtig lag, zeigte sich in den verbleibenden Partien bis zur Winterpause. Platz 17 und 9 Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz – so lautete die Bilanz zum Ende der Hinrunde.
Was folgte, war ein kurzer Hoffnungsschimmer auf einen möglichen Klassenerhalt in den ersten Spielen im Jahr 2012. Die Punktausbeute aus den Heimspielen konnte deutlich gesteigert werden. Allein die andauernde Negativserie auf fremden Plätzen verhinderte eine wahre Verbesserung der Tabellensituation. So gelang es nie, den Abstand zu Platz 15, dem rettenden Ufer, unter fünf Punkte zu verringern. Damit kam es am vorletzten Spieltag zum folgerichtigen Abstieg des FC Carl Zeiss Jena. Ob dieser auch Bestand haben wird, entscheidet sich allerdings erst Anfang Juni, wenn der DFB bekannt gibt, welche Drittligisten eine Lizenz für die neue Spielzeit erhalten. Die letzten Wochen haben jedoch gezeigt, dass das Hoffen auf einen Lizenzentzug eines anderen Vereins wohl umsonst sein wird. So konnte beispielsweise der Zweitliga­absteiger FC Hansa Rostock erst vor wenigen Tagen durch eine Finanzspritze von über zwei Millionen Euro durch die Stadt Rostock gerettet werden.

Viel Geld wird fehlen

Mit dem Abstieg in die Vierte Liga steht erneut viel beim FCC auf dem Prüfstand. Präsident Zipfel kündigte einen klaren Schnitt an: „So leicht wie in den letzten drei Jahren wird kein Spieler wieder einen Vertrag erhalten. Viele sind über ihren Leistungszenit hinaus, auch wenn sie das vielleicht selbst nicht so sehen mögen.“ Im Augenblick haben ganze drei Spieler einen Vertrag für die nächste Saison. Ob Trainer Sander bleibt, ist ebenso noch unklar. Eine weitere altbekannte Baustelle stellen die Finanzen dar. Mit dem Abstieg werden über 700.000 Euro an TV-Einnahmen wegbrechen. Ebenso müsste ab dem 1. Juli mit der Tilgung eines Kredites, der im letzten Jahr 90.000 Euro Zinsen verschlungen hat, begonnen werden. Ein Umstand, der einem Vertrag von vor zwei Jahren geschuldet ist. Da ist der Gewinn des diesjährigen Thüringenpokals gegen Angstgegner Meuselwitz ein kleiner Lichtblick. Denn damit sind die Teilnahme am nächsten DFB-Pokalwettbewerb sowie garantierte Einnahmen von ca. 100.000 Euro verbunden.

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