Neue Gesprächs-Konzertreihe des Collegium Europaeum Jenense

Fachleute fast unter sich: Moderatorin und Musikerin Christina Rommel umringt von den Podiumsgästen.
Fachleute fast unter sich: Moderatorin und Musikerin Christina Rommel umringt von den Podiumsgästen. Foto: Christoph Worsch.

Wenn man Johannes Strate nach seinem Rat für Nachwuchsmusiker fragt, antwortet er konventionell: „Emsig sein, Songs schreiben und Kontakte knüpfen.“ Doch es schwingt auch etwas anderes mit: Vorsicht. „Ich würde jedem raten, einen Plan B zu haben.“
Viele junge Musiker erhoffen sich ähnlich viel Erfolg wie der Sänger der Band „Revolverheld“ hat. Mit dem als Gesprächs-Konzert konzipierten Format „CollegiumJ. Die Bühne. Musik. Talk. Live“ will das Collegium Europaeum Jenense (CEJ) Medienexperten und Künstler vor Publikum zusammenbringen. Im Anschluss an ein Gespräch treten die geladenen Musiker unplugged auf. Vergangene Woche waren in der kaum gefüllten Aula der FH Jena neben Johannes Strate unter anderem die Medienpromoterin Birgit Bärenz und der Musikredakteur Norbert Radig zu Gast.
„Wir wollen vor allem jungen Leuten einen Einblick hinter die Kulissen des Musikbusiness ermöglichen“, erklärt Christina Rommel, Sängerin und Moderatorin der Veranstaltung. In Zukunft soll „CollegiumJ“ mehrmals im Jahr stattfinden. Ein ähnliches Format gibt es schon seit Jahren für klassische Musik. Im Gespräch wurden besonders die Hürden für Nachwuchsmusiker deutlich – vor allem, wenn ihre Musik sich außerhalb massenkompatiblen Pops wie dem von Taio Cruz bewegt. „Die großen Radiosender spielen zu achtzig Prozent deckungsgleiche Musik am Tag, sie sollten mehr Mut haben“, kritisierte Strate.
Außerdem trieben sich unter den Musikmanagern allerhand windige Gestalten herum. „In der Branche ist man schnell beim Du, weil man über Musik leicht ins Gespräch kommt – junge Künstler sollten die Verträge genau anschauen“, riet der Rechtsanwalt Pascal Charles Amann eindringlich.
Ein weiteres Problem, das angesprochen wurde, sind illegale Downloads. Doch auch legale Plattformen schadeten den Künstlereinnahmen enorm: „20.000 verkaufte CDs und 20.000 Downloads lassen sich nicht vergleichen“, sagt Amann. Schließlich seien 20 Prozent für den Künstler vom Verkauf einer Single-CD für 3,99 Euro noch weitaus mehr als 20 Prozent vom Preis eines Songs bei „Musicload“ für 90 Cent. Die Haupterlöse von Künstlern stammen deswegen hauptsächlich aus Konzerten und Merchandise.
„CollegiumJ“ wird unter anderem vom Thüringer Innenministerium und dem Musiklabel „Elisapark Media“ gefördert. Der Stura der FSU lehnte eine Förderung im Nachhinein ab. Die Auftaktveranstaltung fand vor kleinem Publikum statt – In Zukunft sollten unbekannte Künstler aus Jena zum Gespräch geladen werden, um die eigentliche Zielgruppe anzusprechen: Junge Künstler, die im Musikbusiness Fuß fassen wollen.