Eine queere Woche im Mai

Alles Paradiesvögel?
Alles Paradiesvögel? Grafik: AK Queer-Paradies.

„Hier geht‘s um Eva und Ulla und auch um Adam und Peter“, so rappt es Tapete im Lied „Pro Homo“. Dass es mit der Sexualität nicht so einfach ist, wie es sich die Verfasser des Alten Testaments vorstellen, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO entschied am 17. Mai vor 22 Jahren, Homosexualität von der Liste der psychischen Krankheiten zu streichen. Aber erst seit 2005 heißt dieser Tag „International Day Against Homophobia and Transphobia“ – kurz Idaho. Das Datum wird jedes Jahr weltweit zum Anlass genommen, das Thema ins Licht der Öffentlichkeit zu holen. In Jena findet seit 2009 jährlich das Idaho-Festival statt. Damals noch auf lediglich zwei Tage verteilt, ist das Programm mittlerweile so umfangreich geworden, dass daraus eine ganze Woche gewachsen ist. In diesem Jahr widmen sich vom 11. bis 18. Mai verschiedene Veranstaltungen dem Themenkomplex rund um die Queer-Theorie. Diese umfasst die kritische Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Normen von Sexualität und Geschlechterrollen.
Was schon von Beginn an Teil des Programms war, schlägt sich nun erstmals im Namen des Festivals nieder: Durch die Aufnahme des „t“ für Transphobie in den Namen des Festivals, welches die Diskriminierung Transsexueller oder Transgender bezeichnet, heißt es in Jena nun Idahot. Organisiert wird das Festival immer noch von einem losen Bund verschiedener Vereine, dem Arbeitskreis Queer-Paradies, aber auch engagierten Einzelpersonen. Ihnen allen liegt der Abbau der gesellschaftlichen Intoleranz gegenüber queeren Personen am Herzen. Bei der Finanzierung ist das Festival weitgehend auf Spenden und tatkräftige Unterstützung durch Vereine angewiesen. Eine erfreuliche Finanzspritze erhielten die Veranstalter von der Magnus-Hirschfeld-Stiftung. „Der Schwerpunkt der Aktionen soll darauf liegen, über sexuelle Vielfalt aufzuklären“, formuliert die Stiftung ihren Anspruch an Anwärter auf die Förderung.

Straßenfest am Männertag

Das Programm zeigt sich gegenüber dem des Vorjahres wenig verändert. Robin, eine_r der Mitorganisator_innen, erklärt: „Anfang der Woche findet ein Weiterbildungsworkshop zu Queer-Theorie in Verbindung mit pädagogischer Arbeit statt. Es soll darum gehen, wie man in die eigenen Tätigkeiten einen queeren Input einbringen kann oder warum so etwas überhaupt wichtig sein könnte.“
Für kurzweilige Unterhaltung, die man vermutlich von einem Festival erwartet, gibt es am 12. Mai einen Konzert- und Partyabend, der wieder im Kassablanca stattfinden wird. „Wir wollten Bands einladen, die thematisch passen und eine Aussage transportieren“, berichtet Robin über die Herangehensweise der Organisatoren an die Auswahl der Künstler. Neben anderen wird Sookee aus Berlin auftreten, die in ihren Texten konsequent ein Gegenbild zum von Homophobie und Sexismus beherrschten Rapmainstream entwirft. Neu im Programm des Festivals ist das vom SC Paradiesvögel e. V. organisierte Volleyballturnier, bei dem ab Freitag, dem 11. Mai, um den 1. Paradise Cup gespielt wird. Im weiteren Verlauf der Woche werden außerdem zwei Filme und mehrere Vorträge geboten. Prof. Melanie Steffens vom Institut für Psychologie wird im Café Wagner über Familien mit lesbischen oder schwulen Eltern referieren und den aktuellen Forschungsstand auf diesem Gebiet präsentieren.
Zum Abschluss der Aktionswoche findet ein Straßenfest auf dem Holzmarkt statt. Die Veranstalter und die beteiligten Vereine wollen alle Interessierten einladen, sich zu informieren und Spaß zu haben. Im Rahmen des Straßenfests soll es möglich werden, in lockerem Rahmen die Fragen zu stellen, die sonst vielleicht zu sensibel sind. „Viele Menschen verstehen nicht, dass man mit intimen Fragen jemanden wirklich verletzen kann“, sagt Robin. Als problematisch erwies sich im Vorfeld, dass das Straßenfest erstmals mit dem berühmt-berüchtigten Männertag zusammenfallen wird. Doch das Planungsteam entschied sich, es deswegen erst recht stattfinden zu lassen, um auch einen Hort der Zuflucht bieten zu können. Zur Lösung möglicher (leider befürchteter) Konflikte mit alkoholisierten Passanten wollen die Organisatoren ein Team von Ansprechpartnern bereitstellen, an das sich die Belästigten im Notfall wenden können und das dann eingreifen oder vermitteln kann. Allerdings sind alle Beteiligten zuversichtlich, dass es bei kleineren Einzelfällen bleiben wird.