Idylle auf dem Schrottplatz

Neugestaltung des Ernst-Abbe-Platzes

Wie sieht der perfekte Campus aus? Wie das Auenland, mit kleinen Hügeln, einem Teich und Schafen? Oder mit bunten Häusern, die sich in den Tälern verstecken? Wer das so sieht, sollte lieber nach Trier ziehen. Da ist der Campus schöner – aber dafür auch im hinterletzten Teil der Stadt. In Jena ist dafür wenigstens die Lage spitze und über eine Neugestaltung wird derzeit ebenfalls nachgedacht. Man ist sich zumindest sicher, wie der Campus auf dem Ernst-Abbe-Platz nicht aussehen soll: wie ein Parkplatz.
Bisher fanden schon einige Treffen mit der Universität, Studentenvertretern, Mietern und Anrainern statt, die sich über Vorschläge und Ideen für den Campus austauschten. Die Finanzierung der Neugestaltung wurde bereits geklärt. Am Ende wird die Stadt 500.000 Euro zur Verfügung stellen, schließlich gehören ihr Teile des Platzes. Auch Frank Stella, dessen als „Uni-Schrott“ bekannte Skulpturen auf dem Campus stehen, signalisierte Interesse sich am Ideenprozess zu beteiligen.
„Wir wollen vor allem eine Verkehrsberuhigung des Campus‘“, fordert Cindy Salzwedel, die als studentische Vertreterin den Sitzungen beiwohnt. Es sei notwendig den Boden zu erneuern, weil dieser starke Schäden aufweist. Zudem wünschen sich viele Studenten eine umfangreichere Bepflanzung. Aber: „Für richtiges Grün ist eine gewisse Tiefe vonnöten,“ erklärt Axel Burchardt, Pressesprecher der Uni. Einen Wald könne man dort also nicht einfach setzen. Deswegen haben sich die studentischen Vertreter eine flexible Begrünung in Kübeln ausgedacht. Diese dürfen wiederum nicht zu schwer sein, weil das Dach der unter dem Campus liegenden Tiefgarage nur eine begrenzte Tragfähigkeit hat. Auch eine freundlichere Farbgestaltung soll das triste Betongrau beleben. Ein weiteres Anliegen ist das Schaffen von Sonnen- und Regenschutz formuliert. Doch auch dabei gibt es wieder Einschränkungen: Sonnensegel können nicht an allen Gebäuden befestigt werden. Haus 15, der große Block zum Leutragraben, das als ältestes Hochhaus Deutschlands gilt, steht zum Beispiel unter Denkmalschutz.
Am Ende soll die Weite der Fläche aufgebrochen werden, aber trotzdem Raum für kleinere Veranstaltungen wie die Sofatage bieten. Stella wird seinen Beitrag leisten, indem er in der Jury sitzt, die schlussendlich einen der Entwürfe auswählt. In jedem Fall will er seine Kunstwerke anders präsentiert sehen. Eine ihrer eigentlichen Aussagen ist nämlich der Gegensatz von Natur und Metall – auf einem Betonfeld geht sie vollkommen verloren.
Etwas mehr Auenland ist also auch im Sinne des Künstlers. Dass eine komplette Landschaftsgestaltung aber kaum möglich sein wird, ist auch Cindy klar. Trotzdem ist sie optimistisch: „Bei der Stadt habe ich ja selten ein gutes Gefühl, aber hier glaube ich, dass wirklich alle Meinungen eingeholt wurden.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*