Jena, ick liebe dir

Teil 12: Der Fußballkäfig in Lobeda

Von Marc Zimmer

käfig2

Foto: Katharina Schmidt

Es gibt nur wenige Orte in Jena, die den angenehmen urbanen Charme einer Großstadt ausstrahlen.  Dieses Spiel zwischen modernem Chic und seinem Missbrauch. Einer von ihnen ist der Fussballkäfig in Lobeda-Ost. Der silbergraue Kubus mit seinen kleinmaschigen Metallgittern liegt etwas versteckt hinter der Filiale einer großen Supermarktkette. Am Eingang verrät ein Schild, dass es sich hier um einen „Bolzplatz“ handelt. Betrachtet man die Blumenbeete und
Holzbänke, die zur Zierde des Käfigs angelegt wurden, stellt sich die Frage, was aus dem Bolzplatz im eigentlichen Sinne wurde. Und überhaupt, „Käfig“, damit auch ja keine Scheibe zu Bruch geht. Aber das Schöne an solchen Neubauten ist das, was die Bevölkerung letztendlich daraus macht. So auch hier: Sieht man tagsüber Kinder dribbeln und kicken, während Rentner und Studenten voll bepackt mit Einkaufstüten über die neu gepflasterten Wege an ihnen vorbei-laufen, so wird der Käfig am Abend zum Treffpunkt der Jugendlichen Lobedas. In der Dämmerung versammeln sie sich zu Musik aus Handylautsprechern um den Käfig. Man bläst Zigarettenrauch in den Nachthimmel, trinkt ein Bier, tauscht sich aus. Einige von ihnen treten gelegentlich wie zufällig an einen Ball, den die Kinder vom Nachmittag zurückgelassen haben, der Leichtigkeit des Kindseins gedenkend, während sie sich das nächste Bier öffnen. Läuft man an ihnen vorbei, in Richtung der mit Graffiti gespickten Unterführung der Schnellstraße, den Blick auf die grauen Platten am Nachthimmel gerichtet, ist man beinahe versucht zu glauben, man bewege sich durch die Nacht einer beliebigen Metropole dieser Welt. Beinahe.

*