New Wave in neuem Gewand

Zurück in die 80er mit Joe Jackson

Von Matthias Benkenstein

Foto: Akrützel/Benkenstein
Foto: Akrützel/Benkenstein

Die 80er Jahre haben in Sachen Musik viel Käse hervorgebracht: Whitney Houston, Bon Jovi, Milli Vanilli. Dass der britische Sänger und Pianist Joe Jackson nicht unbedingt in dieser Reihe genannt werden darf, davon konnte sich am Donnerstagabend das Publikum der Kulturarena überzeugen.

Jacksons musikalische Wurzeln liegen in der New-Wave-Bewegung. Die charakteristische Mischung aus naiver Verspieltheit und Melancholie steckt in beinahe jedem seiner Lieder. Was ihn von anderen 80er-Jahre-Künstlern unterscheidet, ist die Meisterschaft am Klavier und seine markante hohe Stimme, die in ihrer durchdringenden Art an einen Grönemeyer oder Wecker erinnert. Auch der hohe Anteil an Bar- und Jazz-Piano-Einlagen ist bezeichnend für seine Songs.

Auf dem Jenaer Theatervorplatz spielte das Trio um Joe Jackson, Graham Maby (Bass) und Dave Houghton (Schlagzeug) sowohl Klassiker als auch neuere Lieder vom aktuellen Album „Rain“. Nach einem kurzen Piano-Vorspiel begann das Konzert mit dem wohl bekanntesten Titel der Band, dem großartigen „Stepping Out“. In den darauffolgenden anderthalb Stunden folgten sowohl schnelle Gute-Laune-Pop-Nummern, die lediglich das Ü-30-Fanpublikum von den Hockern rissen, als auch ruhigere, traurige Lieder.

Den Höhepunkt des Abends bildeten zwei Solo-Stücke Jacksons, für die ihm seine Bandkollegen die Bühne überließen. Regungslos, fast andächtig lauschte das Publikum der sechsminütigen Ballade „Solo“. Und auch beim anschließenden Beatles-Cover „Girl“ blieb den Zuhörern nichts anderes übrig, als bei jedem Refrain mitzuseufzen. An dieser Stelle des Konzerts wurde besonders deutlich, wie gut der blasse Brite seine beiden Instrumente (Stimme und Klavier) beherrscht und dass er auf die Unterstützung durch Schlagzeug und Bass eigentlich nicht angewiesen ist; dass seine Musik sogar noch interessanter ist, wenn er sie alleine spielt. Weil das aber nun mal nicht so häufig vorkommt, ließ sich auch in diesem Konzert das eine oder andere Stück 80er-Jahre-Käse nicht vermeiden.

Schreibe einen Kommentar

*