Johann Strauss‘ „Die Fledermaus“ im UHG-Innenhof

Von Johannes Weiß

Der Applaus des Publikums war tosend und langanhaltend.

„Nur der Champagner war an allem schuld.“ So mancher untreue Ehemann wäre froh, wenn er sich so leicht aus der Affäre ziehen könnte wie Gabriel von Eisenstein. Nach über zwei Stunden Schwindelei und Schwerenöterei sind keine Vorwürfe, sondern nur noch Lobgesänge auf den „König aller Weine“ zu hören. Mit überschäumender Trinkbegeisterung endete am 28. Juni die diesjährige „Jenaer Hofoper“, die wie im Vorjahr Johann Strauss’ Operette „Die Fledermaus“ auf die Bühne des UHG-Innenhofs brachte. Insgesamt sechs Vorstellungen innerhalb von neun Tagen standen auf dem Programm, unter Mitwirkung der „Akademischen Orchestervereinigung“ der FSU unter Leitung von Sebastian Krahnert, des „Universitäts- und Studentenchors“ und eines professionellen Solistenensembles.
Der von Alexander Günther ebenso gut gespielte wie gesungene Gabriel von Eisenstein vergnügt sich auf Anraten des befreundeten Dr. Falke (Ingolf Seidel) am Vorabend eines mehrtägigen Gefängnis­aufenthaltes auf dem rauschenden Fest des Prinzen Orlofsky (Annekathrin Laabs). Dort trifft er neben seinem Stubenmädchen Adele (Mariola Jupé) auch die eigene Frau Rosalinde (Jana Reiner), die er in ihrer Verkleidung als ungarische Gräfin jedoch nicht erkennt und sogleich verführen will. Man merkt schon: ein nicht allzu schwer verdaulicher Inhalt, mit dem der Regisseur Patrick Rohbeck aber genau richtig umzugehen weiß: Er lässt sich auf den Spaß ein und treibt ihn mitunter sogar auf die Spitze, indem er den ohnehin schon pointenreichen Text mit eigenen Erfindungen bereichert. So wird aus dem Liebhaber Rosalindes „der Alfred aus Kunitz“ (Carlos Zapien) und der von Rohbeck selbst gespielte Gerichtsdiener Frosch reflektiert schon mal den tieferen Zusammenhang von „Marquis“ und „Markise“. Auch dann, wenn die Komik ins Klamaukhafte abzurutschen droht, erlebt der Zuschauer immer wieder eine Überraschung: Als beispielsweise Eisenstein und der Gefängnisdirektor Frank (Björn Werner) sich voller Erstaunen ihr eben getrunkenes Wasser gegenseitig ins Gesicht prusten, spannt eine nah an der Bühne sitzende Orchestermusikerin blitzartig ihren Regenschirm auf. Eine gute Stimmung also, die – begünstigt von der turbulenten Handlung und der beschwingten Musik – schnell aufs Publikum übergreift. Das Universitätshauptgebäude, sonst der Schauplatz menschlicher Tragödien, wird hier zur fröhlichen Spielwiese; und dass das heuchlerische, trinkfreudige Witzfigurenkabinett gerade im Inneren der Uni-Verwaltung seinen Schabernack treibt, ist in ihrer kaum zu überschätzenden Symbolkraft sicherlich eine der tiefsinnigsten Pointen des Abends.