Martin Sonneborn liest aus seinem „Partei-Buch“

Von Louisa Reichstetter

Ist Mitglied in allen Parteien – außer bei den Grünen: Martin Sonneborn                                   Foto: Louisa Reichstetter

‚‚Wir sind eine Partei, weil…“ Der Redner hebt vielsagend den Arm und macht eine dramaturgisch imposante Pause, „wir eine Partei sind!“ Die Sinnlosigkeit wird unter Jubelgeschrei begraben. Nur die Ordner, die ein bisschen wie Neonazis aussehen, bleiben in jener Videosequenz steinern.
Solche Szenen sind typisch bei Vollversammlungen der „Partei“, gegründet 2004. Im Superwahljahr 2009 nun kommt der Bundesparteivorsitzende, Martin Sonneborn, auf seinem unbeirrten Weg zur Macht am 2. April in Jena vorbei. Auch dort jubeln ihm rund 180 Menschen zu. Sonneborn erweist sich als analytisch scharfer Kritiker regionalpolitischer Verhältnisse („Ich kenne Ihren Ministerpräsidenten. Seine Frau sagte neulich gerührt: Er ist über den Berg. Ich sage: Genau das war das Problem!“) wie bundesweiter Bedürfnisse („Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten. Außer uns.“).
Und weil seine Politik, seine Visionen so ungemein bedeutsam sind, hat Sonneborn, sonst für das Satiremagazin Titanic oder Spam! auf Spiegel Online verantwortlich, nun ein Buch geschrieben: Wie andere vor ihm zieht darin ein Mann mit hoch gewordener Stirn Bilanz und plaudert aus dem abenteuerlichen Nähkästchen eines Politiknomaden, der auch die Basisarbeit nicht scheut. So tauchte er beispielsweise in der Eise-nacher Fußgängerzone als Liberaler auf, um Rentnerinnen mit Hetzkampagnen („Gib endlich Friedmann! Judenfrei und Spaß dabei!“) für die FDP zu begeistern.

Mauer aufbauen, Demokratie abschaffen

Das alles wäre nur einigermaßen witzig und ein wenig blöde, wenn es Sonneborn und der Titanic nicht immer wieder gelänge, die Dummheit von Politikern tatsächlich zu entlarven: So stieß der Eisenacher FDP-Kreisvorsitzende Klaus Schneider an jenem Tag zu den jungen Wahlkämpfern. Die deftigen Plakate schienen ihm nichts auszumachen. Im Gegenteil: Er genoss Trubel wie Gratis-Eierlikör und ließ sich mit den knallgelb gekleideten Titanicern Arm in Arm vor Plakaten mit SS-Runen und einer nackten Generalsekretärin Pieper fotografieren. Eine junge Redakteurin der Süddeutschen Zeitung, zufällig mit Sonneborn befreundet und mitgereist, notierte alles. Heute unterschreibt Schneider nichts mehr für die FDP. „Der ‚‘Partei‘ ist er allerdings auch nicht beigetreten“, resümiert Sonneborn mit aalglattem Politikergrinsen.
Doch auch nach drei Stunden Lesung hat der Berliner seine Ankündigung, zu erklären, wie man eine Partei gründe und sie etabliere, nur bedingt eingelöst: Wichtig sei, offen verfassungsfeindlich zu werden, um mehr Aufmerksamkeit zu erhalten. So will „Die Partei“ Paragraph eins des Grundgesetzes medienkritisch erweitern: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Ausgenommen hiervon sind Johannes B. Kerner, Reinhold Beckmann sowie die Intendanten und Geschäftsführer der Fernsehsender.“
Das einzig ernst Gemeinte des Abends ist schließlich die Aufforderung, Parteimitglied zu werden. Das könnte sich tatsächlich lohnen, denn auf dem Mitgliedsausweis steht: „Hiermit kommt man überall durch“. So hätte man sich prompt die acht Euro Eintritt sparen können.