„Waltz with Bashir“ fasziniert durch seinen Blick für Details

Von Kristin Haug

Ari Folman als junger Soldat in Beirut. Foto:pandora-film

Und er tanzt und tanzt und tanzt. Und er schießt. Auf der Beiruter Front-Straße findet sich der israelische Soldat Shmuel Frenkel zwischen zwei Welten wieder. Israelis kämpfen gegen Palästinenser, Frenkel rennt los und schießt wild um sich. Tänzelnd, traumvergessen, betäubt. Was aussieht wie eine perfekt inszenierte Choreographie des Soldaten ist sein Kampf ums Überleben.
Die visuelle Schlagkraft der Szene aus Ari Folmans Film „Waltz with Bashir“ ist immens, zugleich ist sie so einprägsam, dass sie den Zuschauer direkt in das Geschehen hineinzieht, plötzlich wird er selbst Teil der Handlung. Die Musik scheint Frenkels Schutzschild zu sein – gegen die Kugeln der Feinde und die Realität des Geschehens. Folman bedient sich vieler dieser Kunstgriffe. Die Figuren flüchten in eigene Welten, sehen das Kriegsgeschehen gefiltert – Traum und Wirklichkeit spielen nebeneinander.

Der Film ist animiert, zugleich aber eine Dokumentation, in der Folman die Suche nach seiner eigenen Vergangenheit thematisiert. Als junger Soldat nimmt er an Kämpfen gegen den Libanon teil, um den dort erstarkten Palästinensern entgegenzuwirken. Doch mehr als 20 Jahre später kann sich Folman nicht mehr an die Kriegshandlungen erinnern. Darüber erschüttert, besucht er alte Kameraden, die ihn durch Erzählungen zurück in die Vergangenheit holen. Auch Shmuel Frenkel, der tanzende Soldat, ist mit dabei – dessen bürgerliches Leben nach der Armee im Film ebenso gezeigt wird, wie die der anderen Kämpfer an Ari Folmans Seite. Bis ins Detail wird deren Gegenwart gezeichnet: die Fotos an der Pinnwand in der Küche, die erklärenden Handbewegungen, die blinzelnden Augen, das lange Überlegen vor den Antworten auf Folmans Fragen. Mimik, Gestik und Physiognomie der Figuren sind dabei so real, dass die Zuschauer das Animierte des Films vergessen. Mit rasanten Kamerafahrten, ungewöhnlichen Einstellungen, ungestelzten Dialogen und eindringlicher Musik kehrt der Regisseur das Animierte ins Wirkliche um. Irgendwann wird das Gezeichnete dann doch real und holt den Zuschauer zurück in die Vergangenheit.

Läuft seit dem 6. November im Schillerhof