Benommen vom Sojageschnetzelten aus dem UHG taumle ich am Fürstengraben gen Thulb. Umzingelt von Caféteria-Dauerhocker:innen warte ich geduldig, bis sich vier Studierende halb rauchend durch die Drehtür gequetscht haben. In meiner Wahlheimat angekommen, ist die erste Amtshandlung mein provisorischer Kontrollgang: Ich besuche den Moshpit und schnuppere in den Seminarraum in der Eins – hier wurde drei Erdzeitalter lang nicht gelüftet. Dabei hinterlasse ich eine Spur von ausgeschwitzter Clubmate. Selbstverständlich finde ich um 13 Uhr keinen vernünftigen Platz, an dem ich mich konzentrieren kann. Es ist schließlich Primetime und das Einzige, was überlaufener ist als die Thulb, ist wohl die Fusion. Habe ich mich umsonst auf den Weg hierher gemacht? Am liebsten würde ich schreien. Leider ist der orange, schalldichte Legoklotz im EG seit vier Stunden besetzt, weil sich jemand darin eine mehrteilige Arte-Doku reinzieht. Um alles zu machen, außer zu lernen, schiebe ich noch eine kurze Pinkelpause ein. Die Toilettentür öffnet sich und mir kommen zwei nackte Füße entgegen. Nachdem ich festgestellt habe, dass nur drei von zehn Toiletten funktionieren und sich bereits eine kleine Schlange an den Waschbecken bildet, entscheide ich mich dazu, mich aufs Fahrrad zu schwingen. Ich könnte es noch in einer anderen Bib versuchen, denke ich mir, doch dann biege ich bereits in meine Straße ein. Bei all dem bleibt mir nur noch eine Frage zu stellen: Wie hat die Thulb noch keine Ameisenplage?
von Paul-Hendrik Möllers
erschienen in der Ausgabe 460
