Wenn man das erste Mal das Wort Moshi hört, denkt man an etwas Kleines, Niedliches, Harmloses. Moshis sind aber leider keine Mochis und gelten als Verniedlichungsform von Moshpits, also dem Bilden eines Menschenkreises bei einem Konzert oder Festival, in den dann hineingesprungen und sich gegenseitig anrempelt wird zum Beat der Musik. Für viele gehören sie zur Konzertkultur dazu, für mich sind sie vor allem chaotisch, unnötig und gefährlich. Während manche darin Freiheit, Gemeinschaft oder den Ausdruck von Begeisterung für die performenden Künstler:innen sehen, empfinde ich das ständige Schubsen, Rempeln und Umwerfen als stressig und unangenehm.
Besonders störend finde ich, dass man oft gar nicht selbst entscheiden kann, ob man daran teilnehmen möchte oder nicht. Oft wird Kritik an Moshpits damit abgetan, dass man sich ja einfach fernhalten könne. In der Realität ist das nicht so einfach. Das sorgt bei mir eher für Anspannung als Spaß. Statt mich auf die Band konzentrieren zu können, achte ich ständig darauf, ob sich irgendwo in meiner Nähe ein kreisförmiges Gedränge bildet.
Hinzu kommt, dass Moshpits ein echtes Verletzungsrisiko darstellen. Stürze, Tritte oder Zusammenstöße lassen sich nicht immer vermeiden. Natürlich gibt es viele Besucher:innen, die aufeinander achten und helfen, wenn jemand hinfällt. Trotzdem bleibt die Tatsache bestehen, dass eine Menschenmenge absichtlich gegeneinander rennt. Dass daraus Verletzungen oder Panikattacken entstehen können, sollte niemanden überraschen.
Für mich sind Moshpits deshalb kein Ausdruck von Konzertspaß, sondern ein Grund, mich auf Konzerten unwohl zu fühlen. Musik soll Menschen zusammenbringen und ein positives Erlebnis schaffen. Wenn ich stattdessen Angst haben muss, angerempelt oder umgestoßen zu werden, geht ein großer Teil dieses Erlebnisses verloren.
von Karolin Wittschirk
erschienen in der Ausgabe 460
