Fete für Alle

Wir brauchen einen neuen Feiertag, der alle verbindet, die es wagen,  vergreiste Traditionen loszulassen. Wo sowas zu finden war? Vielleicht bei der Fête de la Musique, auch hier in Jena.

Text und Bild von David Boué

Auch dieses Jahr blühte Jena bei der Fête de la Musique wieder musikalisch auf. An über 40 Bühnen konnte man aus mehr als 100 verschiedenen Musik-Acts wählen. Dabei waren dem Publikum zwischen Techno, Latino, Zupfmusik oder auch Melodic-Alternative-Grunge-Skate-Pop-Punk-Christen-Chor-Rock im Fall der Band inHE4T wenige Grenzen gesetzt. Auch die Ausgestaltung der Angebote variierte, so wurden abseits der Musik historische Führungen, Mitmachangebote für Kinder und Skate-Workshops angeboten.

Aber woher kommt dieses Fest eigentlich? Wie der Name bereits vermuten lässt, führen die Spuren nach Frankreich. Dort rief der damalige Kulturminister Jack Lang das Fest 1981 ins Leben. Es ging ihm darum, dem „kulturellen Erbe der Musik Leben einzuhauchen”, wobei man auch vom Zelebrieren der kulturellen Gegenwart sprechen kann. Außerdem war es ein zentrales Ziel der Initiative, Musik kostenlos zugänglich zu machen. Durch den schlagartigen Erfolg der ersten Austragung des Festes, bei der circa eine Million Menschen teilnahmen, breitete es sich von Paris aus in andere Städte Frankreichs aus. Mittlerweile wird das Fest weltweit in über 1.300 Städten jährlich gefeiert. In Deutschland nahmen 2026 über 180 Städte am Fest teil.

Was spräche also dagegen, die Fête de la Musique zu einem neuen Feiertag zu machen, der weder wie Weihnachten oder Ostern introvertiert im Privaten, noch extrovertiert von hauptsächlich schwer alkoholisierten Männern am Vatertag gefeiert wird? Im Gegensatz zu diesen konnte man bei der diesjährigen Fête de la Musique in Jena die verschiedensten Menschen im Publikum der vielen Bühnen beobachten – über alle Altersgruppen hinweg. So versammelte sich zum Auftritt der Jazzband Katerkombo ein diverser Mix junger Menschen um die Weintanne herum, mit kaltem Spaßgetränk bewaffnet, während die älteren Generationen von den Draußenplätzen des Restaurants lauschen konnten. Der Skatepark im Paradiespark wurde zur Bühne von Skateworkshops für Kinder und kommentierten Vorführungen der etwas erfahreneren Skateboarder und BMXer, die von einem Publikum junger Geschwister, Eltern und Großeltern umringt wurden. 

Sind nun die notwendigen 160.000 Unterschriften für einen erfolgreichen Volksentscheid in Thüringen die einzige zu betrachtende Hürde, oder hakt es auch an inhaltlichen Fragen?

Eine zentrale Schwäche der Fête de la Musique in Deutschland bleibt die Notwendigkeit urbaner Anbindung, die eine wirkliche Inklusion aller Menschen verhindert. Auch der Fokus auf Veranstaltungen in den Zentren der Städte, wie auch hier in Jena, blockiert eine sinnvolle Dezentralisierung von Musik- und Kulturangeboten. 

Als Positivbeispiel dafür, diesem Problem entgegenzuwirken, kann die Freie Kulturkarawane aus Thüringen angeführt werden. Diese sprach sich kürzlich auch für die Einführung der Fête de la Musique als Feiertag aus und engagiert sich seit vielen Jahren für die kulturelle Erschließung ländlicher Räume mit Musik- und Kulturveranstaltungen.

Trotz der angesprochenen Probleme bin ich weiterhin davon überzeugt, dass ein solcher Feiertag auch an einem regulären Arbeitstag, an dem das Fest im Jahr 2027 stattfinden wird und gerade angesichts steigender Veranstaltungspreise anderswo allen Menschen die Möglichkeit bieten kann, an kostenlosen Konzerten teilzunehmen. Das Ziel bleibt dabei, Gemeinschaft nicht, wie bei anderen Feiertagen, von religiöser Zugehörigkeit, Alter oder Geschlecht abhängig zu machen und Gemeinsamkeiten und Unterschiede gemeinschaftlich mit dem zu feiern, was die meisten auf ihre eigene Art lieben: Musik.

Damit es auch hier in Deutschland mit der Umsetzbarkeit nicht am Namen scheitert, wäre für mich auch die Betitelung „Internationaler Tag der Musik und Kultur“ akzeptabel, und ich hoffe, wir sehen uns mit 159.999 Unterschriften mehr.

Dieser Text erschien in der Ausgabe 460, Juli 2026.


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