100 Jahre nach dem NSDAP-Parteitag in Weimar trifft sich heute dessen zeitgenössisches Pendant nur wenige Kilometer entfernte zum eigenen Parteitag.
Ticker von Dario Holz
15:30 Uhr
Für mich heißt das nun Feierabend! Der Parteitag ist zwar noch lange nicht vorbei, aber so langsam hab ich lange genug AfDler in meiner Nähe gehabt. Außerdem bin ich ganz offiziell im Urlaub, ich schreibe diesen Ticker also auch nicht als Angestellter des Stura, sondern als freier Mann!
Danke fürs Lesen und noch ein schönes Wochenende! Ich geh jetzt auf die Demo.
15:25 Uhr
Carsten Hütter verliert sein Amt, neuer Schatzmeister ist ein ehemaliger Bundeswehrsoldat, der aufgrund zweifelhafter Verfassungstreue ein Disziplinarverfahren am Hals hat. Wusste gar nicht, dass das bei der Bundeswehr zum Problem werden kann.
15:15 Uhr
Auch der zweite Wahlgang bringt keine neuen Erkenntnisse, nur eine Stimme trennt die beiden Kandidaten. Die Wahl wird nun wiederholt? Das kann ein langer Nachmittag werden.
15:10 Uhr
Die Uneinigkeit zeigt sich auch im ersten Wahlgang, keiner der beiden Kandidaten erreicht genügend Stimmen. Man geht nun in eine Stichwahl – nur war es davor auch schon eine Stichwahl, es gab nur zwei Kandidaten. Aber genau so stelle ich mir gute Konsensfindung vor: Man stimmt einfach so oft ab, bis einer keine Lust mehr hat.
15:05 Uhr
Wobei, so unharmonisch wie gerade, war es den ganzen Tag noch nicht. Der bisherige Bundesschatzmeister Carsten Hütter (Sachsen) bekommt Gegenwind und einen Gegenkandidaten, es wird auch inhaltlich stark diskutiert.
15:00 Uhr
Während es in der Halle weiterhin friedlich und harmonisch läuft, sieht es draußen auf den Straßen anders aus, immer mehr Videos gehen durch die Sozialen Medien, die gewaltsame Polizisten zeigen.
14:50 Uhr
Die Musikbox wird immer noch emsig gesucht, jetzt auf der anderen Seite der Halle. Wahrscheinlich ist sie aber leer, die Musik ist schon länger nicht mehr zu hören. Die Schweizer neben mir schneiden schon an ihrem Beitrag, sieht soweit gut aus, so meine professionelle Einschätzung.
Gerade wird übrigens der Schatzmeister gewählt, soweit so unspektakulär.
14:45 Uhr
So viele Reden und noch niemand hat Tayor Swift zur Hochzeit gratuliert.
14:40 Uhr
Wie viele stellvertretende Bundessprecher hat diese Partei eigentlich? Es wird schon wieder jemand gewählt, diesmal eine Bayerin, die Markus Söder gerne aus der Staatskanzler jagen möchte (Kein Applaus im Saal). Ich blicke immer noch auf den Sicherheitsdienst, der auf einem Stuhl-Stapel stehend in eine Zwischenwand klettert.
14:30 Uhr
Es ist völlig egal, was auf der Bühne passiert, alle Aufmerksamkeit richtet sich auf das Sicherheitspersonal, welches auf den Emporen der Messe eine ausführliche Suchaktion durchführt. Ich beobachte, wie hinter Wände geklettert wird, die Verkleidung ausgebaut wird, und Vorhänge verschoben werden. Wahrscheinlich versteckt sich irgendwo eine Bluetooth-Box, noch wurde sie nicht gefunden, das Imperium schlägt zurück.
14:20 Uhr
Auch der zweite stelv. Bundessprecher wurde gewählt, Stefan Möller aus Thüringen übernimmt das Amt.
Der Imperal March hat sich ausgebreitet, scheint aus mehreren Richtungen zu kommen. Der Sicherheitsdienst wird zunehmend unruhiger, Leute laufen auf der Suche nach der Quelle hektisch umher.
14:10 Uhr
Gerade läuft die Wahl zum stellvertretenden Bundessprecher, als man plötzlich eine Trompete hört, die den Imperial March spielt. Aber statt Darth Vader taucht Björn Höcke wieder auf den Monitoren auf, ich weiß nicht, wer schlimmer ist.
14:00 Uhr
Da bin ich wieder, um eine Bratwurst und Vita Cola stärker, aber auch um acht Euro ärmer. Hatte beim Wurst mit Ketchup bestellen Angst, gleich laute “Ausländer Raus” Rufe der Thüringer Delegierten zu hören, aber das blieb aus.
Der AfD-Fanshop blieb unter meinen Erwartungen, auch sonst ist das einzig Schöne hier der Ausblick auf die zahlreichen Demonstrierenden vor dem Messegelände. Ein Vertreter der Generation Deutschland bot mir eine bedruckte, kostenlose Energy-Dose an, die ich zuvor bereits auf dem Tisch der NIUS-Journalisten gesehen habe. Ich habe abgelehnt.
13:45 Uhr
Wenn man vom Teufel spricht: Die Schweizer sind wieder da und beschweren sich im ersten Satz direkt über die hohen Getränkepreise. Es wird Zeit, sich dem Mysterium selbst zu widmen und das kulinarische Angebot auszukundschaften. Ich bemühe mich um schnelle Rückkehr!
13:40 Uhr
Abschieben, Wahlen gewinnen, Umweltschutz beenden. So lässt sich Weidel zusammenfassen, die hier unter lautem Applaus ihre Antrittsrede hält. Auch sie wird gewählt, der Bundesvorstand ändert sich mit diesem Parteitag also nicht.
Zeit, um zu den wirklich wichtigen Dingen zu kommen: Von den Schweizern fehlt noch immer jede Spur! Da ich für die Bewachung ihrer Ricola-Bonbons, Ovomaltine-Brötchen und Luxusuhren verantwortlich bin, darf ich meinen Platz nicht verlassen. So langsam muss ich aber mal für kleine Akrützel-Redakteure.
13:30 Uhr
Auch Weidel erzählt vom Fußball, der Sport scheint uns also wirklich zu vereinen. Hoffentlich zeigen die hier im Saal dann auch den Tour de France Start, alternativ muss ich mir eine Monitor vom MDR klauen.
13:25 Uhr
In aller Freundschaft schlägt nun Chrupalla Weidel für den zweiten Platz im Bundesvorsitz vor, auch hier gibt es wieder keinen Gegenkandidaten. So viel Einigkeit bin ich nicht gewohnt.
Anderes Thema für die Journalismus-Nerds: Ich wollte gerade Julius Böhm bei seiner Sportwette bebachten, als sich ausgerechnet Mariam Lau in mein Sichtfeld stellte.
13:20 Uhr
“Wenn Sie Tino Chrupalla zum ersten Bundesvorsitzenden wählen möchten, drücken Sie die Eins”. Fast ein Drittel entschied sich aber für die Taste Zwei “Nein”; Tino wird dennoch gewählt, sein Ergebnis ist aber gute zehn Prozentpunkte schlechter als bei der vorherigen Wahl.
13:10 Uhr
Chrupalla erklärt nochmal, dass auch Westdeutsche Mitbürger:innen Deutsche seien. Da gab es ja mal einige Unklarheiten in der Partei.
Jetzt folgt eine Fußball-Referenz, man müsse Mut haben, um Elfmeter zu verwandeln, so was in die Richtung. Auch hier scheint das frühe Aus der Nationalmannschaft tiefe Wunden hinterlassen zu haben.
13:05 Uhr
Der erste von zwei Bundesvorsitzenden wird gewählt, Alice Weidel wird vorgeschlagen, möchte aber das konservative Rollenverständnis der Parteimitglieder nicht in kognitive Dissonanz bringen und gewährt Tino Chrupalla den Vortritt. Dieser bleibt ohne Gegenkandidat, hat auch immer seinen Mitgliedsbeitrag pünktlich bezahlt (ja, das wurde abgefragt) und darf demnach im Amt bleiben.
12:55 Uhr
Glücklicherweise habe ich mit einer Packung Hanuta vorgesorgt und kann erfolgreich die eigene Souveränität gegenüber der Schweiz erklären.
12:50 Uhr
Die Wahl des neuen Bundesvorstandes rückt näher, gerade werden noch Formalien geklärt. Ich bin zwischenzeitlich versehentlich durch den Livestream der AfD gelaufen, außerdem haben sich die Schweizer wieder verkrümelt. Apropos Schweizer und Krümel: Meinen versprochenen Kuchen habe ich auch nicht bekommen. Mein Bild von diesem kleinen Alpenland wird von Minute zu Minute schlechter.
12:45 Uhr
Der nächste Antragsteller möchte gerne den “Linksterrorismus” stoppen, vor dem Antrag zeigt sich das Präsidium mit den “Journalisten” von Apollo News solidarisch, die vor dem Messegelände durch Demonstrierende vertrieben wurden seien. Mit mir und meiner traumatischen E-Scooter-Entjungferung hat sich natürlich wieder niemand solidarisiert, ich hatte wirklich Angst auf dem Ding, keine Ahnung, wie Armin Laschet das so gut hinbekommt.
12:40 Uhr
Irgendjemand von den Hessen hat in seinem Antrag doch tatsächlich das Wort “Einwanderungsland” positiv besetzt, so geht das natürlich nicht. Zum Glück springt gleich ein patriotischer Landsmann ein und verhindert durch einen Änderungsantrag Schlimmeres! Einwanderungsland möchte man dennoch sein, aber eben nur für im Ausland lebende Deutsche.
12:35 Uhr
Erste Ordnungsrufe in Richtung Delegierte, es sei zu laut. Tatsächlich kann ich nicht verstehen, was der Gesandte aus Hessen gerade auf der Bühne erzählt – möge aber auch daran liegen, dass ich mir noch die Highlights von Argentinien / Kap Verde auf Youtube anschaue.
12:30 Uhr
Endlich neigen sich die 15-minutes-of-fame der Rechnungsprüfer dem Ende zu. Auch sind die Schweizer zurück, ich hab mir langsam Sorgen gemacht.
12:15 Uhr
Ich möchte mich bitte beim Stura entschuldigen, dessen Sitzungen ich immer wieder als langweilig betitelt habe: Gerade sprechen die Rechnungsprüfer der AfD in einer beachtlichen Tiefgründigkeit über ihren Job, es interessiert wirklich niemanden. Meine Langeweile hat einen neuen Tiefpunkt erreicht.
Zum Reden habe ich auch niemanden, die Schweizer sind nur immer verschollen, bleibt nur noch Springer oder NIUS. Da höre ich doch lieber den Rechnungsprüfern zu, die gerade die Vorzüge einer neuen Software erläutern.
12:05 Uhr
Stolz wird verkündet, die AfD sei schuldenfrei! Friedrich Merz, der im Kanzleramt gerade ein großes Public-Viewing des Parteitages veranstaltet, bricht in euphorischen Jubel aus: “So wirds gemacht”! So stelle ich mir das zumindest vor.
In der Halle selbst bekommt die schwarze Null fast niemand mehr mit, die Reihen hab sich gelichtet. Nur noch vereinzelt erkennt das geschulte Auge eine wehende Deutschland-Flagge,
11:55 Uhr
Der finanzielle Tätigkeitsbericht wird vorgestellt. Geld scheint für die meisten hier kein großes Thema zu sein, viele nutzen die Gelegenheit, um sich die Beine zu vertreten. Die Schweizer sind auch weg, müssen einen Beitrag drehen. Ich bewache derweilen ihre Plätze, im Gegenzug wurde mir ein Stück Kuchen versprochen.
11:50 Uhr
Direkt neben Jenas führender Hochschulzeitung hat es sich der SRF gemütlich gemacht, also der zwangsfinanzierte Staatsfunkt der Schweiz. Sind drei nette Gesell:innen, die sich wahlweise auf französisch (verstehe kein Wort) oder schweizerdeutsch unterhalten (ich verstehe noch weniger). Nachdem ich vorhin mein Buch (siehe 11:45 Uhr) herausholte, fing einer der Schweizer an, laut zu lachen, nahm mir das Buch aus der Hand und meinte auf Englisch (?), das wolle er auch noch lesen. Seitdem sind wir Freunde.
11:45 Uhr
Ich sitze zwar links im Pressebereich, bin aber dennoch irgendwie in der rechten Ecke gelandet. Neben mir hat gerade Julius Böhm ein Reel aufgenommen, vor mir sitzen seine NIUS-Kollegen, umzingelt von diversen “Journalisten” der Bild. Direkt neben mir wird für die “Ostdeutsche Allgemeine” geschrieben.
Aber wer sich sorgt, der kleine Dario umgeben von solch zwielichtigen Gestalten, wie konnte er nur in dieses Umfeld gelangen, dem kann ich Zuversichtlich sagen: Mir geht es gut – auch wegen meiner Nachbarn zur anderen Seite.
11:40 Uhr
Die letzten Minuten stellte Weidel übrigens den Tätigkeitsbericht der AfD vor. Ich möchte hier aber ungern auf die Erfolge der Rechtsextremen eingehen, deshalb geht es weiter mit allem, was abseits der Bühne passiert.
Vor den Messehallen scheint es jedenfalls deutlich unfriedlicher zuzugehen, als hier auf dem Parteitag: erste Bilder von gewaltsamen Polizeieinsätzen tauchen auf.
11:35 Uhr
Der Pressebereich befindet sich im hinteren Drittel der Halle und ist gut besucht. Als ich (kurz vor knapp, das muss ich zugeben) ankam, waren alle Reporterplätze bereites belegt. Ich schloss mich mit einem ebenfalls platzsuchenden Journalisten zusammen, wir vereinten unseren Spürsinn und konnten in einer verlassenen Garderobe noch zwei Stühle ergattern.
11:30 Uhr
Weidel hat in den letzten fünf Minuten bestimmt dreißig mal “schwarz-rot-gold” gesagt, sie möchte alles, wirklich außnahmslos alles, in diesen Farben sehen. Kurz habe ich gedacht, es wird gleich ein Rebranding des AfD-Logos angekündigt. Aber nein, so viel Veränderung kann man dem konservativen Wählerklientel natürlich nicht zumuten; später würde es wieder “Früher war alles besser” heißen, dass kann keiner wollen.
11:20 Uhr
Manchmal erzählt man sich die Geschichte, Höcke sei selbst in der AfD ein Außenseiter, der vom Bundesvorstand gemieden und verachtet wird. Unter den Delegierten hier vor Ort, scheint das aber nicht zu stimmen, Höcke ist hier der große Star.
Es gibt Probleme mit der PowerPoint, wir sind alle nur Menschen.
11:15 Uhr
Weidel wieder auf der Bühne, sie ist wie ein kleines Kind, dessen Sandkasten-Formen geklaut wurden. Alle sind gegen sie, keiner hat an sie geglaubt, niemand wollte mit ihr spielen. Aber trotz der Widerstände läuft es für die Partei immer besser, da hat Weidel leider Recht.
11:10 Uhr
Höcke hält eine kraftvolle Rede, lästert so über ziemlich alles und endet mit so viel Pathos, dass selbst Goebbels gestaunt hätte. Irgendwie sind die Deutschland-Fahnen im Publikum auch immer mehr geworden, im Eingang der Messhalle gibt es einen AfD-Fanshop, wahrscheinlich vertreiben die auch Flaggen.
11:00 Uhr
Der erste Erfolg wird gefeiert: Die Tagesordnung wurde angenommen. Obernazi Höcke betritt als Gastgeber die Bühne und lässt sich mit offenen Armen bejubeln. Im Publikum werden Deutschland-Fahnen geschwenkt, die Laune ist Bestens. Bilder, die ich so nur von längst vergangenen Erfolgen der Nationalmannschaft kenne.
Höcke wünscht sich von den Pressevertreter:innen nun eine neutrale Berichterstattung, da ist er bei diesem Ticker genau an der richtigen Stelle! Viel Spaß beim Lesen, Bernd!
10:50 Uhr
Alice Weidel betritt erstmalig die Bühne. Als ich das letzte Mal in der Erfurter Messe war, stand an gleicher Stelle Kraftklub. Ich glaube, der Kontrast ist deutlich.
10:45 Uhr

Es wurde 20 Minuten lang das Abstimmungsgerät erklärt, ich langweile mich schon jetzt. Zum Glück habe ich ein bisschen Lektüre mitgebracht, die mir das Warten auf berichtenswerte Ereignisse erleichtert.
10:30 Uhr
Die Zählkommission wird gewählt, das kenne ich doch aus dem Stura. Aber zurück zur Anreise: In unmittelbarere Nähe der Messe ging es nur in Begleitung der Polizei voran (Medienschutz nennt sich das Pilotprojekt); aller 200 Meter wollte jemand entweder meinen Presseausweis, den Perso, die Akkreditierung, meine Mietgeberbescheinigung oder mein 2.-Klasse Zeugnis (Betragen: 2-) sehen.
10:20 Uhr
Die Anreise verlief sehr unspektakulär, ja fast langweilig. Die ganze Stadt ist voller Menschen, von Bürgerkrieg, wie ihn Höcke erwartete, ist aber nichts zu sehen. Ich ging zu Fuß, der ÖPNV fällt heute wegen der vielen Demonstrationen weitläufig ist. Aus Lauffaulheit versuchte ich mich auch erstmalig an einem E-Scooter, die ich bislang aus Gründen der Selbstachtung ablehnte. Es war ein gruseliges und kurzweiliges Ausprobieren, nach nur 2,40 € (Davon ein Euro Entsperrungsgebühr) bat mich ein Uniformierter, doch bitte abzusteigen.
10:10 Uhr
Während Chrupalla seine Eröffnungsrede hält (langweilig), erzähle ich euch meinen bisherigen Tag. Moment, gerade wurde laut gelacht, der Mann scheint Humor zu haben, zumindest nach dem Verständnis der hier Anwesenden. Ich hab den Witz jedenfalls verpasst, jetzt zieht er über Katrin Göring-Eckardt und die SPD her. Soweit keine Überraschungen.
10:00 Uhr
Es geht los! Der Parteitag der Rechtsextremen beginnt mit einem dramatischen Film, Schweinwerferlicht schwenkt durch die Halle, Nebelmaschinen hüllen in Halle in düsteres Licht. Großes Kino!


Dario du bist ein Tier, dafür, dass du da reingekommen bist ???
endlich gibt es wieder Qualitätsjournalismus in diesem Land
Ich freue mich, dass dieser Ticker nicht vom Staat finanziert wurde.
Danke für diesen informativen Ticker ?
*das ? war eigentlich ein <3