Unser Autor hat sich angehört, was Nitzsche für die Soziokultur machen will. Jetzt ist er sauer.
von Dario Holz
ich finde es ganz toll, dass sie ihrer Parteilinie treu bleiben und bei keiner Diskussion vergessen, Ihre kapitalistische Marktlogik mitzubringen. Wenn man wirklich möchte, kann alles Kapitalismus sein, oder? So klang es jedenfalls, als am Montag über die Kulturlandschaft in Jena diskutiert wurde. Leider geht das nicht immer gut aus: die Soziokultur Jenas leidet, zu wenig Freiräume, zu wenig kommunale Unterstützung, lange und komplizierte Anträge, das Gefühl von Hilflosigkeit. Aber alles kein Problem, wenn man Ihnen Glauben schenkt.
Kultur funktioniert doch in Jena! Kein Wagner, dass seinen Umzug durch ein Crowdfunding finanzieren musste, keine Insel, die jetzt irgendwo in den Wäldern außerhalb der Stadt einen Neuanfang startet, keine Rose mit durchnässten Gewölbedecken. Probleme werden nicht weniger, wenn man wegschaut. Die ganze Zeit dreht es sich bei Ihnen um JenaKultur („für das uns andere Städte beneiden“), der Philharmonie, dem Volksbad. Da wo das Geld liegt, wo eine Eintrittskarte auch mal etwas mehr kostet – Prestigeprojekte für die Selbstdarstellung. Was eine Stadt lebendig macht, ist aber alles andere: Straßenkünstler (wann haben Sie den Letzen gesehen?), Kleinkunst, Kultur von unten und freie Bühnen. Soziokultur ist das was diese Stadt, gerade für Studierende und Jugendliche, lebenswert macht. Der Grund, warum Leute hier bleiben möchten, selbst aktiv werden und eigene Ideen umsetzten. Da braucht es eine Stadt, die unter die Arme greift. Die unterstützt, finanziert, ermöglicht – und sich nicht nur auf den großen Projekten ausruht.
Aber bei Ihnen geht es nicht um Kultur – es geht um Klasse. Nur das Beste vom Besten. Förderanträge werden „aus qualitativen Gründen“ abgelehnt, wenn Bands nach Proberäumen suchen, kommunale Immobilien Kulturschaffenden nicht bereitgestellt, denn „die finden ihre Räume schon selbst“, außerdem ist „Knappheit auch qualitätssichernd“. Dabei geht es doch um viel mehr: ums Ausprobieren, kreativ werden, gemeinsam Spaß haben, Dinge erleben. Kultur ist für diejenigen, die es machen, eben keine wirtschaftliche Angelegenheit. Es geht nicht um Qualität, es geht um Freiheit – nicht um das große Geld, sondern um Selbstverwirklichung.
Das ist förderungs- und erhaltenswert. Immer.
